„Wenn der Steiger wieder kommt – Zinnabbau im Erzgebirge“


Treff vor den Zinnkammern (Foto: Wirtschaftsrat)
In
vier Jahren soll es so weit sein: Da heißt es wieder „Glückauf, Glückauf; der
Steiger kommt; und er hat sein helles Licht bei der Nacht, und er hat sein
helles Licht bei der Nacht; schon angezünd’t, schon angezünd’t…“ in
Tellerhäuser im Erzgebirge. Dort möchte die SAXORE Bergbau GmbH wieder Zinn
abbauen, wenn es die Weltmarktpreise zulassen. Zinn wird heute nach wie vor in
jedem elektronischen Bauteil als Leit- und Lötmittel benötigt, auch um moderne
Mikro-Chips, die sich auf immer kleineren Leiterplatten befinden, miteinander
zu verbinden.

Matthias Faust, Geschäftsführer der Saxore Bergbau GmbH, begrüßt die Gäste (Foto: Wirtschaftsrat)
Zudem
geht es auch um Resilienz bei kritischen Rohstoffen gegenüber dem Ausland,
zeigte uns Matthias Faust, Geschäftsführer der SAXORE Bergbau GmbH auf. Es sei
daran erinnert, dass wir uns in diesem Jahr in unserer Landesfachkommission
Energie bereits mit dem Lithiumabbau im Erzgebirge unter Beisein des sächsischen Wirtschaftsministers Dirk Panter MdL befasst haben (siehe Link unten). Es passiert wieder „Ursprüngliches“ in der Fortsetzung
traditioneller Anfänge im Erzgebirge. Im Übrigen ist auch das Weihnachtsfest
bergbaulich geprägt.

Glück auf, der Steiger kommt! (Foto: Wirtschaftsrat)
Heute
scheint jedoch die Fabrikhalle wieder das „Schlachtfeld der Zukunft“ zu sein
und der Kampf um Hochtechnologien hat längst begonnen – China setzt seine
Rohstoffdominanz als strategisches Druckmittel im verstärkten Maße ein. Warum
15 Jahre für neue Bergwerke zu lang sind und warum wir ohne kritische Rohstoffe
auch keine Sicherheit garantieren können – das sind zumindest zwei Fragen,
denen wir „unter Tage“ nachgehen konnten. In Rittersgrün soll das Herz für Erz
wiederbelebt werden und die Gewinnung kritischer und strategischer Bodenschätze
soll neu beginnen.

Unter Tage (Foto: Wirtschaftsrat)

Die große Zinnkammer (Foto: Wirtschaftsrat)
Wir
durften – gut ausgestattet mit Helm, Lampe und festen Schuhen – zunächst 3
Kilometer lang in den einstigen WISMUT-Schacht einfahren und haben erfahren,
dass es in den Zinnkammern, neben Zinn, noch weitere wertvolle Elemente (Zink,
Silber in kleineren Mengen etc.) lagern. Auch Uran ist hier noch vorhanden –
die Kartenhoheit dazu nach besitzt nach wie vor die WISMUT GmbH. Uran, damals Exportschlager
für die Atommacht Sowjetunion und Hauptgrund für den Bergbau in Pöhla, lagert
viel tiefer als Zinn und darf aktuell nicht mehr gefördert werden.

Das Objekt der Begierde - Kassiterit (Zinnstein) (Foto: Wirtschaftsrat)
Für
die SAXORE Bergbau GmbH liegt der Fokus auf dem Abbau von Zinn. Dabei soll ein
moderner, nahezu vollständig automatisierter moderner Bergbau, bei dem 95
Prozent (Abbau, Lagerung, Wasser-Reinigung) unter Tage passiert, auch zum
Gelingen des Strukturwandels im Erzgebirge beitragen. Aktuell ist die für
Südwestsachsen wesentliche industrielle Kernbranche, durch falsche Politik
(nahezu gegenwehrlose Akzeptanz des EU-Verbrennerverbots, grün gesteuertes
CO2-Mantra als Klimaschädling) in einen Schrumpfungsprozess geraten, dem es
zumindest einige Kräfte entgegenzusetzen gilt, wohlwissend, dass der drohende
Verlust von ca. 80.000 Arbeitsplätzen im südwestsächsischen Automobil- und
Maschinenbau nicht allein durch den wesentlich personalärmeren neuen Bergbau
kompensiert werden kann.

WISMUT-Erbe und neue Landschaft im Vergleich (Foto: Wirtschaftsrat)
Geplant
ist der Abbau von Zinn durch die SAXORE über max. 15 Jahre. Roboter sollen den
Bergbau realisieren, der hauptsächlich durch Sprengung von 6 Meter durchmessenden
neuen und nach Abbau mit Beton wieder zu verschließenden Kavernen zur
Stabilisierung der Schächte geschehen soll.

Auf dem Weg zur Mettenschicht (Foto: Wirtschaftsrat)
Von
Anfang an hat die SAXORE die Bürger in das Bergbauprojekt eingegliedert,
Informationsabende veranstaltet und die Sorgen der durch das Projekt
Betroffenen ernst genommen. Entgegen den herkömmlichen Bürgerinitiativen mit
„Anti-Haltung“ handelt es sich bei der Initiative zum Projekt Tellerhäuser um
Menschen, denen es um die Sache geht und die sich konstruktiv in das Projekt
modernen Bergbaus einbringen möchten. Eine Sache allerdings, die wesentlich für
den künftigen Zinnabbau ist, muss noch auf politischer Ebene geklärt werden –
es scheint profan und gleichermaßen schwierig zu sein: Es geht um die Frage, ob
die Straße, die durch den Sachsenforst geht, durch die (als elektrisch
geplanten) LKW der SAXORE Bergbau GmbH benutz werden darf.

Matthias Faust bei seinem Fachvortrag zum Bergbau-Projekt (Foto: Wirtschaftsrat)
Wir
danken unserem Organisator und Impulsgeber, dem Geschäftsführer der SAXORE
Bergbau GmbH, Matthias Faust, unserem Vorsitzenden der Landesfachkommission
Energie, Dr. Thomas Werner, sowie den Mitarbeitern der Zinnkammern für den
informativen Input sowie für die gelungene Mettenschicht unter Tage.