Neujahrsempfang des Landesverbandes Sachsen mit WR-Präsidentin Astrid Hamker

„German Angst“ ist ein
Begriff, der in den vergangenen Jahren zunehmend in den deutschen Medien
verwendet wurde. Er beschreibt jene typisch deutsche Angst vor Veränderung, die
seit Jahrzehnten Reformen und Neuerungen hemmt.

Dr. Dino Uhle, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates Sachsen, bei seiner Eröffnung (Foto: Christian Scholz)
Ausgehend von diesem Begriff
begab sich Landesgeschäftsführer Dr. Dino Uhle in seiner Eröffnungsrede auf die
Suche nach dem Gegenpol zu diesem negativen Grundgefühl. Anhand mehrerer
Beispiele erläuterte er zunächst die Ausprägungen der sogenannten „German Angst“
und stellte ihr den Mut entgegen – in seiner unternehmerischen Form - sogar den
Wagemut. Mut sei das eigentliche Gegenteil von Angst. Dr. Uhle rief dazu auf,
innere deutsche Ängste zu überwinden und in allen Bereichen der Gesellschaft
wieder stärker zur Leistungsmentalität zurückzufinden. Daraus entstehe
Zuversicht, die er den Anwesenden – neben Gesundheit und unternehmerischem
Erfolg – ausdrücklich wünschte.
Der Landesvorsitzende Dr.
Schröter stellte in seiner Rede anhand der Beispiele Sachsens und Europas den
zunehmenden Bedeutungsverlust des Westens dar. An die Stelle von Innovation,
Wettbewerb und dem Streben nach wirtschaftlichem Wachstum seien Überregulierung,
mangelnde Innovationskraft und politische Selbstbeschäftigung getreten. Die
Europäische Union verfehle zunehmend ihre ursprünglichen Ziele und schade mit
ideologisch geprägten Entscheidungen der Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere der
deutschen Wirtschaft.

Dr. Dirk Schröter, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Sachsen, bei seiner Begrüßung (Foto: Christian Scholz)
Deutschland befinde sich in
einer tiefen Wirtschaftskrise. Unternehmensinsolvenzen, rückläufiges Wachstum
und überforderte öffentliche Haushalte seien Ausdruck struktureller
Fehlentwicklungen. Der Sozialstaat sei überdehnt und in seiner heutigen Form
finanziell nicht mehr tragfähig. Ohne wirtschaftliches Wachstum ließen sich
Wohlstand und soziale Sicherung nicht aufrechterhalten. Konzepte wie Degrowth
führten zwangsläufig zu einer „Gesellschaft des Weniger“.
Dr. Schröter warnte vor
einem zunehmenden Vertrauensverlust in Demokratie und politische Eliten, wenn
Politik nicht mehr als gestaltende und schöpferische Kraft wahrgenommen werde.
„Wenn der Stammtisch klüger ist als die Eliten, haben wir ein Problem“, so
seine Mahnung. Anknüpfend an die Tradition der Sozialen Marktwirtschaft
forderte er ein klares Bekenntnis zu Wachstum, unternehmerischer Freiheit und
einem wirtschaftsfreundlichen Ordnungsrahmen.

(Foto: Christian Scholz)
Abschließend plädierte Dr.
Schröter für ein sächsisches „Wirtschaftsentfesselungsgesetz“, das
Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungsverfahren und politische Klarheit in
den Mittelpunkt stellt. Der Appell lautete, nicht weiter zu zögern, sondern zu
handeln – ganz im Sinne von Erich Kästners Satz: „Es gibt nichts Gutes, außer
man tut es.“
Als Ehrengast durften wir an
diesem Abend die Präsidentin des Wirtschaftsrates, Astrid Hamker, begrüßen. In ihrer Rede stellte sie insbesondere die Herausforderungen des
demografischen Wandels heraus, der mutiges und entschlossenes Handeln
erforderlich mache. Maßnahmen zur Abmilderung seiner Auswirkungen könnten unter
anderem eine höhere Erwerbsbeteiligung und eine kritische Überprüfung
sozialstaatlicher Leistungen sein. Gerade im Bereich der Sozialleistungen müsse
alles auf den Prüfstand, da das bestehende System langfristig nicht mehr
finanzierbar sei.

