„Eine heutige Aussage über die Rente der jungen Leute ist unseriös“

Diskussionsveranstaltung mit Prof. Dr. Jens Boysen-Hogrefe, stellvertretender Leiter des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), in Mölln.

Zu einem Thema, das trotz seiner
großen Relevanz im Koalitionsvertrag der Bundesregierung kaum Beachtung fand,
konnte Björn Münchow, Sprecher der Sektion Herzogtum Lauenburg,
Mitglieder aus dem gesamten Landesverband Schleswig-Holstein sowie Mitglieder
des Jungen Wirtschaftsrates und Mitglieder aus dem Landesverband Hamburg
begrüßen: „Die Zukunft unseres Sozialsystems – Wie sichern wir die Rente?“

Der stellvertretende Leiter des
Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Prof. Dr. Jens Boysen-Hogrefe,
dessen Forschungsschwerpunkte Öffentliche Finanzen und Konjunkturprognosen sind,
wusste mit seiner Präsentation die Debatte mit grundlegenden Fakten zu
untermauern und progressive Vorschläge für Lösungsansätze zu artikulieren.

In der Folge umriss der seit 2008
am IfW tätige Ökonom die technischen Eckdaten. Relevant für die Debatte seien die
Prognosen für das Produktionspotential und das Arbeitsvolumen, die seit Jahren notgedrungen
hätten reduziert werden müssen. Angesicht der in den Ruhestand eintretenden
Baby-Boomer-Generation und des anhaltenden Kostendrucks sei die logische Schlussfolgerung
eindeutig. Dennoch mahnte der Ökonom: „Heute Aussagen über die Renten der
jungen Leute zu treffen, halte ich für unseriös“.

Das Problem der besonders großen
Alterskohorte der Baby-Boomer sei nicht überraschend gekommen: Schon seit 40
Jahren sei absehbar gewesen, dass diese Generation relativ größer sei als
nachkommende Jahrgänge. Dennoch erfreute sich die Vermeidung dieses Themas in
der Politik seit jeher großer Beliebtheit: „Dieses Thema kommt eindeutig zu
kurz“, so Boysen-Hogrefe.

Das Einkommensniveau der über
65-Jährigen sei im OECD-Durchschnitt vergleichsweise hoch, im Jahr 2020 hätte
es 87,6 Prozent des Durchschnittseinkommens der Gesamtbevölkerung betragen.
Parallel unterscheide sich die Zusammensetzungsstruktur der
Alterssicherungsleistungen: „Früher spielte die Hinterbliebenenrente eine
deutlich größere Rolle“

Der relativ gesehen geringe
Beitragssatz und der relativ zum BIP rückläufige Bundeszuschuss seien nur durch
eine immense Zunahme an Erwerbsbeteiligung der Frauen, den Kita-Ausbau und
Arbeitsmigration möglich gewesen. Gewohnt unaufgeregt kommentierte der Ökonom:
„Eine Wiederholung dieser Effekte halte ich aber für unwahrscheinlich“.

Schließlich zeigte Boysen-Hogrefe
fehlgeleitete Diskussionswege auf und regte die Zuschauer mit Lösungsansätzen
zur Diskussion an. Seiner Position war sich der Ökonom dabei durchaus bewusst:
„Ich habe es einfach – mein Job ist es, Kaffee zu trinken und Vorträge zu halten“.
Dabei war einer seiner Vorschläge zuvor hitzig diskutiert worden: Die Erhöhung
der Erbschaftssteuer bei gleichzeitiger Senkung der Steuer- und Abgabenlast für
den Großteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dies hätte seiner Ansicht
nach zur Folge, dass der Vermögensaufbau auch den unteren und mittleren
Einkommensschichten ermöglicht würde.

Die Diskussion wurde durch Dr.
Dieter Starke
, stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen
Rentenversicherung Nord, und Finn Plotz, geschäftsführender
Gesellschafter der Seon GmbH und Vorsitzender des Jungen Wirtschaftsrates
Schleswig-Holstein, fachlich kompetent ergänzt.