Polnisch-Deutscher Wirtschaftsdialog - "Asien als Gefahr oder Chance?"

Im Mittelpunkt standen die Zukunft der deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen, neue Verkehrs- und Logistikachsen zwischen Europa und Asien, die Bedeutung Zentralasiens sowie konkrete Chancen für Industrie, Mittelstand, Verteidigungswirtschaft und Künstliche Intelligenz.

(Foto: Lukasz Piotrow)
Mehr als 100 Unternehmer, Vertreter aus Politik, Kommunalverwaltung und Institutionen aus Deutschland und Polen kamen am 30. September 2026 im Hegelmann Logistik Hub in Żarska Wieś zum Polnisch-Deutschen Wirtschaftsdialog „Asien als Gefahr oder Chance?“ zusammen. Im Mittelpunkt standen die Zukunft der deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen, neue Verkehrs- und Logistikachsen zwischen Europa und Asien, die Bedeutung Zentralasiens sowie konkrete Chancen für Industrie, Mittelstand, Verteidigungswirtschaft und Künstliche Intelligenz.
Organisiert wurde der hochkarätige Wirtschaftsdialog von Victor Kantelhardt, Vorsitzender der Landesarbeitsgruppe Nachbarstaaten des Wirtschaftsrates der CDU e.V., gemeinsam mit Janusz Piechociński, Vizepremier und Wirtschaftsminister Polens a.D. Gastgeber war Adrian Koziorowski, CEO Hegelmann Żarska Wieś. Ihm gilt ein besonderer und herzlicher Dank für die außerordentliche Gastfreundschaft und den Rahmen, den er für diesen grenzüberschreitenden Wirtschaftsdialog geschaffen hat.
Victor Kantelhardt, Vorsitzender der Landesarbeitsgruppe Nachbarstaaten im Wirtschaftsrat, bei der Begrüßung und Eröffnung des Wirtschaftsdialogs (Foto: Lukasz Piotrow)
Bereits der Veranstaltungsort war programmatisch: Nur wenige Kilometer von Görlitz und Zgorzelec entfernt, steht der Hegelmann Hub für grenzüberschreitende Wertschöpfung, leistungsfähige Logistik und die unmittelbare Verbindung zweier europäischer Wirtschaftsräume. Die Veranstaltung knüpfte damit an die Zielsetzung an, wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Deutschland und Polen zu vertiefen und neue internationale Perspektiven zu eröffnen.
v.l.n.r.: Adrian Koziorowski, CEO, Hegelmann Zarska Wies und Victor Kantelhardt (Foto: Lukasz Piotrow)
Deutschland und Polen: Partner auf Augenhöhe
Dr. Dino Uhle, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates der CDU e.V., Landesverband Sachsen, stellte in seiner Begrüßung die strategische Bedeutung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen heraus. Polen sei „kein Ausweichmarkt und kein verlängertes Werkbank-Modell“, sondern „ein starker, innovativer Handelspartner auf Augenhöhe“. Die wirtschaftliche Verflechtung beider Länder sei kein Randthema der Außenwirtschaft, sondern „ein strategischer Kern europäischer Wertschöpfung“.

v.l.n.r.: Dr. Dino Uhle, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates der CDU e.V., Landesverband Sachsen; Adrian Koziorowski, CEO Hegelmann (Foto: Lukasz Piotrow)

Gerade Sachsen, so Uhle, verstehe diese Realität in besonderer Weise: „Von Görlitz bis Dresden, von der Lausitz bis Leipzig: Unsere Grenzregion ist kein Rand. Sie ist ein Scharnier.“ Aus geografischer Nähe müsse messbare Wettbewerbsfähigkeit entstehen – durch gemeinsame Lieferketten, Kompetenzen, Investitionen und konkrete Kooperationen.

Dr. Dino Uhle während seiner Begrüßung (Foto: Lukasz Piotrow)

Der Landesgeschäftsführer verband diese Perspektive mit einem klaren europäischen Anspruch. Deutschland und Polen könnten ihre jeweiligen Stärken miteinander verbinden: deutsche Ingenieurskunst und polnische Dynamik, sächsische industrielle Tiefe und polnische Umsetzungskraft. Vor dem Hintergrund des globalen Wettbewerbs müsse Europa seine komparativen Vorteile nutzen und wirtschaftliche Synergien stärker ausschöpfen.

