Unternehmer-Frühstück zum Thema Kapitalmärkte

Richtung der Kapitalmärkte in der kommenden Zeit

Im
einzigartigen Ambiente der durch die Industriellenfamilie Voß zwischen 1909 und
1910 errichteten Villa in Leipzig, konnten wir uns, organisiert durch unser
Mitglied, die Bank Julius Bär Deutschland AG, zusammenfinden, um über die
Richtung der Kapitalmärkte in der kommenden Zeit, zu sprechen. 2025 war ein
bewegtes Jahr für die Märkte: Geopolitische Spannungen, immer wieder neue
Zollschranken seitens der USA, wachsende Unsicherheit an den Kapitalmärkten und
eine zunehmende strategische Rivalität zwischen großen Wirtschaftsblöcken haben
das Umfeld geprägt.

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(Foto: Wirtschaftsrat)

Unser
Landesgeschäftsführer, Herr Dr. Dino Uhle, führte in die Thematik ein und
stellte heraus, dass wir resilient bleiben und diversifizieren müssen: „Chancen
erkennen, ohne Risiken zu verdrängen. Und wir müssen uns in die
wirtschaftspolitische Debatte einbringen – am besten gelingt das über den
Wirtschaftsrat.“, formulierte er. Nach einem weltweiten Vergleich der Schuldenstandsquoten,
ging er auf die Wechselwirkungen zwischen „Kapitalmarktunion“ und „Euro-Bonds“
ein – die EZB sehe aktuell den sog. „Euro-Moment“ gekommen und möchte gern
sowohl die EU-Kapitalmarktunion als auch gemeinsame europäische Schulden zur
Finanzierung dieses gemeinsamen europäischen Kapitalmarktes mit mehr Kapital
für Wachstumsfirmen und Start-Ups, mit mehr Chancen für Anleger, auch zur
privaten Altersvorsorge, eine weitere einheitliche europäische Rechtsform
(Neben der AG SE) für mittelgroße Unternehmen, eine einheitliche
EU-Insolvenzordnung, insgesamt mehr europäische Souveränität und gleichzeitig
aber auch Euro-Bonds verwirklichen. Klar gegen Euro-Bonds hat sich jüngst
Ex-Finanzminister Lindner in der FAZ positioniert. Er mahnt u.a. an, dass
kollektivierte Schulden den Druck zur Haushaltsdisziplin einzelner Staaten mit
ohnehin hohen Schulden mindere und die künftige Steuerlast in Europa noch
weiter zunehmen werde und vor allem das öffentlich propagierte gute
“Triple-A”-Rating Deutschlands gefährde. Künftig muss also eine tragfähige
Konstruktion für eine EU-Kapitalmarktunion und neuen europäischen
Finanzierungsformen gefunden werden.

Vertiefen
konnten wir unser „Kapitalmarkt-Frühstück“ durch Vorträge von Lutz Welge,
Leiter Portfolio Management der Bank Julius Bär Deutschland AG und durch Matthias
Wolf, Geschäftsführer der GOLDPFAD GmbH. Lutz Welge hat die aktuellen
Marktentwicklungen für uns eingeordnet, Chancen und Risiken benannt. Er hat
erläutert, wie institutionelle Investoren im Spannungsfeld zwischen
Dollar-Dominanz, Euro-Ambitionen und geopolitischer Unsicherheit agieren. Lutz
Welge zeigte sich u.a. verwundert darüber, dass die Invasion der
US-Streitkräfte in Venezuela kaum Einfluss auf die Kapitalmärkte hatte – er
machte zudem deutlich, dass Umbrüche auch immer Chancen bedeuten. Heute wird es
– wenn es um Anlagemöglichkeiten geht – immer wichtiger, auch auf geopolitische
Veränderungen bzw. Verwerfungen zu achten.

