„Wie weit ist es noch zur Verteidigungsfähigkeit? – Gemeinsame Wege zur Beförderung der regionalen Wirtschaft“

Besuch der Sektion Chemnitz beim Panzergrenadierbataillon 371 in der Erzgebirgskaserne

Vom Kommandeur des ca. 900
Personen starken Panzergrenadierbataillons 371, Oberstleutnant Georg Böhme,
haben wir erfahren, wie die Erzgebirgskaserne personell sowie materiell
aufgestellt ist, um im Ernstfall verteidigungsfähig zu sein. Eins ist klar
dabei: Die sicherheitspolitische Lage in
Europa und weltweit hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, zunehmende geopolitische
Spannungen, wie im Iran sowie der Rückzug der USA als militärische Schutzmacht
Europas haben die Frage der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und seiner
europäischen Bündnispartner in den Mittelpunkt der politischen und
gesellschaftlichen Debatte gerückt.

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Elisa Heinrich, Sprecherin der Sektion Chemnitz, bei der Begrüßung (Foto: Wirtschaftsrat)

Mit dem von der Bundesregierung
bereitgestellten Sondervermögen i.H.v. 100 Mrd. € für die Bundeswehr wurden erhebliche
finanzielle Mittel zur Modernisierung von Ausstattung, Ausrüstung und
Infrastruktur des Militärs auf den Weg gebracht. Gleichzeitig stellt sich die
Frage, wie wirksam diese Mittel eingesetzt werden, wo die Bundeswehr heute
steht und welche Herausforderungen es weiterhin gibt. Kommandeur Böhme vertritt
dabei die Ansicht, dass es genau diese 100 Mrd.€ sind, die keine
Zusatzinvestitionen in die Bundeswehr darstellen, sondern vielmehr die
Rückzahlungen dafür darstellen, was seit 2014 der Bundeswehr durch Einsparungen
und Schrumpfungen entzogen worden ist. Aktuell sollen 2% des BIP jährlich für
Verteidigung ausgegeben werden – bisher waren es aber nur 1% bis 1,3%. Die
„neuen“ Investitionen seien entsprechend nur der Ausgleich für die defizitäre
Ausstattung aus den vergangenen Jahren.

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Oberstleutnant Georg Böhme, Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 371 (links) und Volker Klostermann, Geschäftsführer der Stargazer GmbH (Foto: Wirtschaftsrat)

Wir konnten gemeinsam
diskutieren, wie die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und regionaler
Wirtschaft künftig weiter gestärkt werden könne. Gerade für einzelne,
innovative mittelständische Unternehmen eröffnen sich hier neue
Kooperationsmöglichkeiten – von Beschaffung und Dienstleistungen bis hin zu
Innovation, Technologie und Fachkräftesicherung. Die Historie der Kaserne
reicht bis ins Jahr 1753 zurück, in welchem die erste Garnison in Marienberg
gegründet worden ist. 1874 wurde die Kaserne gebaut, welche 1956 von der NVA
und 1991 durch die Bundeswehr übernommen worden ist.

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(Foto: Wirtschaftsrat)

Um es vorwegzunehmen: Wenn es um
die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen regionaler Wirtschaft und der
Bundeswehr geht, hilft ein unmittelbarer geschäftlicher Kontakt zu einer
einzelnen Kaserne, wie in unserem Fall zur Erzgebirgskaserne in Marienberg, nur
wenig weiter. Hier sollte man die Ausschreibungen der Bundeswehr, des Bundes
der EU bzw. der NATO studieren (Links dazu unten).

Oberstleutnant
Böhme verweist in Sachen Wirtschaftskooperationen zwischen Unternehmen und dem
Militär zudem auf den Cyber Innovation Hub (siehe Link unten), um unternehmerische Innovationen
in die Bundeswehr zu bringen. Hier geht es aktuell um Projekte rund um das
Thema „neue Drohnen“, aber auch um „Robotics.“ Gerade bei der Drohnentechnik
hat die Ukraine große Fortschritte gemacht und Deutschland kann von diesen
Erkenntnissen profitieren. Hier helfe auch der direkte Kontakt zum ukrainischen
Militär.

Generell geht es aber um die
Frage, was die Bundeswehr nach welchen Kriterien von der Wirtschaft konkret
benötige. Diesbezüglich fehlt es aktuell noch an einer zentralen Anlaufstelle,
welche die Nachfrage der Bundeswehr mit den Angeboten aus der Wirtschaft
synchronisiert.

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(Foto: Wirtschaftsrat)

Das mitunter recht träge
agierende Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der
Bundeswehr (BAAINBw) in Koblenz spielt bei der Beschaffung für die Bundeswehr
nach wie vor die Hauptrolle. Viele Aufträge sind aber bereits an die „großen
Spieler“, wie Rheinmetall, KNDS (ehemals Krauss Maffei Wegmann), Hensoldt,
Diehl-Defence, Airbus Defence etc.) vergeben. KMU haben dennoch
Nischen-Chancen, um an kleinere Aufträge über die aktuellen Ausschreibungen
heranzukommen.

Vom Bataillonskommandeur Böhme
durften wir erfahren, dass sich die Bundeswehr aktuell in einem technischen
Umbruch befindet. Ein Paradebeispiel dafür ist der von Rheinmetall und KNDS
über ihr Joint Venture PSM 200 neu entwickelte Schützenpanzer des Typs „Puma“,
von dessen technischer Ausstattung wir uns in der Kaserne anhand eines
Simulators überzeugen durften. Der Weg vom Schützenpanzer Marder (erstmals
erbaut im Jahr 1971) hin zum Puma markiert hier einen Quantensprung in der
Militärtechnik. Das Bataillon in Marienberg ist in lediglich 25 Tagen „vor Ort“
im jeweiligen Einsatzgebiet einsatzfähig – aktuell agiert die Bundeswehr an der
NATO-Ostflanke in Litauen, um u.a. den Begriffen „Kriegstüchtigkeit“ und
„Zeitenwende“ Rechnung zu tragen. Das Marienberger Bataillon agiert hier im
Verbund mit der Bundeswehr aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt, und Thüringen. Dabei
ist im übergeordneten militärischen Kontext der Begriff „Kohäsion der
NATO-Allianz“ der zentrale Begriff. Denn mit dem Grad der Geschlossenheit der
NATO-Bündnispartner stehen und fallen die Stärken und Schwächen der NATO. Die
volle personelle und materielle Einsatzbereitschaft des Panzergrenadierbataillons
sei im Sommer 2026 hergestellt. Dabei gibt es im Kriegsfall immer drei
Handlungsoptionen: Unterwerfung, Flucht und Kampf, wobei ein wirkungsvoller
Kampf eben die entsprechenden Ausrüstungsgüter voraussetze – hier ist das
Bataillon aktuell gut aufgestellt.

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links: Tino Raabe, Geschäftsführer der FIRA FIRMENGRUPPE mit Oberstleutnant Georg Böhme, während des Rundgangs

Bei einem abschließenden Rundgang
durch die Kaserne konnten wir uns über die militärische Drohnentechnik, den
„Puma“ sowie über die infrastrukturellen Gegebenheiten informieren. Es war ein
mehr als interessanter Nachmittag und wir danken allen Mitarbeitern und
Soldaten der Erzgebirgskaserne für die überaus interessanten Einblicke. Besten
Dank auch an unser Mitglied im Sektionsvorstand Chemnitz, Stefan Hohmeister,
der die Veranstaltung federführend organisiert sowie an Oberstleutnant Böhme,
der uns alles gezeigt hat.