 
Vier Themenblöcke – ein gemeinsamer strategischer Blick
Die Veranstaltung war in vier eng miteinander verbundene Themenblöcke gegliedert: bilaterale Logistik, Mittelstand für Rüstung und Schwerindustrie, Künstliche Intelligenz im HR und in der Industrie sowie strategische Markterschließung. Damit wurden zentrale Zukunftsfelder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit mit der Frage nach der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Europas verbunden.
 
1. Bilaterale Logistik – Europa und Asien verbinden
Der erste Block widmete sich den Herausforderungen und Chancen der bilateralen Logistik. Vertreter von Prometeon/Pirelli, Rohlig Suus Logistics, PKP Cargo, Koimex S.A., Hegelmann Group, Euro Trade, Europart und Polfrost Internationale Spedition brachten ihre unternehmerischen Erfahrungen ein.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Polen und Deutschland ihre Position entlang der wachsenden Verkehrsströme zwischen Europa und Asien stärken können. Janusz Piechociński betonte, Deutschland und Polen müssten gemeinsam vorangehen und ihre Lage als Tor zur Europäischen Union nutzen. Neue Verkehrswege und Investitionen in Infrastruktur eröffneten Chancen für Logistik, Produktion und Technologie.
 (Foto: Lukasz Piotrow)Janusz Piechociński, 
Besonders deutlich wurde, dass Logistik heute weit über Transport und Kostenoptimierung hinausgeht. Sie ist ein strategischer Faktor für Resilienz, Versorgungssicherheit und internationale Wettbewerbsfähigkeit. In der Begrüßungsrede formulierte Dr. Dino Uhle hierzu: „Wer zuverlässig liefern kann, gewinnt Vertrauen. Wer europäische Korridore intelligent organisiert, gewinnt Märkte.“ Die Achse Polen–Deutschland sei dabei nicht Endpunkt, sondern Ausgangspunkt – unter anderem nach Skandinavien, in die Ukraine, nach Zentralasien und in die Welt.
 
2. Mittelstand, Rüstung und Schwerindustrie
Der zweite Themenblock widmete sich der Verbindung von industrieller Leistungsfähigkeit, Mittelstand und europäischer Sicherheitsarchitektur. Eine Liveschaltung zu Rheinmetall sowie Beiträge von ND SatCom, Jelcz S.A., der Seta Gruppe und MWK Defence eröffneten den Blick auf Produktionskapazitäten, Lieferketten und die stärkere Einbindung mittelständischer Unternehmen.
Diskutiert wurden unter anderem die Anforderungen an den Ausbau industrieller Kapazitäten, die Sicherung belastbarer Lieferketten sowie Möglichkeiten gemeinsamer polnisch-deutscher Industrie- und Verteidigungsprogramme. Gerade spezialisierte Zulieferer und mittelständische Technologieunternehmen können dabei grenzüberschreitende Netzwerke bilden.

Der Themenblock zeigte zugleich, wie eng Industrie, Sicherheit und Logistik inzwischen miteinander verbunden sind. Neue Produktionskapazitäten benötigen Fachkräfte, Zulieferer und leistungsfähige Verkehrswege. Damit wird die deutsch-polnische Zusammenarbeit auch zu einem Baustein europäischer industrieller Resilienz.

(Foto: Lukasz Piotrow)

3. Künstliche Intelligenz – konkrete Anwendungen in HR und Industrie
Der dritte Block richtete den Blick auf Künstliche Intelligenz und ihre praktische Nutzung. Dr. Rafał Mroziewski, KLG Solutions und move technology GmbH, diskutierten Anwendungsmöglichkeiten insbesondere im Personalbereich und in industriellen Prozessen.

Im Mittelpunkt standen nicht abstrakte Zukunftsszenarien, sondern konkrete Fragen: Wie lassen sich Fachkräfte passgenauer finden? Wie können Qualifikationen schneller erkannt, Prozesse effizienter geplant und Mitarbeiter von Routinetätigkeiten entlastet werden? Dr. Dino Uhle betonte in seiner Begrüßung: „KI ist kein Thema für morgen, sondern ein Instrument für heute.“ Zugleich bleibe Vertrauen ein entscheidender Faktor: Technologie könne gute unternehmerische Entscheidungen unterstützen, aber den Menschen nicht ersetzen.
v.l.n.r.: Dr. Rafal Mroziewski, Gründer und CEO der Personalagentur MONDI sp. z.o.o. und Victor Kantelhardt (Foto: Lukasz Piotrow)

4. Strategische Markterschließung – Zentralasien im Fokus
Im vierten Block wurde der Blick über Europa hinaus gerichtet. Die strategische Erschließung neuer Märkte, insbesondere in Zentralasien, stand im Mittelpunkt. Die Anwesenheit von Yerlan Shakhay, Generalsekretär der Kasachischen Botschaft in Warschau, verlieh diesem Themenfeld zusätzliche internationale Perspektive.

