Unternehmerdialog mit Landrat Dr. Stephan Meyer

Im Rahmen der Veranstaltung unserer Sektion Görlitz mit Landrat Dr. Stephan Meyer zur wirtschaftlichen Zukunft des Landkreises und der Stadt Görlitz wurden zentrale Themen der regionalen Entwicklung, der Infrastruktur, der Energieversorgung sowie der Ansiedlung von Unternehmen diskutiert.

Im Mittelpunkt standen die Fragen nach einem gemeinsamen wirtschaftlichen Leitbild für Stadt und Landkreis sowie die Chancen und Herausforderungen für die Region als attraktiver Unternehmensstandort in der Mitte Europas.

Der Landrat betonte die Bedeutung einer gemeinsamen Betrachtung von Stadt und Landkreis Görlitz. Für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung sei es wichtig, die Region als Einheit zu verstehen und ihre vorhandenen Potenziale gemeinsam zu nutzen.

Ein wesentliches Aushängeschild soll weiterhin das Thema Energie und die Positionierung als Energiestandort bleiben. Dabei kann die Region auf verschiedene Akteure und Kompetenzen aus den Bereichen Energie, Forschung und Innovation sowie auf ihre internationalen Verflechtungen in der Mitte Europas aufbauen. Als Beispiele wurden das Fraunhofer-Institut, die LEAG, die Seethermie, United Heat sowie Forschungsaktivitäten im Bereich Leichtbauweise genannt. Ziel ist es, diese Potenziale stärker sichtbar zu machen und für die wirtschaftliche Entwicklung sowie die Ansiedlung neuer Unternehmen zu nutzen.

Als weiteren Schwerpunkt benannte LR Dr. Meyer die Entwicklung der Schieneninfrastruktur. Hinsichtlich der Strecke Dresden–Görlitz wurde darauf hingewiesen, dass deren Attraktivität vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen neu bewertet werden müsse. Insbesondere Neuansiedlungen und die wirtschaftliche Entwicklung der Region könnten eine Neubetrachtung der bisherigen Planungen erforderlich machen.
Kritisch wurde zudem die vorgesehene eingleisige Ausführung der Strecke Cottbus–Görlitz angesprochen. Die Kommunen wollen sich gegen diese Planung zur Wehr setzen, da eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur als wesentliche Voraussetzung für die zukünftige Entwicklung der Region betrachtet wird.

Landrat Dr. Stephan Meyer (Mitte) in der Diskussion mit den Teilnehmern (Foto: Wirtschaftsrat)

Die Frage, welche Perspektiven die vorhandene und geplante Infrastruktur sowie die Energieversorgung für den Landkreis und die Stadt Görlitz als europäischen Unternehmensstandort bieten, nahm ebenfalls breiten Raum ein. Für Investoren sollen Flächen mit Blick auf die Nutzung erneuerbarer Energien klar strukturiert und entwickelt werden. Gleichzeitig kommt dem Ausbau der Stromnetze eine zentrale Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang wurde die SachsenEnergie AG als wichtiger Akteur für den notwendigen Netzausbau hervorgehoben.

Auch die Nutzung von Gleichstromversorgung wurde thematisiert. Hierzu gibt es Anknüpfungspunkte an der Hochschule Zittau/Görlitz, die entsprechende Fragestellungen im wissenschaftlichen Kontext aufgreift.
Die Diskussion verdeutlichte, dass eine leistungsfähige Energieversorgung, geeignete Gewerbe- und Ansiedlungsflächen sowie eine moderne Verkehrsinfrastruktur entscheidende Voraussetzungen dafür sind, die Region als Unternehmensstandort weiterzuentwickeln.

Im Zusammenhang mit dem sogenannten Sondervermögen Infrastruktur wurde erläutert, welche Schwerpunkte bei dessen Einsatz im Landkreis Görlitz vorgesehen sind. Ein wesentlicher Anteil soll in die Bildungsinfrastruktur fließen. Dazu zählen insbesondere der Neubau von zwei Schulen sowie die Ertüchtigung weiterer Schulstandorte.
Darüber hinaus wurde die Ertüchtigung der Waldbühne Jonsdorf als weiteres Vorhaben genannt. Auch der Erhalt und der Ausbau der Bürgerbüros sollen trotz fortschreitender Zentralisierung weiterhin berücksichtigt werden. Als weiteres wichtiges Zukunftsthema wurde das Net Zero Valley Lausitz angesprochen.

Auch wurden verschiedene übergreifende Herausforderungen diskutiert. Dazu gehörten die begrenzte Verfügbarkeit von Ressourcen wie finanziellen Mitteln, Personal und ausführenden Unternehmen sowie die Frage, wie die Attraktivität ländlicher Räume langfristig gestärkt werden kann. In diesem Zusammenhang wurden auch mögliche Risiken für die Entwicklung ländlicher Regionen thematisiert.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Anerkennung von Qualifikationen und fachlichen Abschlüssen aus dem In- und Ausland. Diese Fragestellung ist insbesondere im Hinblick auf die Gewinnung von Fachkräften und die Deckung des zukünftigen Personalbedarfs von Bedeutung.

Die Veranstaltung war sehr informativ und Landrat Dr. Meyer bedankte sich nochmals für die Einladung und bekräftigte sein Interesse an der Fortführung solcher Veranstaltungen.