Brunsbüttel boomt: LNG-Terminals kommen

Im Hinblick auf die Energiekrise und als Folge des Ukraine-Krieges, seit Wochen ein aktuelles Thema: Die Schaffung von schwimmenden, mobilen LNG-Terminals an der deutschen Nord- und Ostseeküste. In Brunsbüttel wird hingegen bereits seit fast
einem Jahrzehnt der Bau eines stationären Terminals geplant. Ist diese
Überlegung angesichts des mobilen Terminals, das voraussichtlich im Januar 2023
in Brunsbüttel funktionsfähig sein wird, noch aktuell? Was bedeutet die
Entwicklung für das millionenschwere Projekt? Diese und weitere Fragen standen
im Fokus eines Termins der Sektion Dithmarschen des Wirtschaftsrates in Brunsbüttel. Hier wird hingegen bereits seit fast
einem Jahrzehnt der Bau eines stationären Terminals geplant. Ist diese
Überlegung angesichts des mobilen Terminals, das voraussichtlich im Januar 2023
in Brunsbüttel funktionsfähig sein wird, noch aktuell? Was bedeutet die
Entwicklung für das millionenschwere Projekt? Diese und weitere Fragen standen
im Fokus eines Termins der Sektion Dithmarschen des Wirtschaftsrates.
Sektionssprecher Knut Frisch konnte in
den Räumen der Brunsbüttel Ports GmbH mit Dr. Michael Kleemiß von der German
LNG Terminal GmbH, Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports/Schramm
Group und Mark Helfrich MdB, energiepolitischer Fachsprecher der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ein Trio begrüßen, das aus drei unterschiedlichen
Blickwinkeln auf die aktuellen Herausforderungen schaut.
Bereits
2014 sei die Grundsatzentscheidung gefallen, dass in Brunsbüttel in ein
Importterminal als Alternative für Gas aus Russland investiert werden solle. Frank Schnabel:
„Wir hatten die Firma Gasunie als Partner und Investor im Boot. Gespräche mit
den Bundesregierungen über eine Beteiligung waren dann aber zu unserer
Irritation über viele Jahre erfolglos. Erst seit der Veränderung der Gesamtlage
habe sich daran etwas geändert.“ Natürlich hätte das Augenmerk mit viel Arbeit
in den vergangenen zehn Monaten bei der schnellen Realisierung des schwimmenden
Terminals gelegen, aber an den Planungen für ein festes Terminal werde
festgehalten. Schnabel: „Wir werden Anfang 2023 mit dem Terminal starten und
das erste Schiff in Brunsbüttel empfangen können. Dann haben wir in zehn
Monaten geschafft, was sonst wohl fünf Jahre gedauert hätte.“ Er hoffe, dass
das angelieferte LNG dann auch in Teilen für die Industrie in Brunsbüttel
bereitsteht. „Wir kämpfen im Moment dafür, dass wir eine Versorgungssicherheit
für die Werke hier bekommen.“
Für Schnabel ist das auch deshalb
so wichtig, weil man aktuell soviel Nachfrage wie nie für die noch 450 Hektar
freien Flächen habe. „Wir sind dreimal überbucht. Das liege hauptsächlich an
der Option der grünen Energie und den LNG-Möglichkeiten.“ Wenn man alles
zusammenrechne, „sind hier in den nächsten Jahren Investitionen von mehreren
Milliarden Euro zu erwarten“. Ein wesentlicher Faktor sei das Terminal, dass
RWE bis 2026 für grüne Energien errichten will.
Bevor Dr. Michael Kleemiß von German
LNG Terminal GmbH über die aktuellen Planungen für das feste Terminal
berichtete, gab der Bundestagsabgeordnete Mark
Helfrich (CDU) einen Überblick über die politische „Gesamtwetterlage“. „Wir
können feststellen: Neben den vielen Herausforderungen, die die Energiekrise
mit sich bringt, ist es so, dass Brunsbüttel auf dem Radar der Politik steht.
