„LNG und Wasserstoff – eine Bestandsaufnahme“

Mit Dr. Thomas Werner, Managing Director der DNV Energy Systems Germany GmbH und Vorsitzender unserer Landesfachkommission Energie

Wir haben uns sehr über die Zusage unseres Vorsitzenden der
Landesfachkommission Energie, Dr. Thomas Werner, Managing Director der
DNV Energy Systems Germany GmbH, gefreut, der uns zu dieser Thematik als Referent
und Gesprächspartner zur Verfügung gestanden hat.

Herr Dr. Werner hat einen Realitätsabgleich vorgenommen.
Basierend auf der Wasserstoff-Studie der DNV, namentlich Hydrogen Forecast to
2050, ging er auf das „Farbenspiel der Wasserstoffe“, insbesondere auf gelben
und grünen Wasserstoff ein. Mittels Solar- (gelb) bzw. Erneuerbarer Energie
(grün) werden dabei durch Elektrolyse aus Wasser Wasserstoff und Sauerstoff
erzeugt. Die Welt hinkt allerdings bei der Erzeugung von Wasserstoff weit
hinterher, im Vergleich zu dem, was möglich gewesen wäre. Geschätzt wird die
weltweite Energieerzeugung durch Wasserstoff im Jahr 2050 auf 5 Prozent (2030:
0,5 Prozent) des Energiebedarfes, wobei 15 Prozent möglich (gewesen) wären.
„Wasserstoff allein“ kann also unseren globalen Energiebedarf nicht retten,
konstatiert Dr. Werner bereits zu Beginn seines Vortrages. Dekarbonisierung
(Ablösung fossiler Treibstoffe), Brennstoffwechsel in der Industrie, neue
Infrastruktur (Wasserstoff-Airbus der Zukunft) sind dabei aktuelle und künftige
Anwendungsfelder bei Wasserstoff.

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CCS, nationale Wasserstoff-Strategien,
Technologie-Push-Szenarien, Demand-Pull-Stimuli und fiskalpolitische Maßnahmen
sind Felder, die beim Übergang in Richtung Wasserstoff eine Rolle spielen.
Aktuell wird der Wasserstoff im Transportsektor (rein oder Teil von E-Fuels,
hauptsächlich Schwerlasttransporte, Seeverkehr) genutzt. Elektrizität auch die
Wärmeerzeugung sind mit zu vielen Effizienzverlusten verbunden. Explizit machen
die Verstromung und der Einsatz von Wasserstoff bei der Wärmegewinnung
entsprechend wenig Sinn. Sinnvoll ist jedoch der Einsatz von Wasserstoff in der
Industrie durchaus. Bis 2040 wird jedoch weltweit noch die stoffliche Nutzung
von Wasserstoff (als Chemikalie) gegenüber der „energetischen“ Verwendung (Verbrennen
von Wasserstoff zur Energieerzeugung) überwiegen. Aktuell ist Europa führend
auf dem globalen Wasserstoffmarkt. Hier ist ja auch der „Energienotstand“
aktuell am größten. Bis 2050 wird Wasserstoff maximal 1,3% des Energiebedarfs
des Wohnbereichs erreichen (Heizung, Kochen, Wasserkochen). Im Industriebreich
werden 7 Prozent der Energienachfrage möglich sein; vor allem in Stahlwerken
und in der Petrochemie.

Erzeugt man Wasserstoff aus Erneuerbaren Energien, so
erreicht man maximal einen Wirkungsgrad von 57 Prozent in der Energieausbeute.
Mischt man Wasserstoff in anderen Prozessen lediglich bei, können viel höhere
Wirkungsgrade (z.B. in der Schifffahrt) als heute mit reinen fossilen
Energieträgern erreicht werden. Aktuell wird Wasserstoff noch nicht über
Pipelines und längere Distanzen transportiert, bei Ammoniak (NH3) sieht das
anders aus. Will man Wasserstoff über längere Distanzen transportieren, müssen
aktuelle Erdgas- bzw. Erdöl-Pipelines umgerüstet bzw. neue gebaut werden. Der
Markt für Wasserstoff wächst. Bis 2050 wird der Hydrogen-Markt weiterwachsen,
so viel ist aber heute schon sicher. Der günstigste Standort in Europa für
grünen Wasserstoff für Deutschland wäre aktuell Südspanien, da dort Erzeugung
(viel Sonne) und Transport nach Nordeuropa am günstigsten ist. Wasserstoff wird
uns aktuell aus der kurzfristigen energetischen Krisenlage nicht retten; die
Wasserstoffwelt ist eine Welt der Zukunft und mithin langfristig orientiert,
schließt Dr. Werner seinen ersten Teil des Vortrags nach der Beantwortung der
Fragen aus dem Online-Publikum.

Der LNG-Markt zieht momentan preislich (Japan-Korea-Markt)
wieder an. In Deutschland gibt es Planungen für Terminals in Wilhelmshafen,
Brunsbüttel, Stade, Lubmin (hier kommen Nord Stream I und II an) und Hamburg.
LNG wird im Schiffsverkehr, Straßenverkehr und Gas-Alternative in Pipelines
verwendet. Über Nord Stream I läuft seit Anfang September kein Gas mehr nach
Europa. Wir haben momentan eine Lücke zwischen dem, was wir an LNG benötigen
und dem, was zur Verfügung steht. Diese Lücke wird bis 2040 sogar noch größer
werden. Dabei hat die Export- und Import-Kapazität ihre Grenzen, da die
Transport- und Förderkapazitäten weltweit begrenzt sind. Da helfen auch keine
weiteren LNG-Terminals weiter. Aktuell sind 4 FSRU (Floating Storage and
Regasification Unit) für 200.000€ pro Tag in Deutschland gechartert, die das
flüssige Gas in die LNG-Terminals zur Regasification eispeisen. Die
Sicherheitsanforderungen für die LNG-Wirtschaft sind sehr hoch – zudem müssen
die Wetterbedingungen stimmen. Entsprechend entspricht die theoretisch mögliche
Menge nicht der tatsächlich möglichen Menge an Flüssiggas. Der Brennwert von
LNG ist dabei nicht mal gleich – in Abhängigkeit von den Lieferländern muss das
LNG aufbereitet werden, was abermals ein sehr aufwändiges Verfahren ist. Will
man alles russische Gas in Europa ersetzen, wären 680 Schiffsladungen
notwendig. Entsprechend kann auch LNG nur die Schmerzen lindern, ist aber wie
auch Wasserstoff nicht die finale Lösung.

Aktuell kommt man summa summarum von fossilen
Energieträgern nicht weg, auch das Thema Kernenergie wird kurz- und
mittelfristig eine große Rolle spielen (müssen), lautet das gegenwärtige,
ideologiefreie und gleichermaßen realistische Fazit von Herrn Dr. Werner. Der
Wirtschaftsrat fordert hier die Aufgabe jedweder Ideologie, insbesondere bei
Verhandlungen mit Katar oder anderer Erdgasexporteure bezüglich der (Lang-)Fristigkeit
von Lieferverträgen. Der Bundeswirtschaftsminister sollte schnell das Wohl der
deutschen und europäischen Wirtschaft auf Punkt eins seiner Prioritätenliste
setzen, sofern er überhaupt eine solche Liste hat.