Süddeutscher Wirtschaftstag 2026: Rheinland-Pfalz und das Saarland setzen Impulse für mehr Wettbewerbsfähigkeit
Wie kann Deutschland wieder wettbewerbsfähiger werden? Welche Rahmenbedingungen brauchen Mittelstand und Industrie? Und wie lassen sich Innovation, Künstliche Intelligenz und unternehmerische Freiheit besser miteinander verbinden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Süddeutschen Wirtschaftstags, zu dem die Landesverbände Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland des Wirtschaftsrates in das House of Logistics & Mobility eingeladen hatten.

Das Programm – eröffnet durch Astrid Hamker, Präsidentin des Wirtschaftsrates der CDU e.V. – spannte einen breiten Bogen von wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und Unternehmensnachfolge über die industrielle Transformation bis hin zu Künstlicher Intelligenz und digitaler Souveränität. Eine zentrale Botschaft zog sich dabei durch die Diskussionen: Die Stärken des Wirtschaftsstandorts sind vorhanden – nun braucht es verlässliche politische Entscheidungen, weniger bürokratische Hürden und eine schnellere Umsetzung.
Steiniger: Wachstum ist Voraussetzung für Wohlstand und Zusammenhalt
Einen deutlichen wirtschaftspolitischen Akzent setzte Johannes Steiniger MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Er unterstrich die Bedeutung wirtschaftlichen Wachstums für Wohlstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Angesichts zunehmenden Protektionismus und veränderter internationaler Wettbewerbsbedingungen steige der Handlungsdruck auf Deutschland.
Steiniger verwies auf bereits angestoßene Reformen, machte zugleich aber deutlich, dass weitere Entscheidungen notwendig seien. Die politische Mitte müsse ihre Fähigkeit unter Beweis stellen, konkrete Probleme zu lösen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts dauerhaft zu stärken.

Toscani: Weniger Überregulierung, mehr Entscheidungsspielraum
Wie stark Regulierung inzwischen Investitionen und Innovationen beeinflusst, diskutierte unter anderem Stephan Toscani MdL im Panel „Zwischen Innovation und Überregulierung – wohin steuert der Industriestandort Süddeutschland?“.
Die Teilnehmer machten deutlich, dass Regulierung insbesondere in sensiblen Branchen notwendig sei. Gleichzeitig dürften übermäßige Dokumentationspflichten und langwierige Genehmigungsverfahren unternehmerisches Handeln nicht ausbremsen. Praktiker aus den Unternehmen sollten deshalb frühzeitiger in Gesetzgebungsverfahren eingebunden werden.
Neben einfacheren Regeln brauche es eine neue Entscheidungskultur in Politik und Verwaltung. Mehr Pragmatismus, Verantwortung und Planungssicherheit könnten dazu beitragen, Investitionen schneller auf den Weg zu bringen. Als wesentliche Standortfaktoren wurden wettbewerbsfähige Energiepreise, eine leistungsfähige Infrastruktur und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen herausgestellt.
Moskopp: KI im Mittelstand praktisch nutzbar machen
Auch beim Zukunftsthema Künstliche Intelligenz war Rheinland-Pfalz prominent vertreten. Peter Moskopp MdL diskutierte im Panel „Datensouveränität & KI: Wie wir unsere Unternehmensdaten schützen und nutzen“ gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft über Europas technologische Kompetenzen und den praktischen Einsatz von KI.
Im Mittelpunkt stand dabei nicht allein die Entwicklung eigener Technologien, sondern vor allem deren Anwendung in den Unternehmen. Unter dem Leitgedanken „Applied in Germany“ wurde deutlich, welche Chancen sich insbesondere für den Mittelstand ergeben, wenn KI mit deutschen Stärken bei Datenschutz, Sicherheit und technologischer Souveränität verbunden wird.
Damit die Potenziale tatsächlich genutzt werden können, brauche es mehr Offenheit für Experimente, geeignete Rechenkapazitäten und wirtschaftlich tragfähige Infrastrukturmodelle.

Frank Hüther zieht Bilanz Frank Hüther, stellvertretender Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Rheinland-Pfalz, griff zum Abschluss des Tagesprogramms die zentralen Ergebnisse der Diskussionen auf.Der Süddeutsche Wirtschaftstag machte deutlich, wie eng die Herausforderungen von Mittelstand, Industrie und innovativen Unternehmen miteinander verbunden sind: Bürokratieabbau, wettbewerbsfähige Energiepreise, bessere Bedingungen für Investitionen und Gründungen sowie mehr Tempo bei Digitalisierung und Innovation sind keine isolierten Einzelthemen, sondern zentrale Bausteine für einen wettbewerbsfähigen Standort.

Ministerpräsident Gordon Schnieder: „Zeit für Entscheidungen“
Einen besonderen Höhepunkt aus rheinland-pfälzischer Sicht bildete die Keynote von Gordon Schnieder MdL, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Unter dem Titel „Zeit für Entscheidungen – Wie Deutschland wieder wettbewerbsfähig wird“ stellte er die Frage in den Mittelpunkt, welche politischen Weichenstellungen jetzt notwendig sind, um den Wirtschaftsstandort dauerhaft zu stärken.
Damit griff Schnieder zugleich eine zentrale Botschaft des gesamten Wirtschaftstags auf: Deutschland verfügt weiterhin über erhebliche Stärken – von Forschung und industriellem Know-how bis zu einem leistungsfähigen Mittelstand. Entscheidend ist jedoch, diese Potenziale durch verlässliche Rahmenbedingungen und konsequentes Handeln besser zur Geltung zu bringen.
Regulierung mit Augenmaß
Dass Regulierung auch ganz konkret über wirtschaftliche Entwicklung entscheiden kann, zeigte der abschließende Dialog „Spielregeln für den Markt – Was zielführende Regulierung ausmacht“. Für Rheinland-Pfalz nahm Dirk Herber, Staatssekretär im Ministerium des Innern, für Integration und Verkehr, gemeinsam mit Vertretern der Wirtschaft an der Diskussion teil. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Regeln ausgestaltet sein müssen, damit sie ihren Zweck erfüllen, ohne wirtschaftliche Dynamik unnötig einzuschränken.
Gemeinsamer Auftrag: Wettbewerbsfähigkeit wieder zur Priorität machen
Der Süddeutsche Wirtschaftstag 2026 hat gezeigt, dass viele Herausforderungen längst über Landes- und Branchengrenzen hinausreichen. Unternehmensnachfolge, industrielle Transformation, Fachkräfte, KI, Energiepreise und Bürokratieabbau betreffen Unternehmen in allen vier beteiligten Bundesländern.
Für den Wirtschaftsrat Rheinland-Pfalz wurde zugleich deutlich: Der Standort verfügt über starke Unternehmen, technologisches Know-how und große Innovationskraft. Damit daraus neues Wachstum entstehen kann, braucht es politische Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen, unternehmerische Verantwortung stärken und Entscheidungen beschleunigen.
Die vier Landesverbände werden die Impulse des Süddeutschen Wirtschaftstags in ihre weitere wirtschaftspolitische Arbeit aufnehmen. Der Dank gilt allen Referenten, Moderatoren, Mitgliedern und Gästen sowie den Sponsoren, Partnern und Helfern, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.