“Wirtschafts-Frühstück der Sektion Leipzig”

Mit Rafael Laguna de la Vera, Direktor der in Leipzig ansässigen Bundesagentur für Sprunginnovation SPRIND

Entsprechend hoch waren das Interesse und der Andrang bereits am frühen
Morgen, um von Rafael Laguna über die
Ziele und die weitere Entwicklung der Agentur zu hören. Mehr als 25
Teilnehmerinnen und Teilnehmer erschienen zu unserem Diskussionsformat bei
Kaffee und Croissants im Macis-Restaurant in der Markgrafenstraße.



Was kaum jemand weiß: Rafael Laguna, ist gebürtiger Leipziger, wurde 1964 in
der Universitätsfrauenklinik geboren. Als Sohn eines spanischen Vaters konnte
er mit der Familie 1974 in die Bundesrepublik ausreisen, wo sie sich im
Sauerland niederließ.

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v.l.n.r.: Dr. Jan Boehm, Sprecher der Sektion Leipzig; Rafael Laguna de la Vera, Direktor der
Bundesagentur für Sprunginnovation SPRIND

Im Alter von 16 Jahren gründete er sein erstes Software-Unternehmen, studierte
lediglich für etwa drei Wochen Informatik an der Universität Dortmund.
Unternehmertum war ihm wichtiger: Laguna war Gründer, Interimsmanager und
Berater für Venture Capital Fonds. U.a. war er an der Rettung und dem Verkauf
der Nürnberger SUSE Linux an Novell beteiligt. Er leitete 12 Jahre als CEO die
Firma Open-Xchange, die er 2005 mitgründete. 2019 wurde er von der von Angela
Merkel geführten Bundesregierung berufen, um als Gründungsdirektor die
Bundesagentur für Sprunginnovationen aufzubauen. Ein Abenteuer, dem er sich
gerne stellte, schließlich „kann man mit Mitte 50 auch mal an zurückgeben an
ein Land, das es gut mit mir gemeint hat und in dem ich gerne lebe.“



Die Grundidee von SPRIND: Neu denken, neu machen, radikal sein und alles in
Frage stellen. So entstehen Sprunginnovation.



Wie sieht es aktuell mit der Innovationskraft in Deutschland aus? Die
Gründerzeit des ausgehenden 20. Jahrhunderts bis zum Ende der Weimarer
Republik, während dessen in Deutschland Chemie-, Pharma- und Automobilindustrie
entstand liegt lange zurück. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland
zwar erfolgreich Bestehendes wiederaufgebaut und „schrittweise inkrementell
verbessert“. Die neuen Industrien – Hardware, Software, Internet, Mobilfunk –
entstanden größtenteils in den USA und Asien; meist mit deutlich mehr
Staatsgeld unterstützt, als man heute denkt. Ohne öffentliche Gelder
funktionieren Sprunginnovationen heutzutage selten.



Deutschland ist nach wie vor Spitze in der Grundlagenforschung. Allerdings
gelingt hierzulande die Überführung dieses Wissens in neue Unternehmen, die
volkswirtschaftlichen Nutzen schaffen, kaum. Rafael Laguna: „Bahnbrechende Erfindungen
haben wir viele gemacht, auch in letzter Zeit. Denken Sie zum Beispiel an das
mp3-Format, das an einem Fraunhofer-Institut entwickelt wurde. Der iPod von
Apple oder Spotify kommen aber nicht aus Deutschland. Diese Dinge bauen auf dem
mp3-Format auf und haben ganz neue Geschäftsmodelle implementiert und neue
Industrien erzeugt. Ich mache mir um die Erfindungen also weniger Sorgen. Aber
die Frage ist, ob wir es hinkriegen, einen wirtschaftlichen Nutzen daraus zu
ziehen. Und das wird die Aufgabe der Agentur sein.“



Diesen Gründergeist müssen wir in Deutschland weiter fördern, und es gibt ihn,
wie man an der Erfolgsgeschichte von Biontech sieht. Wichtig ist aber auch die
finanzielle Unterstützung über einen langen Zeitraum hinweg in Bereichen, in
denen privates Kapital nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung steht.

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Bei SPRIND engagiert man sich z.B. bei Projekten wie einem Kandidaten für ein
Alzheimer-Medikament oder bei neuartigen Höhenwindrädern. Im Rahmen der Innovationswettbewerbe,
zu denen die Bundesagentur aufruft, den SPRIND Challenges, arbeiten ausgewählte
Teams an skalierbaren Lösungen, um CO2 der Atmosphäre zu entziehen und daraus
langfristig werthaltige Produkte zu machen, oder suchen neue, antivirale
Wirkstoffe. Dafür soll die auf vorerst 10 Jahre angelegte SPRIND insgesamt rund
1 Milliarde Euro aus dem Bundeshaushalt bekommen.

Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise gibt es für Laguna nur eine
Antwort: “Wir können uns aus der Krise nur herausinnovieren.”



Was Ansiedlungen innovativer Industrien angeht, sind wir in Leipzig und
Deutschland gar nicht so schlecht. Auch an der Entscheidung von Intel, das 17
Mrd. Euro ab 2023 in den Bau einer neuen Chipfabrik in Magdeburg investieren
will, war Laguna beteiligt. Zuerst in der Vorbereitung des EU Chips Acts der
Europäischen Kommission. Dann im europäischen Wettstreit um die Verteilung der
Standorte, bis der Zuschlag endgültig nach Magdeburg ging.



Darin waren wir uns alle einig: Die Probleme der Welt lösen wir vor allem durch
neue Innovationen, die das Leben Vieler besser machen. Und wir haben noch
einiges zu tun auf unserem Weg, Unternehmertum einfacher, unbürokratischer und
damit attraktiver zu machen.



Herzlichen Dank, lieber Rafael Laguna, für den engagierten Vortrag!