Das verleiht der Region Aufmerksamkeit und Aufwertung und wird in den nächsten
Jahren für neue Möglichkeiten sorgen.“ Er freue sich, dass das mobile Terminal
bald am Start sei, aber ebenso, dass die Planungen für das feste Terminal schon
seit Jahren konsequent verfolgt worden seien: „Damit Brunsbüttel und
Deutschland als Industriestandort international konkurrenzfähig bleiben,
brauchen wir so viele Energieliefermöglichkeiten wie möglich.“
Es gelte, eine Vorwärtsstrategie
zu verfolgen, in deren Zentrum eine Dekarbonisierung des Industriestandortes
vorangebracht wird. „Wir haben in Brunsbüttel alle Voraussetzungen, um im neuen
Zeitalter punkten zu können.“ Hoffnungen, dass auch bei dem festen Terminal das
Genehmigungsverfahren beschleunigt werden könnte, erteilt Helfrich eine Absage:
„Das war jetzt bei den mobilen Terminals eine gesellschaftliche
Sondersituation, die keine Blaupause für andere große Projekte sein könne.“
Damit der Wandel der Industrie insgesamt gelingen kann, sei ein entscheidender
Faktor, dass „wir hier als Überschussregion der erneuerbaren Energien diese Energie
auch zu international wettbewerbsfähigen Konditionen der Wirtschaft zur
Verfügung stellen können“.
Optimismus strahlte auch Dr. Michael Kleemiß aus, der seit
vielen Jahren das Projekt der Gasunie für das feste Terminal vorantreibt.
Aktuell seien zwei zentrale Punkte im Fokus: die Zustimmung der EU aus Brüssel
zu einer neuen Gesellschafterstruktur und das Voranbringen des
Genehmigungsverfahrens. Dr. Kleemiß: „Wir hatten der Bundesregierung in Berlin
deutlich gemacht, dass wir als privatwirtschaftliches Unternehmen das Projekt
nicht mehr allein wirtschaftlich realisieren können und vor einer Insolvenz
standen. Die Regierung hat daraufhin entschieden, dass sie sich über die KfW
mit 50 Prozent beteiligt, zudem wird RWE sich mit 10 Prozent beteiligen.“ Durch
die Beteiligung des Bundes sei eine neue Substanz und neues Vertrauen in das
Projekt entstanden, so dass „sich mittlerweile drei Partner fest an uns
gebunden haben und das Terminal nach Fertigstellung nutzen werden.“ Bei dem
Genehmigungsverfahren würden konsequent die nächsten Schritte gegangen. Dr.
Kleemiß hofft, dass schon bald im Zuge vorgezogener Teilgenehmigungen mit
ersten Bauarbeiten begonnen werden könne: „Der Bauauftrag an ein erfahrenes
Konsortium ist vergeben, das bereits erste Bodenuntersuchungen gemacht hat.“
Dr. Kleemiß machte deutlich, dass
ab 2026 ein Import- und zugleich Distributionsterminal geplant sei, dass einen
diskriminierungsfreien Zugang für jeden Kunden biete: „Es geht nun auch darum,
dass neben der vorhandenen Einspeisemöglichkeit in das benachbarte SH-Netz die
Infrastruktur mit Straße und Bahn, die am besten zweigleisig elektrifiziert ausgebaut
wird, für die Verteilung der eingespeisten Kubikmeter Gas geschaffen wird.“ Der
Experte machte zudem deutlich, dass das Konsortium mit Blick auf die Zukunft zweigleisig
plane: „Die Einspeisung von fossilem LNG wird im Jahr 2043 gesetzlich enden.
Deshalb planen wir bereits heute die gesamte Anlage so, dass später auch
biogenes Methan importiert werden kann.“ Grüner Ammoniak sei – Stand heute –
eine aussichtsreiche Alternative, die in Teilen andere Voraussetzungen bei der
Verarbeitung benötige: „Wir untersuchen die Alternativen gerade in einer
Machbarkeitsstudie“, so Dr. Kleemiß. Mit allen diesen Überlegungen werden für
Brunsbüttel gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des
größten Industriestandorts in Schleswig-Holstein geschaffen.

Bildunterschrift:
Wenig Zeit für ein Päuschen im
Standkorb, so wie hier in den Räumen der Brunsbüttel Ports GmbH, hatten
angesichts der Energiekrise und der geplanten Terminals in Brunsbüttel von
links Mark Helfrich (MdB), Dr. Michael Kleemiß (2.v.l.) und Frank Schnabel (rechts),
hier mit Sektionssprecher Knut Frisch.