Autonom unter Wasser – GREYSHARK im Praxistest

Wie lassen sich Seekabel, Offshore-Windparks und andere
kritische Infrastrukturen unter Wasser künftig wirksam schützen? Wie lassen
sich Altmunition oder Minen in küstennahen Gewässern aufspüren, ohne Menschen
zu gefährden? Mit diesen Fragen befassten sich 20 Mitglieder der
Landesfachkommission Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft des
Wirtschaftsrates bei einem exklusiven Testeinsatz der autonomen
Unterwasserdrohne GREYSHARK™ vor der Küste Schleswig-Holsteins. Auf Einladung
der EUROATLAS GmbH erhielten die Teilnehmer unmittelbare Einblicke in die
Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten des Systems.
Der Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur gewinnt
angesichts hybrider Bedrohungen zunehmend an Bedeutung. Weltweit verlaufen rund
550 aktive Unterseekabel. Sie bilden eine wesentliche Grundlage internationaler
Kommunikation, Energieversorgung und wirtschaftlicher Vernetzung. Eine
dauerhafte Überwachung dieser Infrastruktur durch bemannte Systeme ist
angesichts ihrer Ausdehnung nicht möglich. Autonomen Unterwasserfahrzeugen
kommt deshalb künftig eine besondere Bedeutung zu.
GREYSHARK wurde genau für solche Einsatzlagen entwickelt.
Das autonome Unterwasserfahrzeug ist ein Gemeinschaftsprojekt von EUROATLAS und
EvoLogics und soll nicht als isoliertes Einzelsystem operieren. Vielmehr ist es
als Bestandteil eines vernetzten „Systems von Systemen“ konzipiert, in dem
unterschiedliche autonome und bemannte Einheiten zusammenwirken.
Eine besondere Herausforderung unter Wasser ist die
eingeschränkte Kommunikation. GPS steht während des Tauchgangs nicht in der
gewohnten Form zur Verfügung, zugleich sind klassische Kommunikationswege unter
Wasser nur begrenzt nutzbar. Das System muss deshalb viele Entscheidungen
selbstständig treffen können.
Hierfür verfügt GREYSHARK über unterschiedliche Sensoren,
darunter optische und akustische Systeme. Die dabei entstehenden Daten werden
bereits an Bord zusammengeführt und mittels Künstlicher Intelligenz
ausgewertet. Das System soll dadurch selbstständig erkennen können, welche
Informationen für die jeweilige Mission relevant sind. EUROATLAS nennt unter
anderem automatische Zielerkennung, Kollisionsvermeidung und dynamische
Anpassungen des Missionsverlaufs als Bestandteile der autonomen Fähigkeiten.
Ein weiteres wesentliches Merkmal ist die Schwarmfähigkeit.
Mehrere GREYSHARK-Einheiten können koordiniert eingesetzt, Aufgaben verteilt
und Daten zwischen den Systemen ausgetauscht werden. Damit eröffnet sich
insbesondere bei der großflächigen Überwachung maritimer Infrastruktur die
Möglichkeit, deutlich größere Gebiete abzudecken als mit einzelnen bemannten
Plattformen.
Die möglichen Einsatzfelder sind vielfältig. Dazu zählen die
Überwachung von Kommunikationskabeln, Pipelines und Offshore-Windparks ebenso
wie Aufklärungs- und Patrouillenaufgaben sowie die Minendetektion in
strategisch wichtigen Wasserstraßen. Gerade bei internationalen Seewegen, können
autonome Systeme dazu beitragen, Gefahren frühzeitig zu erkennen und
gleichzeitig das Risiko für Menschen und bemannte Fahrzeuge zu reduzieren.
Wie groß die praktische Herausforderung beim Schutz von
Seekabeln ist, wurde bei der Veranstaltung ebenfalls deutlich. Zwar sollen
solche Kabel grundsätzlich etwa 1,5 Meter tief im Meeresboden verlegt sein. In
der Realität liegen sie jedoch vielerorts zumindest abschnittsweise frei und
sind damit anfälliger für Beschädigungen oder gezielte Eingriffe.
Auch bei Reichweite und Einsatzdauer setzt das System auf
große Autonomie. Ziel ist es, dass der GREYSHARK mit dem künftig vorgesehenen
Brennstoffzellenantrieb bis zu 8.000 nautische Meilen (rund 14.800 Kilometer)
zurücklegen kann. Bei reinem Batteriebetrieb fällt die Reichweite entsprechend
geringer aus. EUROATLAS gibt für unterschiedliche Missionsprofile eine mögliche
Einsatzdauer von bis zu 16 Wochen bei der Brennstoffzellen-Variante an.
Die Entwicklung schreitet dabei mit hohem Tempo voran. Nach
den bei der Veranstaltung vorgestellten Planungen soll die Serienreife bereits
im September 2026 erreicht werden.