„Neues Berggeschrey im Osterzgebirge: Der Abbau von Lithium zur Verminderung der strategischen Rohstoffabhängigkeit Deutschlands“

Veranstaltung unserer LFK Energie mit Dirk Panter MdL, Staatsminister des Sächsischen Staats-ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz

In
Zinnwald soll ab 2030 Lithium abgebaut werden – dort befindet sich auf
sächsischem Gebiet mit 429.000 t eine der größten Lithium-Lagerstätten in
Europa, deren Erschließung bereits vergleichsweise zu anderen Vorkommen in der
EU, weit vorangeschritten ist. Marko Uhlig, Geschäftsführer der Zinnwald
Lithium GmbH, hat uns in einem Vortrag Einblicke in das Projekt gegeben und
dargelegt, welche Hürden es noch zu nehmen gilt, bis der Lithium-Abbau
tatsächlich beginnen kann und wie durch die Errichtung eines der modernsten
Bergwerke Tradition und Zukunft im Hinblick auf eine höhere Unabhängigkeit von
ausländischen Ressourcen verbunden werden können. Lithium spielt als Rohstoff
für industrielle Großspeicher, bei der dezentralen Stromversorgung und in der
Elektromobilität eine strategisch wichtige Rolle.

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Dr. Dirk Schröter, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates in Sachsen, bei seiner Begrüßung (Foto: Wirtschaftsrat)

Ferner
hat Dirk Panter MdL, Staatsminister des Sächsischen Staatsministeriums für
Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz, eine Einordnung dieses
Großprojekts vorgenommen und dargelegt, welche wirtschaftlichen und
strategischen Impulse dadurch aus dem Osterzgebirge entfacht werden können. Wir
konnten uns im kleineren Kreis und aus erster Hand über eine der größten
Investitionen der jüngeren Zeit in Sachsen ins Bild setzen und uns vor Ort im
Informationszentrum der Zinnwald Lithium GmbH über das Projekt „greifbar“
informieren.

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Weiterer Ablauf des Projektes (Foto: Wirtschaftsrat)

Dr.
Dirk Schröter stellte in seiner Begrüßung auf die Verbindung zwischen der
Sächsischen Rohstoffstrategie, welche Primärrohstoffe (direkt aus der Natur
gewonnen, wie eben Lithium oder Kohle), Sekundärrohstoffe (aus Recycling
gewonnen, wie z.B. Holzfasern aus Altpapier) sowie nachwachsende Rohstoffe (z.B.
Holz als Grundmaterial) behandle und dem Lithiumprojekt im Osterzgebirge ab.
Zwei Drittel der in Deutschland verarbeiteten Rohstoffe kommen aus dem Ausland
– unsere Rohstoffabhängigkeit ist entsprechend groß. Im EU-CRMA (Critical Raw
Materials Act) wird das Lithiumprojekt allerdings noch nicht aufgeführt, womit für
das Unternehmen vereinfachte und festgelegte Zulassungszeiträume, aber keine
direkte finanzielle Förderung, verbunden wären. Lithium müsse als strategischer
Rohstoff gewertet werden, dessen heimischer Abbau eine größere Resilienz
gegenüber China und anderen Ländern bedeuten würde.

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Marko Uhlig, Geschäftsführer der Zinnwald Lithium GmbH (Foto: Wirtschaftsrat)

Marko
Uhlig, der Geschäftsführer der Zinnwald Lithium GmbH, (früher: Deutsche Lithium
GmbH, noch mit Sitz in Freiberg) legte alle Projektschritte zwischen 2011
(Erkundung der Lagerstätte durch die Solarworld) über heute, also 2026
(Abschluss der endgültigen Machbarkeitsstudie) bis hin ins Jahr 2030
(Förderbeginn) anschaulich dar. Mit dem untertägigen Lithiumabbau würde ein
neues Kapitel in einer jahrhundertealten Bergbautradition aufgeschlagen. Die
Zinnwald Lithium möchte ein führender heimischer Lieferant für die europäische
Batterieindustrie werden. Der Bergbau im Erzgebirge habe eine lange Tradition;
heute trete diese aber eher als „Folklore“ in Erscheinung und es gibt, wie bei
vielen Großprojekten, auch Widerstand aus der Bevölkerung gegenüber dem Projekt.
So habe sich eine Bürgerinitiative gegründet, die sich gegen die (unvermeidbare)
Halde des Abraums und gegen eine Aufbereitungsfabrik richtet. Hier wäre es
überlegenswert, für das Projekt befürwortende private Investoren zu finden, die am
künftigen Erfolg des Lithiumabbaus profitieren könnten. Vielleicht könnten hier
sogar aus aktuellen Skeptikern künftige Unterstützer des Vorhabens werden?

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Dirk Panter MdL, Staatsminister des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (Foto: Wirtschaftsrat)

Soll
die Energiewende in Deutschland zum Erfolg werden, so werden dringend
industrielle Großspeicher, zunächst auf Lithiumbasis benötigt. Entsprechend
rechnet die zu 90 Prozent im europäischen Eigentum befindliche Zinnwald Lithium
GmbH als 100%ige Tochter der an der Londoner Börse gelisteten Zinnwald Lithium
plc mit einem hohen Marktwachstum. Vor Ort in Altenberg befindet sich die
zweitgrößte Lithium-Lagerstätte in der EU. Es werde zudem die
Technologieführerschaft angestrebt, wonach der Abbau ohne weitere Zuschlagsstoffe, mit geringen Reststoffen, relativ geringem Energie- und
Wasserverbrauch geschehen werde. Die Ortsbebauung werde ebenso geschützt, wie
das unterirdische Weltkulturerbe in der Abbauregion.

