Erweiterte Landesvorstandssitzung des Wirtschaftsrats Sachsen-Anhalt

Bildung im Fokus: Wirtschaftrat Sachsen-Anhalt diskutiert mit Ministerin Feußner

Magdeburg,
der Landesverband Sachsen-Anhalt des Wirtschaftsrats Deutschland hielt seine 1.
erweiterte Landesvorstandssitzung ab, bei der Bildungsministerin Eva Feußner
als Gastrednerin teilnahm.Im Mittelpunkt der Diskussion standen aktuelle
bildungspolitische Herausforderungen sowie die politische Teilhabe junger
Menschen.





Ministerin
Feußner präsentierte die Ergebnisse einer Studie ihres Ministeriums zur
Bundestagswahl, die ergab, dass Kinder und Jugendliche tendenziell nicht die
Parteien der politischen Mitte wählten. Eine mögliche Ursache hierfür wurde in
der starken Präsenz extremistischer Parteien in den sozialen Medien
identifiziert. Die Studie zeigte außerdem, dass die Wahlpräferenzen der
Jugendlichen nach Geschlecht variierten, wobei Mädchen tendenziell eher linke
und Jungen tendenziell eher rechte Parteien wählten.

Die
Ministerin appellierte an die Wirtschaft, das Thema Bildung verstärkt als
Wirtschaftsfaktor zu betrachten und die Zusammenarbeit zwischen Schulen und
Unternehmen zu intensivieren.

Der
Wirtschaftrat unterstützte nachdrücklich Feußners Vorstoß zur flächendeckenden
Einführung des Unterrichtsfachs „Wirtschaft“ in Sachsen-Anhalt. Dieser
Forderung hatte der Verband bereits am 7. Februar 2025 in einer
Pressemitteilung Nachdruck verliehen. Die Einführung des Fachs soll dazu
beitragen, unternehmerisches Denken und die Prinzipien der sozialen
Marktwirtschaft frühzeitig zu vermitteln, um das Leistungsverständnis und die
Werte der sozialen Marktwirtschaft zu festigen.

Die
soziale Marktwirtschaft basiert auf dem Grundsatz, dass wirtschaftliche
Freiheit und sozialer Ausgleich einander bedingen. Zu ihren Kernwerten zählen
Eigenverantwortung, Wettbewerb, Solidarität und Subsidiarität.
Eigenverantwortung bedeutet, dass jeder Einzelne für sein Handeln
verantwortlich ist und die Folgen seines Tuns trägt. Wettbewerb sorgt für
Innovation und Effizienz, indem er Unternehmen anspornt, bessere Produkte und
Dienstleistungen zu entwickeln. Solidarität bedeutet, dass die Starken den Schwachen
helfen und ein soziales Netz existiert, das Menschen in Not auffängt.
Subsidiarität besagt, dass Aufgaben und Entscheidungen auf der niedrigsten möglichen
Ebene angesiedelt sein sollen, um die Selbstbestimmung der Bürger zu stärken.
Durch die Vermittlung dieser Werte in der Schule können junge Menschen ein
fundiertes Verständnis für die Funktionsweise unserer Wirtschaftsordnung
entwickeln und zu verantwortungsbewussten Bürgern heranwachsen. 

Als
weiteren Punkt sprach Ministerin Feußner die angespannte Haushaltslage des
Landes an, die auch im Bildungsbereich zu herausfordernden Entscheidungen
führen wird. Dabei müsse zwischen verschiedenen Beschulungsangeboten
differenziert werden. Die gesetzlich geregelte Grundversorgung habe Priorität
und müsse vollumfänglich finanziert werden. Dies könne potenziell zu
Einschränkungen bei der Finanzierung freier Trägerschaften und privaten
Einrichtung führen.

Darüber
hinaus wurden die Herausforderungen des demografischen Wandels thematisiert.
Die sinkende Geburtenrate und der steigende Bedarf an Lehrkräften erfordern
innovative Lösungsansätze. Der Wirtschaftrat schlug vor, die Expertise der
„Babyboomer-Generation“ im Ruhestand durch ehrenamtliche Tätigkeiten an Schulen
zu nutzen. Um dies zu realisieren, wurde der Ansatz einer Lotsenstelle zwischen
Rentenanstalt und Schulträgern intern diskutiert. Diese Lotsenstelle könnte als
Schnittstelle dienen, um interessierte Ruheständler mit Schulen zu vernetzen
und den Einsatz von ehrenamtlichen Kräften zu koordinieren. Die Lotsenstelle
ist nur ein erster Ansatz.

Die
1. erweiterte Landesvorstandssitzung des Wirtschaftsrats Sachsen-Anhalt hat
deutlich gemacht, dass Bildung und politische Teilhabe zentrale
Herausforderungen für das Land darstellen. Die Diskussionen mit Bildungsministerin
Feußner haben wertvolle Impulse geliefert und die Notwendigkeit einer engen
Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft
unterstrichen. Der Wirtschaftrat wird sich weiterhin aktiv für eine
zukunftsorientierte Bildungspolitik und die Stärkung der sozialen
Marktwirtschaft einsetzen, um Sachsen-Anhalt als attraktiven
Wirtschaftsstandort zu festigen und die demokratische Teilhabe aller Bürger zu
fördern.