Zweiter von rechts: Yerlan Shakhay, Generalsekretär der Kasachischen Botschaft in Warschau (Foto: Lukasz Piotrow)

Kasachstan wurde als wichtiger Bestandteil der sich entwickelnden Verkehrs- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Asien diskutiert. Der Ausbau der Infrastruktur, neue Transportkorridore sowie der Modernisierungsbedarf von Industrie und Wirtschaft eröffnen Chancen für deutsche und polnische Unternehmen – von Logistik und Produktion bis zu technologischen Lösungen.

Dr. Markus Kramer, CEO, Kramer & Best Anlagenbau GmbH, während seines Vortrags (Foto: Lukasz Piotrow)

Auch zahlreiche Industrieunternehmen brachten ihre Perspektiven ein: Kramer & Best, VINCI, Actemium, Atlas Ward, die Sonderwirtschaftszonen Łódź und Legnica, Yamada Wentworth, die Görlitzer Hanf- und Drahtseilerei, die Hoinkis Zuckerwarenfabrik, Prometeon/Pirelli, elturserwis und Citronex. Mit der Bank Gospodarstwa Krajowego (BGK) war zudem eine zentrale polnische Förder- und Entwicklungsbank vertreten.
 

Politik, Kommunen und Wirtschaft an einem Tisch
Eine besondere Stärke des Wirtschaftsdialogs lag in der Verbindung von Unternehmenspraxis und öffentlichem Dialog. Die Oberbürgermeister von Görlitz, Octavian Ursu, und Zgorzelec, Rafał Gronicz, unterstützten die Veranstaltung mit Grußworten. Damit wurde die besondere Rolle der Grenzregion als gemeinsamer Wirtschafts- und Lebensraum sichtbar.

Rafal Gronicz, Oberbürgermeister von Zgorzelec, während seiner Grußworte (Foto: Lukasz Piotrow)
Octavian Ursu, Oberbürgermeister von Görlitz, während seiner Grußworte (Foto: Lukasz Piotrow)

Auch Torsten Göhler, Leiter der Wirtschaftsabteilung des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland in Breslau, bereicherte den Austausch. Mit Yerlan Shakhay von der Kasachischen Botschaft in Warschau und Vladyslav Ivanov, Vizepräsident der Polnisch-Ukrainischen Handelskammer, wurde der Dialog zugleich um eine internationale und osteuropäische Perspektive erweitert.

v.l.n.r.: Janusz Piechociński, Victor Kantelhardt und Torsten Göhler, Leiter der Wirtschaftsabteilung des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland in Breslau (Foto: Lukasz Piotrow)

Victor Kantelhardt machte deutlich, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht bei allgemeinen Bekenntnissen stehen bleiben dürfe. Unternehmen müssten miteinander in Kontakt gebracht und konkrete Möglichkeiten der Kooperation eröffnet werden. Sprache, fehlende direkte Kontakte und die Suche nach den richtigen Partnern seien praktische Hindernisse, die durch solche Formate überwunden werden könnten.
 

Vom Dialog zum Geschäft
Ein wesentliches Ziel der Veranstaltung bestand darin, den Austausch über Vorträge und Podiumsdiskussionen hinauszuführen. Im Anschluss an den Konferenzteil fanden bilaterale B2B-Gespräche mit Dolmetscherunterstützung statt. Unternehmer konnten konkrete Bedarfe, Kapazitäten, Technologien und Kooperationsmöglichkeiten miteinander besprechen.
Damit wurde der Anspruch der Organisatoren sichtbar: Aus Dialog soll Geschäft werden. Gerade die unmittelbare Vernetzung zwischen Unternehmen aus Deutschland und Polen schafft die Grundlage dafür, dass aus einem ersten Gespräch eine Logistikpartnerschaft, eine industrielle Kooperation, ein neuer Marktzugang oder ein gemeinsames internationales Projekt entstehen kann.

Adrian Koziorowski unterstrich als Gastgeber die Bedeutung dieses persönlichen Austauschs. Neben den fachlichen Diskussionen habe insbesondere das Networking dazu beigetragen, neue Kontakte zu schaffen und Teilnehmer miteinander zu verbinden. Janusz Piechociński hob ebenfalls hervor, dass der Erfolg eines solchen Treffens nicht allein an den Vorträgen gemessen werden könne, sondern daran, ob daraus konkrete weitere Gespräche und gemeinsame Vorhaben entstehen.
 
