François Villeroy de Galhau, Chef der französischen Notenbank, beim Wirtschaftsrat im Saarland

"Die Hoffnung eines Europäers" hat François
Villeroy de Galhau, Gouverneur der Banque de France, seine Keynote genannt. Im
Haus der Saar LB in Saarbrücken trafen sich Gäste aus Politik und Wirtschart
auf die gemeinsame Einladung von SaarLB, Club des Affaires Saar-Loraine und dem
Wirtschaftsrat Deutschland, Landesverband Saarland. 60 Jahre Elysée Vertrag, 60
Jahre Wirtschaftsrat, 35 Jahre Club des Affaires Saar-Loraine würdigten Politiker
wie Jakob von Weizäcker, Minister der Finanzen und für Wirtschaft des Saarlands
und Staatssekretär David Lindemann, Chef der saarländischen Staatskanzlei.
Die Keynote von François Villeroy de Galhau macht Mut, wie
auch sein gleichnamiges Buch ‚L’espoir d’un Européen‘ Mut macht. „Ich komme als
Zentralbanker hierher, das heißt, ich bin politisch unabhängig“, sagte der
Gouverneur. „Unabhängigkeit ist eine deutsche Tugend, die wir von der Deutschen
Bundesbank geerbt haben.“ Er engagiere sich für den Euro und gegen die
Inflation, gemeinsam mit Joachim Nagel. Beide Notenbankchefs
haben den Jahrestag des Elysée Vertrags am 22. Januar in Verdun gefeiert. Die
Hoffnung eines Europäers habe er immer noch – sechs Jahre nach der
Veröffentlichung seines Buchs.
Er ist überzeugt, dass „wir den Sieg gegen die Inflation
erreichen werden. Doch das genügt nicht.“ Es gebe eine Veränderung in der
Struktur der Inflation. „Sie hat sich internalisiert“, sagt François
Villeroy de Galhau. Diese sogenannte Kerninflation – Energie und Nahrungsmittel
sind ausgenommen – erreiche heute noch 4,5 Prozent. Der Gouverneur: „Für die
Kerninflation ist Geldpolitik relevant.“ Er weist auf die deutlich gestraffte
Geldpolitik hin – „das wissen die Unternehmer, die heute hier sind“. Diese
Geldpolitik sei wirksam. „Das ist nicht nur ein Engagement. Wir werden bis 2025
die Inflation nach zwei Prozent zurückbringen.“ Er vertraue darauf, dass die
Eurozone um eine Rezession herum kommt. Deutschland sei dabei eine Ausnahme. Aber:
„Ich gehöre gar nicht zu denjenigen, die sagen, das deutsche Modell sei kaputt“,
fügt der Notenbankchef hinzu.
Worüber sich Frankreich und Deutschland nicht einig sind,
sei das schwierige Thema Energie. „Dabei haben beide Länder das gleiche Ziel,
nämlich einen Energiewandel mit den Eigenschaften erstens dekarbonisierte
Energie", zweitens ‚unabhängige‘ Energie und drittens wettbewerbsfähige Energie.
„Ohne starke Unternehmen – das sagt wahrscheinlich der Wirtschaftsrat – ohne
starke Industrie kann es kein dauerhaftes Europa geben.“ François
Villeroy de Galhau geht auf die Rolle von Angebot, Wettbewerb und Investitionen
ein und wirbt für eine starke Kapitalmarktunion in Europa.
Zum Schluss zitiert der Gouverneur Konrad Adenauer mit
Blick auf das deutsch-französische Paar: „Wenn zwei Menschen immer die gleiche
Meinung haben, taugen beide nicht.“ So sei dieses Paar schon immer Urheber
eines Einvernehmens trotz voneinander abweichender Positionen. „Deutsch-französische
Kompromisse sind eine Vorbedingung, um Europa mitzuziehen“, sagt der
Notenbankchef. Die Welt brauche Europa heute. Als Beispiel für Versöhnung und
für Frieden. „Aber nicht nur. Im 20. Jahrhundert haben wir ein einzigartiges
Modell, die Soziale Marktwirtschaft, erfunden und erfolgreich entwickelt. Und es
war wettbewerbsfähig.“ Im 21. Jahrhundert müssten wir ein Modell ‚nachhaltige
Marktwirtschaft‘ schaffen, so François
Villeroy de Galhau. „Und es muss wettbewerbsfähig sein“. Eine große
Herausforderung sei das - und auch noch 60 Jahre nach dem Elysée Vertrag die
Hoffnung eines Europäers.
