„Die Weltreserve für Getreide reicht für 100 Tage“

Die markanten
Getreidesilos der Firma Thordsen, heute Teil der BAT Agrar GmbH & Co. KG,
gehören zur Silhouette der Stadt Husum. Die Mitglieder der Sektion
Nordfriesland des Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein hatten unter Leitung von
Sektionssprecher Stephan Frense die Möglichkeit, hinter die Kulissen des
größten Futtermittelhändlers zu blicken.
Jan Thordsen stellte sein
Unternehmen zunächst vor. Hervorgegangen aus mehreren Fusionen (zunächst der
Familien Thordsen, Arp und Rautenberg zur ATR und von dort durch den
Zusammenschluss mit Beiselen zur heutigen BAT) zählt das Unternehmen heute bundesweit
zu den führenden seiner Branche und ist auch in Dänemark, Polen und Österreich
tätig. Das Akronym steht dabei für Betriebsmittel, Agrar und Tiernahrung, hat
also mit den Familiennamen nichts mehr zu tun.
Mit 1.500 Mitarbeitern
und mehr als 15.000 Produkten erwirtschaftet der Produzent von Tierfutter und
Händler von konventionellen und ökologischen landwirtschaftlichen Betriebsmitteln
einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro. Mehr als 17.000 Kunden beziehen die
Produkte aus sieben Mischfutterwerken und an über 100 Standorten.
Jährlich werden eine
Million Tonnen Mischfutter erzeugt, 4,5 Millionen Tonnen landwirtschaftliche
Erzeugnisse verarbeitet und 2,1 Millionen Tonnen Düngemitteln gehandelt. Der
Handel mit Pflanzenschutzmitteln erwirtschaftet 370 Millionen Euro, der
Saatguthandel 170 Millionen Euro und der Bereich Haus & Garten 50 Millionen
Euro. BAT ist damit der größte Saatguthändler Deutschlands.
Die Gruppe betreibt vier
eigene, unter deutscher Flagge fahrende Schiffe mit Kapazitäten von 1.600 bis
3.000 Tonnen. Um damit das Werk in Husum auch künftig anfahren zu können, muss
der Husumer Hafen auf seine ursprüngliche Tiefe von 4,70 m ausgebaggert werden,
was nach einem jahrelangen verwaltungsrechtlichen Aufwand nun offenbar kurz vor
der Umsetzung stehe. Ein noch größeres Logistik-Problem sei hingegen der große
Fahrermangel. „Der LKW-Fahrer hat direkten Kontakt zu unseren Kunden. Da müssen
wir uns auf zuverlässige Kräfte verlassen können“, betonte Thordsen.
Große Sorgen bereiten dem
Firmeninhaber, der einer von fünf Geschäftsführern der BAT-Holding ist, die aktuelle
EU-Agrarpolitik. Sie laufe darauf hinaus, dass einige der ertragreichsten
Flächen der Erde stillgelegt oder nur extensiv bewirtschaftet werden sollen.
Thordsen zeigt sich alarmiert: „Die Welt produziert keine Getreide-Überschüsse
mehr! Wir leben von den Beständen. Und die reichen weltweit aktuell nur für 100
Tage.“ Er folgerte und
forderte daher: „Die
Produktion muss intensiver werden, nicht extensiver!“
Betrachte man Europa als
ein einziges Land, so produzierten weltweit gesehen nur sieben Länder 75 %
aller Getreideexporte. Bezogen auf Weizen seien es sogar nur sechs Länder. Wie
groß diese Konstellationen für den Weltmarkt sind, habe man beim Ausbruch des
Ukrainekrieges gesehen, als die beiden Großproduzenten Russland und Ukraine
betroffen waren.
Der New Green Deal der EU
führe zu einem Rückgang der Produktion, wobei der Effekt auf die CO2-Reduktion
sogar negativ sei, denn für jeden stillgelegten Hektar in Europa seien drei
Hektar in einem Land des globalen Südens erforderlich, da die Produktion
beispielsweise in Brasilien weniger effektiv sei als hierzulande.
Thordsen stellte fest: „Wir werden zum Netto-Importeur.“ Und
ein Rückgang der Weltproduktion führe zu Mangel, Hunger und Tod in den ärmeren
Weltregionen.