„Die Sonne ist unser bester Verkäufer“

Mitglieder der Sektion Dithmarschen besichtigten die Dithmarscher Privatbrauerei in Marne

Wie behauptet sich eine traditionsreiche Landbrauerei in
einem herausfordernden Marktumfeld? Damit beschäftigten sich die Mitglieder der
Sektion Dithmarschen bei einer Brauereibesichtigung der Dithmarscher
Privatbrauerei in Marne. Sektionssprecher Sven Voß begrüßte die
Teilnehmer im historischen Brauereikeller bei Bier und Häppchen und ordnete den
Termin ein: Die Brauerei sei eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung der
Region verbunden, und der Wirtschaftsrat verstehe sich gerade bei solchen
Terminen als Brücke zwischen Wirtschaft und Politik.

Anschließend ließ Norbert Lucks, nach eigener Aussage
erst der dritte familienfremde Geschäftsführer in der Geschichte des 1884 von
Christian Hintz gegründeten Unternehmens, die wechselvolle Geschichte der
Brauerei Revue passieren – von der bäuerlichen Braustätte im 18. Jahrhundert
bis zum heutigen Familienbetrieb in fünfter Generation. Er berichtete, dass
sich die Dithmarscher Brauerei trotz eines insgesamt eher verhaltenen
bundesweiten Biermarkts vergleichsweise gut behaupte. Der Markt sei in den
vergangenen Jahren spürbar in Bewegung geraten, was sich unter anderem an der
sinkenden Zahl der Brauereien in Deutschland ablesen lasse. Als Gründe nannte
Lucks vor allem den rückläufigen Bierabsatz sowie gestiegene Kosten für
Energie, Rohstoffe und Logistik, denen kaum gestiegene Bierpreise
gegenüberstünden. Zugleich äußerte er sich zuversichtlich, dass sich ein Markt
mit einer so langen Tradition mittelfristig wieder stabilisieren werde. Auch das
deutsche Abschneiden bei Fußballwelt- und -europameisterschaften sowie das
Wetter spielten dabei eine Rolle. Mit Blick auf die Traumsommer 2006 und 2018
meinte Lucks: „Die Sonne ist unser bester Verkäufer.“

Die Entscheidung für den Bau einer neuen Abfüllanlage außerhalb
des Stadtzentrums sei deutlich vor der Corona-Zeit gefallen. Der Baubeginn fiel
dann in eine Phase, in der Planung und Finanzierung eines solchen Projekts nach
Angaben von Lucks „nicht ganz einfach“ gewesen seien. Der erste Bauabschnitt
der neuen, auf der „grünen Wiese“ errichteten Anlage startete Anfang 2024, seit
Ende desselben Jahres wird dort abgefüllt. Das Bier wird vom Stammsitz per
Pipeline zur Abfüllanlage geleitet. Beim Neubau legte die Brauerei erkennbaren
Wert auf Nachhaltigkeit: Solarthermie und eine Wärmerückgewinnung über ein
Blockheizkraftwerk sollen den Energiebedarf der Anlage senken – ein Thema, das
später auch beim Rundgang eine Rolle spielen sollte.

Dass sich die Investition auszahlt, zeigt eine aktuelle
Kooperation: Die Hamburger Ratsherrn Brauerei lässt ihre Flaschenabfüllung
künftig über die Dithmarscher abwickeln, um eigene Kosten zu senken und
Kapazitäten in Marne besser auszulasten. Für Lucks ein gelungenes Beispiel
dafür, wie zwei eigenständige Familienbrauereien in einem anspruchsvollen
Umfeld voneinander profitieren können, ohne ihre jeweilige Unabhängigkeit
aufzugeben.

In der anschließenden Fragerunde, die Lucks gemeinsam mit
Braumeister Garlich von Essen bestritt, ging es neben technischen Fragen
zum Neubau auch um allgemeine Rahmenbedingungen für die Branche – etwa um den
Umgang mit Bürokratie sowie um die auf Bundesebene diskutierte Abgabe auf
zuckergesüßte Getränke, die vor allem Betriebe mit einem wachsenden
alkoholfreien Sortiment von Mitxgetränken betreffen würde.

Im Anschluss führte Braumeister Garlich von Essen die Gruppe
persönlich durch die neue Abfüllhalle am Rande der Stadt und erläuterte dabei
jeden einzelnen Arbeitsschritt – von der Reinigung der zurückkommenden
Pfandflaschen über die Kontrolle bis hin zur Neubefüllung und Etikettierung.
Die Teilnehmer konnten sich vor Ort davon überzeugen, dass die gesamte Anlage
auf dem modernsten technischen Niveau arbeitet. Von Essen machte dabei
deutlich, wie viel Wert bei der Planung auf Energieeffizienz gelegt wurde: Von
der bereits erwähnten Solarthermie und Wärmerückgewinnung bis zu einzelnen
Anlagenteilen sei durchgängig darauf geachtet worden, den Energieverbrauch so
gering wie möglich zu halten. Für die Gäste der Sektion Dithmarschen bot der
Rundgang damit einen anschaulichen Einblick, wie ein traditionsreicher
Familienbetrieb Handwerk und moderne Technik miteinander verbindet.