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Lutz
Welge, Leiter Portfolio Management der Bank Julius Bär Deutschland AG (Foto: Wirtschaftsrat)

Das
hoffentlich bald in Kraft tretende Mercosur-Abkommen wertete Lutz Welge positiv
– es würde den Welthandel fördern und entsprechend auch die nationale
Wirtschaft in Deutschland stärken. Aktuell werte der USD zwar gegenüber dem
Euro ab, dennoch bleibe der USD die weltweit die Reservewährung Nummer eins,
was eine implizite Aufwertung des USD bedeute. Er prognostizierte zudem einen
weiteren Hochlauf von Aktienwerten, aber vor allem auch von Edelmetallen, was
es empirisch eher selten gab: einen gemeinsamen Hochlauf von Aktien und von
Gold und Gold-Minen. Mittlerweile blickten die USA auch positiver auf DAX und
Eurostoxx-Werte. Als Anlagestrategie gab er uns diversifizierte Portfolien,
aber auch die Regel, eher nach guten Gründen und nicht nach Dogmen zu
verfahren, mit auf den Weg. Die nationale Sicherheitsstrategie der USA zeige,
dass die Staaten Europa als „Brückenkopf“ sehen. Die sog. „KI-Blase“ drohe in
der nächsten Zeit noch nicht zu platzen, die neueste Form der Kernenergie seit
weltweit wieder auf dem Vormarsch, Rohstoffe werden immer und immer mehr
gebraucht, Technologie bleibe notwendig und Edelmetalle bleiben wertstabil, vor
allem Gold sei nach wie vor eine gute Vermögensanlage.

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Matthias
Wolf, Geschäftsführer der GOLDPFAD GmbH (Foto: Wirtschaftsrat)

Bevor
wir in den Genuss eines köstlichen Frühstückes gekommen sind, hat uns Matthias
Wolf auf einen ganz anderen, aber nicht minder wichtigen Aspekt aufmerksam gemacht:
Die Unternehmensnachfolge. Gerade in Zeiten erhöhter Volatilität ist die
Übergabe eines Unternehmens nicht nur eine strategische, sondern auch eine
vermögensökonomische Schlüsselsituation. Klassischer Vermögensschutz kann in
dieser Phase zur Falle werden, wenn er nicht ganzheitlich gedacht ist. Matthias
Wolf stellte heraus, dass ein Unternehmensverkauf eine Zäsur im Leben eines
Unternehmers darstelle. Das Spannungsfeld der Unternehmerpersönlichkeit, die
bei KMU oft aus der Inhaber-, Geschäftsführer- und Familienfunktion bestehe,
sei von Anfang an und ganzheitlich mitzudenken. Entsprechend sollte der Schutz
des Privatvermögens bereits bei der Unternehmensgründung mit ins Visier
genommen werden, um sukzessive eine hohe Resilienzstufe zu erreichen. Dieser
Schutz wird umso relevanter, wenn die Übergabe bzw. der Verkauf des
Unternehmens in der letzten Unternehmensphase anstehe. Viele Unternehmer, die
aus dem Unternehmen ausscheiden, fallen ins Leere – sie müssen lernen, wie man
„sich selbst“ führt. Diese Phase sei mit der eines Leistungssportlers zu
vergleichen, der abrupt mit dem Profisport aufhöre und vergisst
„abzutrainieren.“. Der ganzheitliche Ansatz von Matthias Wolf betrachtet sowohl
die finanzielle, die rechtliche, aber auch die mentale Ebene der
Inhaber-Unternehmerpersönlichkeit.

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v.l.n.r.: Marcus Rehwald, Sprecher der Sektion Leipzig; Madlen Bestehorn, Geschäftsführerin des IVD Mitte-Ost e.V.; Angelika Bordt, Vorstandsmitglied der Sektion Leipzig; RA Dr. Dagmar Unger-Hellmich, Partnerin der Korn & Letzas Rechtsanwälte PartG mbB; Dr. Dino Uhle, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates der CDU e.V. in Sachsen (Foto: Wirtschaftsrat)

Wir
bedanken uns ganz herzlich bei unseren beiden Referenten, bei Oliver Franz,
Executive Director sowie bei Janet Werft, Associate Director der Bank Julius
Bär Deutschland AG, für das tolle Unternehmer-Frühstück. Besten Dank auch an
Marcus Rehwald, unseren Sektionssprecher in Leipzig, der über seine Sektion die
Plattform für die Veranstaltung des Wirtschaftsrates bereitet hat. Wir möchten unser
Unternehmerfrühstück mit Kapitalmarktbezug gern fortsetzen.