„Dänemark ist ein glückliches Land“

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem EU-Nachbarn Dänemark
und dem Norden Schleswig-Holsteins zu fördern, ist seit langem ein Kernanlagen
der Sektion Flensburg-Schleswig. Die auf ihren Vorarbeiten erfolgte Einrichtung
einer Koordinationsstelle für die Ansiedlung skandinavischer Unternehmen in
Schleswig-Holstein ist hierfür ebenso ein Zeichen wir die Kooptation von Hans
Wicks, Geschäftsführer von DI – Dansk Industri Deutschland, in den
Sektionsvorstand. Nur folgerichtig war daher die Delegationsreise nach
Kopenhagen, die nun unter der Leitung von Sektionssprecher Hauke Präger
und auf freundliche Einladung von DI – Dansk Industri erfolgte.
Das Programm, an dessen Zustandekommen Benjamin Feindt als Mitglied des Sektionsvorstandes maßgeblichen Anteil hatte, führte die 15 Teilnehmer, darunter der
Landesvorsitzende des Wirtschaftsrates, Dr. Christian von Boetticher, in
die Deutsche Botschaft, das dänische Außenministerium, das Headquarter von DI –
Dansk Industri sowie zu Copenhagen Capacity.
Deutsche Botschaft
Die deutsche Botschafterin Anke Meyer konnte viele
Gründe nennen, wieso Dänemark nicht nur für deutsche Unternehmen derzeit sehr
attraktiv ist: eine stabile politische Landschaft, Wirtschaftswachstum, solide
Staatsfinanzen und eine Gesellschaft, die gemessen an anderen Ländern nicht allzu
stark polarisiert ist. „Dänemark ist ein glückliches Land“, fasste Meyer ihren
Befund zusammen. Entsprechend stark sei das Interesse: Sie begrüße derzeit
viele Delegationen aus Deutschland.
Verstärkt ginge es dabei derzeit um Rüstungskooperationen.
Die Drohnensichtungen der jüngsten Tage seien Beleg für deren Notwendigkeit.
Die geopolitische Lage habe auch zu einer verstärkten Hinwendung zur
Europäischen Union und insbesondere zu Deutschland geführt. Weitere
wirtschaftliche Themen seien derzeit die feste Fehmarnbeltquerung sowie die
Energieinsel Bornholm.
Hauke Präger nutzte diese Ausführungen für einen Appell: Der
Norden Schleswig-Holsteins und Sønderjylland müssten sich enger verbinden. Aus
der Grenzregion müsse eine Brückenregion werden, die als Experimentierfeld über
die Grenze hinweg genutzt wird: eine Sonderwirtschaftszone. Mit
Schleswig-Holstein bestünden ohnehin bereits die engsten Beziehungen Dänemarks
nach Deutschland. Und das Interesse an Kooperationen sei auf dänischer Seite
ohnehin sehr groß, bekräftigte Anke Meyer. Nur so könne das kleine Land seinen
Wohlstand sichern.
Dänisches Außenministerium
Im dänischen Außenministerium erläuterte Senior Advisor Matthias
Jensen, wie dänische Außenpolitik aktive Wirtschaftspolitik betreibt.
Bereits seit 25 Jahren bestehe der Danish Trade Council beim Ministerium. In
ihm sei die staatliche Exportförderung gebündelt. Er funktioniere de facto wie
eine Consulting-Firma. Mit einem Unterschied: Der Councel könne zur
Unterstützung auf öffentliche Stellen zurückgreifen. Im äußersten Fall sogar
auf die königliche Familie. Mehr als 400 Mitarbeiter verteilt auf 107 Stationen
in 58 Ländern sorgten für den gewünschten Zugang zu Märkten in den Sektoren
Energy, Agro & Food, Defence, Maritime, Life Science, Water &
Environment sowie Technology. Zusätzliche Innovation Center gebe es in München,
Shanghai, Seoul, Tel Aviv, Bosten, Bangalore und im Silicon Valley. Ziel sei es
stets, Investitionen nach Dänemark zu holen. Der monetäre Einsatz einer
Dänischen Krone erziele dabei einen Return on Invest von acht Kronen.
„Eine neue Weltordnung erfordert auch neue Märkte“, stellte
Jensen fest und räumte ein, dass dazu auch die Zusammenarbeit mit Ländern nötig
sei, mit deren Regimes man nicht zwangsläufig übereinstimme. Neu sei dabei das
Zusammendenken von Wirtschafts-, Außen-, Entwicklungs-, Sicherheits- und
Energiepolitik.
Auch von diesem Treffen blieb der Appell in Erinnerung,
Schleswig-Holstein müsse noch stärker als bisher zum Ausgangspunkt dänischer
Unternehmen für die Eroberung des deutschen Marktes werden und stärker als
bisher auf dänische Partner zugehen.
DI – Dansk Industri
DI – Dansk Industri ist Dänemarks größter Wirtschafts- und
Arbeitgeberverband. Er vertritt 20.000 kleine und große Unternehmen nahezu
aller Branchen, die ihrerseits 600.000 Mitarbeiter beschäftigen. Nach einer
Führung durch das am zentralen Bahnhofsplatz gelegene und architektonisch
beeindruckende Gebäude mit seiner prägnanten Glasfassade führten drei
leitendende DI-Mitarbeiter die Teilnehmer in Kurzvorträgen durch die dänische
Wirtschaft, die Grüne Transformation sowie die Schwerpunkte der aktuellen
dänischen EU-Ratspräsidentschaft.