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Ausgewählte Materialien beim neuen „Berggeschrey“ (Foto: Wirtschaftsrat)

Mit
dem Projekt werden internationale Standards bezüglich Umwelt-, Gesundheits- und
Sozialverträglichkeit sogar übererfüllt (Environmental, Social and Health
Impact Assessment - ESHIA). Jedoch müsse ein 9,1 km langer Tunnel gebohrt
werden, um auf der 115 ha großen Fläche unterirdisch Lithium zu fördern und den
Abraum über ein Förderband nach außen zu transportieren. Es ist von einem
Investitionsvolumen von mehr als 1 Mrd. € auszugehen. Aktuell rangiert der
Preis für Lithiumhydroxid bei ca. 10.000€/t LiOH. Die Lagerstätte gibt dabei
eine jährliche Förderung von ca. 18.000t an LiOH her, welche über 70 Jahre lang
„ausgebeutet“ werden könne. Dies entspräche Lithium für ca. 800.000
Autobatterien pro Jahr. Sogar eine Erweiterung der Lagerstätte wäre möglich, um
zusätzliche Kapazitäten zu heben. Der Abbau geschieht in 100m - 400m Tiefe, wobei
60% der geförderten Massen wieder unter Tage verbracht werden und zur
Wiederbefüllung der entstandenen Hohlräume genutzt werden können. Die 40% an
Reststoffen werden über ein Förderband nach Liebenau auf die Halde verbracht.

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Grundstoff,
aus dem im nächsten Schritt Zinnwaldit gewonnen wird (Foto: Wirtschaftsrat)

Der
Region um Altenberg würde das Projekt ca. 300 - 400 unmittelbare Arbeitsplätze
und davon das Fünffache an mittelbaren Arbeitsplätzen bringen. Ferner könnte
sich der aktuell mit ca. 20 Mio. € verschuldete Altenberger Kommunalhaushalt
über Steuermehreinnahmen i.H.v. 3-5 Mrd.€ freuen. Die Region würde mithin auch
wieder als Lebensort attraktiver – ein wichtiger Fakt in einer Zeit, wo
ländliche Räume insbesondere mit Abwanderung und Überalterung konfrontiert
sind.

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Die Bergbau-Reduktionskette vom Grundstoff bis zum
Lithiumhydroxid (LiOH) (Foto: Wirtschaftsrat)

Wirtschaftsminister
Dirk Panter ging zunächst auf die geopolitische Lage auf der Welt ein, indem er
den Paradigmenwechsel im Weltgefüge erklärte. Konnte sich noch bis in die
jüngste Vergangenheit auf günstiges Gas aus Russland, auf China als Absatzmarkt
sowie auf den Schutz durch die USA verlassen, so sind all diese Faktoren, auf
denen sich Deutschlands Wohlstand Jahrzehnte lang gegründet hat, heute obsolet.
Entsprechend sei eine höhere Souveränität von Deutschland und der gesamten EU
erforderlich, die durch Initiativen aus Sachsen angestoßen werden können. Dem
Nachteil deutscher Rohstoffabhängigkeit stehen aber auch die Vorteile eines
gewachsenen Mittelstandes, die Innovationsfähigkeit und mithin die
Weltmarktführerschaft vieler Hidden Champions aus Deutschland gegenüber.

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Marko
Uhlig erklärt die archivierten Bohrkerne (Foto: Wirtschaftsrat)

Der
Wirtschaftsminister plädiert für eine Energiewende mit Augenmaß und stellte
heraus, dass Lithium hierfür absolut notwendig sei. Dirk Panter hob die
Vielschichtigkeit des Projekts hervor, verlieh seiner Unterstützung Ausdruck,
betonte aber gleichzeitig auch, dass derartige Vorhaben von der heimischen
Bevölkerung akzeptiert werden müssen. Auf sachliche Gegenargumente solle entsprechend
eingegangen werden. Hier habe Marko Uhlig aber schon gut gearbeitet und für
Transparenz gesorgt. Das Projekt werde, bei guter und sachgerechter
Kommunikation gegenüber den Bedenkenträgern, zum Wirtschaftsfaktor für die
Region und abschließend bemerkte er, dass es – global betrachtet – besser ist,
Lithium in Deutschland, also im Land mit den höchsten Umweltstandards
abzubauen, als an irgendeinem anderen Fleck der Erde, wo diese Kriterien nicht
eingehalten werden müssten.

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Rundgang durch das Archiv mit unzähligen Bohrkernen (Foto: Wirtschaftsrat)

Wir
bedanken uns bei Marko Uhlig und allen Beteiligten für den informativen Abend
und die aufschlussreiche Führung durch das Informationszentrum, bei
Staatsminister Panter für seine uns gewidmete Zeit und freuen uns auf den
fortzusetzenden Dialog mit Dirk Panter anlässlich unseres Wirtschaftstages
Sachsen, wo es um die Zukunft der einheimischen Automobilindustrie gehen wird, am
19.06.25 in Zwickau.