Astrid Hamker, Präsidentin des Wirtschaftsrates der CDU e.V., während Ihrer Rede (Foto: Christian Scholz)
In diesem Zusammenhang
verwies die Präsidentin auf die kurz zuvor vom Wirtschaftsrat vorgestellte „Agenda
für Arbeitnehmer“. Diese verfolge insbesondere das Prinzip eines Rückzugs des
Staates aus einer übermäßigen Regelungsdichte, da ein Staat, der „alles
regelt“, künftig nicht mehr finanzierbar sei. Kritisch merkte sie an, dass die
Inhalte dieser Agenda in der medialen Berichterstattung vielfach verkürzt und
zugespitzt dargestellt worden seien. Anstelle einer sachlichen
Auseinandersetzung seien reißerische Schlagzeilen getreten, was eine konstruktive
Reformdebatte erschwere.

(Foto: Christian Scholz)
Deutschland habe sich in den
vergangenen Jahren zu einem überkomplexen Hochsteuerland entwickelt. Dabei
werde häufig übersehen, dass Talente, Kapital, Innovationen und Unternehmen
nicht an nationale Grenzen gebunden seien. Wenn attraktivere Rahmenbedingungen
geboten würden, entschieden sich diese zunehmend für eine Abwanderung. Als
Beispiel nannte Frau Hamker die Erbschaftsteuer, die kurzfristig höhere
Einnahmen verspreche, langfristig jedoch Familienunternehmen verdränge oder
Unternehmensgründungen verhindere. Schweden habe die Erbschaftsteuer bereits
abgeschafft – mit positiven Effekten für den Wirtschaftsstandort.
Ein klares Bekenntnis legte
die Präsidentin zudem zur Schuldenbremse ab. Entgegen der Kritik vieler
politischer Akteure zwinge sie die Politik dazu, Prioritäten zu setzen, anstatt
Ausgaben immer weiter auszuweiten. Sie sei damit ein zentrales Instrument verantwortungsvollen
staatlichen Handelns.

(Foto: Christian Scholz)
Zum Abschluss ging Frau
Hamker auf die aktuelle Bau- und Wohnungspolitik ein. Ziel müsse es sein,
Wohnen wieder bezahlbar zu machen. Dies erfordere weniger staatliche Eingriffe
und mehr Vertrauen in marktwirtschaftliche Lösungen. Nur durch ausreichendes Bauen
in größerem Maßstab ließen sich langfristig die Mietpreise senken.

v.l.n.r.: Dr. Dirk Schröter, Astrid Hamker, Dr. Dino Uhle (Foto: Christian Scholz)
Im Anschluss an die
Redebeiträge nutzten die Mitglieder die Gelegenheit für eine lebhafte Diskussionsrunde.
Der Abend klang anschließend in anregenden Gesprächen beim Buffet aus.

Dr. Dino Uhle eröffnet die Diskussion (Foto: Christian Scholz)

Matthias Hundt, Geschäftsführer der SDC Sachsen Digital Consulting GmbH (Foto: Christian Scholz)

Dr. Markus Reichel MdB (Foto: Christian Scholz)

Prof. em. Dr. rer. nat. habil. Sigismund Kobe, Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften an der Technische Universität Dresden (Foto: Christian Scholz)

Robert Kramer, Geschäftsführer der esveo GmbH (Foto: Christian Scholz)

Dr. med. Matthias Müller-Holz, Praxisinhaber Augenärztliches MVZ Dr. Riedel & Dr. Müller-Holz (Foto: Christian Scholz)

Dank von Dr. Dirk Schröter an Astrid Hamker für Ihr Kommen (Foto: Christian Scholz)

Präsidentin Astrid Hamker und Magdalena Schüffler, Geschäftsführerin der AMOS Beratungsgesellschaft mbH (Foto: Christian Scholz)

Präsidentin Astrid Hamker und Nora Seitz MdB und Geschäftsführerin der Fleischerei Thiele in Chemnitz (Foto: Christian Scholz)

Christian Fanghänel (links), Leiter Fundraising im Gewandhaus zu Leipzig, im Gespräch mit dem Landesvorsitzenden Dr. Dirk Schröter (Foto: Christian Scholz)