„In sauberen Städten und Vierteln ist die Sicherheitslage besser“

Wie entstehen moderne Reinigungs- und Kommunalmaschinen – und unter welchen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kann ein international tätiges Industrieunternehmen heute erfolgreich am Standort Deutschland produzieren? Diesen Fragen ging die Sektion Stormarn des Wirtschaftsrates bei einer Betriebsbesichtigung der Hako GmbH in Bad Oldesloe nach. Gemeinsam mit Sektionssprecher Uwe Möllnitz erhielten die Teilnehmer Einblicke in die Produktionsabläufe des Unternehmens und diskutierten mit der Geschäftsführung über Innovation, Nachhaltigkeit und die aktuellen Herausforderungen für den Industriestandort.
Zu Beginn stellten Joachim Blache, Geschäftsführer Operations, und Frank Ulbricht, Geschäftsführer Vertrieb & Marketing, das Unternehmen, seine strategische Ausrichtung und das umfangreiche Produktportfolio vor. Hako zählt zu den international führenden Herstellern professioneller Maschinen für die Reinigungs-, Kommunal- und Wasserstrahltechnik. Das 1948 gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz und sein Hauptwerk in Bad Oldesloe und beschäftigt heute weltweit nahezu 2.200 Mitarbeiter.
Eine besondere Bedeutung misst die Geschäftsführung der Sauberkeit des öffentlichen Raums bei. Saubere Städte und Stadtviertel leisteten aus ihrer Sicht einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität und zum Sicherheitsempfinden. Hako versteht sich dabei als Partner der Kommunen und bietet für unterschiedliche Einsatzbereiche ein breites Spektrum an Reinigungsmaschinen, multifunktionalen Geräteträgern und zunehmend digitalisierten sowie autonomen Systemen.
Im Gespräch wurde deutlich, welchen Stellenwert Kundennähe und kurze Entscheidungswege für die Unternehmensentwicklung haben. Zwischen Geschäftsführung und Facharbeitern liegen nach Angaben des Unternehmens nur wenige Hierarchieebenen. Gleichzeitig fließen Erfahrungen und Rückmeldungen der Anwender unmittelbar in die Weiterentwicklung der Produkte ein. Die Fähigkeit, auf veränderte Anforderungen schnell reagieren zu können, sei ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmenskultur.
Innovation und Digitalisierung prägen dabei zunehmend das Geschäft. Neben klassischen Reinigungssystemen und Kommunalfahrzeugen entwickelt Hako autonome Lösungen und vernetzte Anwendungen. Ein Beispiel dafür ist der Ansatz, Maschinen, Menschen und Daten miteinander zu verbinden, um kommunale Reinigungs- und Instandhaltungsprozesse effizienter und transparenter zu gestalten. Auch der zunehmende Fachkräftemangel erhöht nach Einschätzung des Unternehmens die Bedeutung automatisierter und autonomer Systeme.
Intensiv diskutierten die Teilnehmer zudem über Nachhaltigkeit und alternative Antriebe. Hako treibt die Entwicklung energieeffizienter Technologien und die Elektrifizierung sowohl der eigenen Fahrzeugflotte als auch des Produktportfolios voran. Zugleich machte die Geschäftsführung deutlich, dass bei der Marktdurchdringung elektrischer Systeme neben der technischen Leistungsfähigkeit insbesondere Wirtschaftlichkeit und Anschaffungskosten für die Kunden entscheidend seien. Veränderte Förderbedingungen könnten Investitionsentscheidungen zusätzlich beeinflussen.
Über die technologische Entwicklung hinaus rückten damit grundsätzliche wirtschaftspolitische Fragen in den Mittelpunkt des Austauschs. Joachim Blache und Frank Ulbricht verwiesen insbesondere auf die zunehmenden regulatorischen Anforderungen, steigende Kosten und die Frage, wie Unternehmen ihre unternehmerische Handlungsfähigkeit erhalten können. Insbesondere die steigenden Lohnnebenkosten sowie die hohe Anzahl von Krankentagen seien ein Thema. Die Produktion von Schweißteilen sei nicht zuletzt deswegen an einen Standort in Polen ausgelagert worden. Auch staatliche Förderprogramme wurden differenziert diskutiert: Unterstützung könne Investitionen ermöglichen, zugleich müsse darauf geachtet werden, keine dauerhaften Abhängigkeiten von Förderinstrumenten entstehen zu lassen.
Bei der anschließenden Führung durch die Produktionshallen konnten sich die Teilnehmer ein unmittelbares Bild von Fertigung, Montage und den unterschiedlichen Produktbereichen machen. Dabei wurde deutlich, wie eng industrielle Produktion, technologische Entwicklung und die Anforderungen der Kunden miteinander verbunden sind.
Die Betriebsbesichtigung bot damit nicht nur einen Blick hinter die Kulissen eines bedeutenden Industrieunternehmens aus Schleswig-Holstein. Sie zeigte zugleich beispielhaft, vor welchen Aufgaben der industrielle Mittelstand steht: Innovationsfähigkeit und Nachhaltigkeit voranzutreiben, Fachkräfte und wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen zu sichern und gleichzeitig mit steigenden regulatorischen und wirtschaftlichen Anforderungen umzugehen.