Bildung als Wirtschaftsfaktor: Wie Unternehmen Fachkräfte von morgen sichern

Die Landesverbände Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland des Wirtschaftsrates der
CDU e.V. luden zu einer Diskussionsveranstaltung in den Räumen des
Bechtle IT-Systemhaus Frankfurt am Main ein, vorgestellt
von Gastgeber und Geschäftsführer Alfredo Rubina.
In ihrem Eingangsstatement wurde ein zentraler Gedanke von
Prof. Dr. Julia Knopf, Leiterin des Forschungsinstituts Bildung Digital sowie Gründerin
und Gesellschafterin der Didactic Innovations GmbH, deutlich: Wir müssen Lehrkräfte befähigen,
junge Menschen auf die Berufe von heute und morgen vorzubereiten. Gleichzeitig braucht es eine
Berufsorientierung, die den Erwartungen der Generation Z und Alpha gerecht
wird. Digitale und datengestützte Schulentwicklung ist in Deutschland zwar
möglich, wird aber noch viel zu selten konsequent genutzt.
Besonders eindrucksvoll war auch der Blick auf die
Weiterbildung: 78 % der Unternehmen geben an zu wissen, wie wichtig sie ist –
aber nur 12 % verfügen über eine konkrete Strategie, um diese umzusetzen.
Dieses Missverhältnis zwischen Erkenntnis und Umsetzung zieht sich wie ein
roter Faden durch viele Bereiche unseres Bildungs- und Arbeitsmarktsystems.
Bildung muss deshalb nicht nur politisch priorisiert, sondern auch finanziell
und strategisch stärker verankert werden.
Daniel Terzenbach, Vorstand Regionen der Bundesagentur für
Arbeit, machte deutlich, vor welchen demografischen Herausforderungen
Deutschland steht: Auf 100 ältere Beschäftigte kommen künftig nur noch rund 60
junge Menschen nach. Regionen wie Rheinland-Pfalz und das Saarland sind davon
besonders betroffen. Umso wichtiger ist es, das Potenzial junger Menschen
besser zu erschließen.
Dabei wurde klar: Die duale Ausbildung bleibt eine der
größten Stärken des deutschen Arbeitsmarktes. Gleichzeitig müssen wir
hinterfragen, ob unsere Bildungsinhalte und Curricula noch den Anforderungen
einer sich rasant verändernden Arbeitswelt entsprechen. Neue Modelle wie
Teilqualifikationen können dabei helfen, Ausbildung flexibler und individueller
zu gestalten.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Berufsorientierung. Junge
Menschen sind nicht weniger leistungsfähig als frühere Generationen – sie
wissen häufig nur nicht mehr, wofür sie überhaupt lernen. Deshalb muss
Berufsorientierung deutlich früher beginnen und fest im Schulalltag verankert
werden. Schulen und Unternehmen müssen systematisch zusammenarbeiten, anstatt
dass einzelne engagierte Personen diese Aufgabe allein tragen.
Auch die Sprachförderung und der Umgang mit Künstlicher
Intelligenz wurden intensiv diskutiert. Klar wurde: Infrastruktur allein reicht
nicht. Digitale Werkzeuge und KI entfalten ihren Mehrwert erst dann, wenn
Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Unternehmen befähigt werden, sie
sinnvoll einzusetzen.
In der anschließenden Diskussion mit den anwesenden
Panelisten und Gästen - Christian Eichenberger, CEO und Vorstandsvorsitzender der Rent.Group, Prof. Dr. Julia Knopf, Leiterin des Forschungsinstituts Bildung Digital sowie Gründerin und Gesellschafterin der Didactic Innovations GmbH, Daniel Terzenbach, Vorstand Regionen der Bundesagentur für Arbeit, und Christopher Textor, Abteilungsleiter im Hessischen Kultusministerium unter Moderation von Udo Krauß, Vorsitzender der Landesfachkommission Bildungs- und Arbeitsmarkt und Sprecher des Netzwerks Arbeit 4.0 des Wirtschaftsrates Hessen - wurde zudem deutlich:
- Lesen, Schreiben und Rechnen bleiben die zentrale
Grundlage erfolgreicher Bildung. - Bildung bedeutet nicht ausschließlich Spaß – Leistung und
Anstrengungsbereitschaft gehören ebenso dazu. - Unternehmen müssen bereit sein, in junge Menschen zu
investieren, bevor sich dieser Einsatz auszahlt. - Gleichzeitig verursachen hohe Abbruchquoten bei Studium
und Ausbildung erhebliche volkswirtschaftliche Kosten und zeigen, dass
Berufsorientierung und individuelle Bildungswege besser begleitet werden
müssen.
Das Fazit: Die Herausforderungen im Bildungs- und
Arbeitssektor sind bekannt. Jetzt braucht es den Mut, Bildung,
Berufsorientierung und Fachkräftesicherung ganzheitlich zu denken. Weniger
Einzelinitiativen, mehr langfristige Strategien – damit junge Menschen
Perspektiven entwickeln und Unternehmen auch in Zukunft die Fachkräfte finden,
die sie benötigen.
Ein herzlicher Dank gilt allen Podiumsteilnehmern für die Impulse und die offene Debatte, dem Bechtle IT-Systemhaus Frankfurt am Main für die Gastfreundschaft sowie allen Teilnehmern für den angeregten Austausch.