Firmenbesuch bei Meyer Burger (Industries) GmbH
Unsere Sektion Chemnitz, federführend Elisa Heinrich
und Kathrin Werner, hat einen Firmenbesuch der Extraklasse in Freiberg
organisiert. Den Niedergang der Solarzellen-Fertigung haben wir noch deutlich
in Erinnerung. Die Firma Meyer Burger zeigt mit der Übernahme der Solarworld in
Freiberg und der Neuausrichtung des Geschäfts, wie in der Solarbranche wieder
nachhaltig produziert werden kann.

Die Entscheidung für den Standort Freiberg hat eine
Strahlkraft für Sachsen und verleiht der Branche in der Region ungeahnten
Auftrieb. Freundlicherweise durften wir an der positiven Entwicklung teilhaben
und exklusiv die Firma Meyer Burger in Freiberg besuchen. Der CEO Dr. Gunter
Erfurt hat uns mit augenöffnendem sowie faktenreichem Input zum Stand der
weltweiten Erneuerbaren Energien versorgt und ist auch auf die Historie von
Meyer Burger eingegangen.
Mit Ursprung in der Schweiz, 1951 gegründet durch
Herrn Meyer, damals noch spezialisiert auf Drehbänke wurde in den 70er Jahren
der Weg in die Solarbranche beschritten. Diesbezüglich wurden zunächst
Drahtsägemaschinen für den „Scheibenschnitt“ (Wafer) der gezüchteten
(Silicium-)Kristalle produziert, die auch heute noch Verwendung finden. Heute,
nach Übernahme der Solarworld AG und der Roth & Rau AG, konzentriert sich
das Unternehmen nicht nur auf die Sägemaschinen, sondern stellt selbst
einzigartige Solarpanele am Standort in Freiberg her.

Entgegen der vorherrschenden Meinung ist sich CEO
Erfurt sicher, dass in der Vergangenheit beim Ausbau der Solartechnik in
Deutschland, ja in ganz Europa, einiges verschlafen wurde, was wir heute,
insbesondere durch den Mangel an fossiler Energie und entsprechenden
Abhängigkeiten teuer bezahlen müssen. Wir hätten heute kein Speicherproblem,
wenn wir schneller auf die Erneuerbaren Energien umgestiegen wären, ist sich
der Firmenchef sicher. Gut, das alles ist Vergangenheitsbewältigung. Herr Dr.
Erfurt hat uns klar aufgezeigt, dass die Solar-Winterflauten mit einer
ausreichenden Menge an Windanlagen auffangbar wären und dass wir, bei cleverer
Umsetzung der Energiewende auch kein Speicherproblem im kolportierten Ausmaß
hätten, denn z.B. könnten E-Mobile beim Laden als dezentrale Speicher für
das Stromnetz dienen.
Im Vergleich der Energieträger sei Photovoltaik die
günstigste Erzeugerform, gefolgt von Wind, Braunkohle, Gas und als teuerste
Form die Kernenergie mit heutigem Stand der Technik, die hauptsächlich auf Uran
(aus Kasachstan) angewiesen ist. Auch Weiterentwicklungen der Atomenergie (z.B.
Thorium-Reaktoren bzw. Dual Fluid-Reaktoren) wären noch in der Anfangsphase der
Entwicklung und könnten bestenfalls in acht Jahren umgesetzt werden. Hier sind also
aktuell sowohl der industrielle Reifegrad und auch die Akzeptanz, selbst bei
den Energieerzeugern, nicht gegeben. Dr. Erfurt schätzt die Gesamtinvestitionen
für einen europäischen Hochlauf der Photovoltaik zum Decken des Strombedarfs
auf „nur“ 10-12 Mrd. €, was, z.B. verglichen mit den Investitionen i.H.v. 100
Mrd.€ zum Ausbau der Bundeswehr in Deutschland, ein verschwindend kleiner
Betrag ist, der aber viel bewirken und den Weg zur autarken Energieerzeugung
bereiten kann.

Um Europa herum, speziell
in China und in den USA geht der Ausbau der Erneuerbaren wesentlich schneller
und unbürokratischer vonstatten. Heute wird, auch am Standort in Freiberg, mit
hoher Automatisierungsrate produziert – die Personalquote ist einstellig und
die Robotik arbeitet wie von einer unsichtbaren Hand gelenkt. Davon konnten wir
uns bei einem sehr informativen Betriebsrundgang überzeugen. Wir danken allen
beteiligten von Meyer Burger für die äußerst informative Veranstaltung und
hoffen auf ein Wiedersehen.