Morten Granzau warf einen Blick auf die
wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die Inflation liege aktuell bei zwei,
das Wirtschaftswachstum bei 1,3 und die Arbeitslosigkeit bei 2,9 Prozent.
Charakteristisch für die dänische Wirtschaft sei ihre große Abhängigkeit von 20
Großunternehmen wie Novo Nordisk, Ørsted oder Maersk. Sie allen könnten das
Wachstum des gesamten Landes in die eine oder andere Richtung lenken. Ziel sei
es daher zu diversifizieren und diese Abhängigkeit zu verringern.
Dänemark stehe vor der Herausforderung, dass in den
kommenden 15 Jahren kein Zuwachs der Beschäftigung zu erwarten sei, so Granzau.
Umso wichtiger sei es daher, den Wettbewerb zu stärken und die Grüne
Transformation erfolgreich voranzutreiben. Neu auf der Agenda sei seit kurzem
der Blick auf die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.
Troels Ranis wieß in seinen Ausführungen auf das
erste dänische Klimagesetz von 2019 hin. Es sehe eine Reduktion des
CO2-Ausstoßen um 70 Prozent bis 2030 vor (basierend auf den Werten von 1990).
Entgegen allen Befürchtungen, diese Vorgaben gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit
der dänischen Wirtschaft, sei bereits heute absehbar, dass dieses Ziel mit
Sicherheit erreicht werde. Im Land gebe es lediglich noch ein Kohlekraftwerk.
Dieses werde aber erst abgeschaltet, wenn die Versorgungssicherheit
gewährleistet sei. Dies solle bis 2028 der Fall sein.
Als erstes Land weltweit habe Dänemark den Sektor
Landwirtschaft mit einer CO2-Steuer belegt, so Ranis. Dies zwinge auch die
Landwirte zur CO2-Reduktion. Große Fortschritte gebe es bereits im
Verkehrssektor: Acht von zehn Neuwagen seien elektrisch betrieben. Überhaupt:
Der Energiewandel könne nur durch Elektrifizierung gelingen, ist Ranis
überzeugt. Er werde zudem zu einer signifikanten Senkung der Energiekosten
führen. Dazu werde auch die geplante Wasserstoff-Pipeline von Dänemark nach
Deutschland beitragen. Hierzu fehle allerdings seitens der Bundesregierung noch
das Kommitment.
Rikke Nørgaard gab schließlich einen Einblick in die
Zusammenarbeit mit der Europäischen Union. Das Hauptthema in diesem Bereich
laute schlicht „Wettbewerbsfähigkeit“. DI – Dansk Industri sei auf allen
Kontinenten vertreten, doch lediglich in Brüssel unterhalte man ein rein
politische Büro für die Lobbyarbeit. Hierbei habe sich die Zusammenarbeit mit
der deutschen Schwester-Organisation BDI als besonders effizient erwiesen.
In der aktuellen EU-Ratspräsidentschaft solle insbesondere das
Thema Bürokratieabbau im Bereich Nachhaltigkeit umgesetzt werden. Große
Hoffnungen setze man hierbei auf die im Omnibus-Verfahren 1 der Europäischen
Kommission zusammengetragenen Vorschläge aus den Mitgliedssaaten.
Copenhagen Capacity
Seit 1994 betreibt Copenhagen Capacity, finanziert vom
dänischen Staat, der EU und privaten Spenden, die weltweite Vermarktung der
Region Greater Copenhagen. Diese umfasst zwei Länder (Dänemark und Schweden),
vier Regionen, 85 Gemeinden und 4,4 Millionen Einwohner. „Wir werben Investoren
an und bieten im Gegenzug den Zugang zu Netzwerken. also Matchmaking mit dem
dänischen Eco-System“, wie es Rikke Petersen nennt, Abteilungsleiterin
des Green Transition Team.
Wie attraktiv Dänemark sei, könne man an den 17.000 Pendlern
sehen, die täglich über die Öresundbrücke von Schweden ins Land pendelten.
Dabei spielten drei Aspekte eine wesentliche Rolle: Flexecurity (einfaches
Einstellen und Entlassen von Mitarbeitern und jährlich lediglich 1.000 Euro
Sozialabgaben für ein Unternehmen), Innovation (digital und smart) sowie
Balance (Kopenhagen ist die lebenswerteste Stadt der Welt, vor Wien und
Zürich). Für deutsche Unternehmen und Arbeitnehmer zähle zudem eine starke
deutsche Community vor Ort.
Die Ansiedlung neuer Unternehmen erfolge gezielt in den
Bereichen Green Transition, Life Science und Technology, so Petersen. Ziel
seien dabei stets „High Quality Investments“. Mehrheitlich kämen diese aus
Schweden, Deutschland und den USA. Der Trend verschiebe sich aber generell weg
von den Vereinigten Staaten und hin zur Europäischen Union.