Asien: weder Schreckgespenst noch Selbstläufer
Die Leitfrage „Asien als Gefahr oder Chance?“ erhielt im Verlauf des Wirtschaftsdialogs eine differenzierte Antwort. Asien wurde weder als reine Bedrohung noch als automatisch erschließbarer Wachstumsmarkt verstanden. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit Europas, seine eigenen Stärken zu bündeln und auf globalen Märkten selbstbewusst aufzutreten.

Dr. Dino Uhle brachte diesen Gedanken in seiner Begrüßung prägnant auf den Punkt: „Der asiatische Markt ist weder Schreckgespenst noch Selbstläufer. Er ist Chance und Wettbewerb zugleich.“ Wer ihn ausschließlich als Gefahr begreife, überlasse anderen die Gestaltung; wer ihn naiv betrachte, riskiere Abhängigkeiten. Die Antwort liege deshalb in gemeinsamen europäischen Lieferketten, Standards, Innovationen, Investitionen und Marktstrategien.

Dr. Dino Uhle (Foto: Lukasz Piotrow)

Diese Perspektive verbindet die vier Themenblöcke des Wirtschaftsdialogs: Leistungsfähige Logistik erschließt Märkte, industrielle Kooperation stärkt Wertschöpfung und Resilienz, Künstliche Intelligenz erhöht die Produktivität und strategische Partnerschaften eröffnen neue internationale Perspektiven.


Ein starkes Signal für die deutsch-polnische Partnerschaft
Der Polnisch-Deutsche Wirtschaftsdialog in Żarska Wieś hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in der Verbindung deutscher und polnischer Unternehmen liegt. Die Veranstaltung führte mehr als 100 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kommunen und Institutionen zusammen und verband bilaterale Zusammenarbeit mit einer klaren internationalen Perspektive.

Dabei wurde deutlich: Deutschland und Polen sind nicht nur Nachbarn, sondern strategische Wirtschaftspartner mit einer gemeinsamen europäischen Verantwortung. Für Sachsen besitzt diese Partnerschaft eine besondere Bedeutung. Die Grenzregion ist kein Rand Europas, sondern ein Scharnier zwischen Märkten, Menschen, Infrastruktur und industriellen Kompetenzen.

Giansimone Bertoli, CEO für Osteuropa und die nordischen Länder, Prometeon Tire Group (Foto: Lukasz Piotrow)

Der Wirtschaftsrat der CDU e.V., Landesverband Sachsen, wird diesen Dialog gemeinsam mit seinen Partnern weiterführen. Denn die entscheidende Frage lautet nicht allein, wie Deutschland und Polen miteinander handeln, sondern wie beide Länder ihre Kompetenzen bündeln können, um gemeinsam auf europäischen und internationalen Märkten erfolgreich zu sein.


Der nächste Austausch der Landesarbeitsgruppe Nachbarstaaten ist bereits für 2027 in Warschau vorgesehen. Die Gespräche über konkrete Unternehmenskooperationen, den Dialog mit Politik und Verwaltung sowie gemeinsame Strategien zur Erschließung internationaler Märkte sollen damit konsequent fortgesetzt werden.

Ein besonderer Dank gilt allen Referenten und Teilnehmern sowie insbesondere Victor Kantelhardt und Janusz Piechociński für die Initiative und Organisation. Unser ausdrücklicher Dank gilt ebenso Adrian Koziorowski und der Hegelmann Group für die außergewöhnliche Gastfreundschaft und die hervorragenden Rahmenbedingungen. 
 
Der Wirtschaftsdialog in Żarska Wieś hat damit ein klares Signal gesetzt: „Aus geografischer Nähe kann wirtschaftliche Stärke entstehen – wenn aus Nachbarschaft konkrete Partnerschaft wird.“ 
 

Hier ein paar Impressionen des Wirtschaftsdialogs:
Teilnehmer bei der Akkreditierung (Foto: Lukasz Piotrow)

v.l.n.r.: Dr. Rafal Mroziewski, CEO der MONDI sp. z.o.o.; Roland Nixdorf, Geschäftsführender Gesellschafter der DMD Görlitz GmbH und Sprecher der Sektion Görlitz; Steffen Taubert (Foto: Lukasz Piotrow)
Janusz Piechociński und Victor Kantelhardt (Foto: Victor Kantelhardt)
Dank an OB Octavian Ursu für sein Kommen (Foto: Lukasz Piotrow)
Unser Veranstaltungsort - die Hegelmann Group (Foto: Lukasz Piotrow)