Kreislauf in Perfektion

Betriebsbesichtigung der Sektion Steinburg bei der Steinbeis Papier GmbH

Was Kreislaufwirtschaft in letzter Konsequenz bedeutet,
konnten die Mitglieder der Sektion Steinburg unter Leitung ihres Sprechers Christian Stöterau bei einer
Betriebsbesichtigung in Glückstadt erleben. Die Steinbeis Papier GmbH
produziert dort jährlich 300.000 Tonnen Papier und recycelt dabei nicht nur zu
100 % Papier, sondern auch das eingesetzte Wasser und erzeugt seine eigene
Energie durch Abfallverwertung, führte Jörg
Warnke
aus, Geschäftsführer der Steinbeis Energie GmbH. Konsequenterweise
befinden sich Papierfabrik und Kraftwerk auf demselben Gelände.

Marc Gebauer,
Geschäftsführer der Steinbeis Papier GmbH, ergänzte, das Unternehmen sei Teil
einer Familienholding mit 30 Gesellschaftern und drei Geschäftsfeldern, von
denen die Papierfabrik mit über 300 Mitarbeitern die größte sei, gefolgt von
der Energieerzeugung und der Kreislaufwirtschaft. Das Kraftwerk werde mit
Ersatzbrennstoffen (EBS) betrieben, im Notfall ergänzbar durch Kohle und Öl. In
Summe spare man auf diese Weise 73 % Energie und 72 % Wasser.

Die Papierfabrik erzielt im Fünfschichtbetrieb, betrieben
24/7, einen Umsatz von 280 Millionen Euro und exportiert 42 % seiner
Erzeugnisse. Hierzu zählen Druck- und Kopierpapier in vier verschiedenen
Weißgraden für den Büro- und Verwaltungsbedarf, Offsetpapiere für Magazine und
Bücher sowie Etikettenpapiere für Getränkeflaschen und Lebensmittelbehältisse.

In einem Markt mit austauschbaren Produkten könne sich sein
Unternehmen ausschließlich über Qualität und Flexibilität absetzen, stellte der
gebürtige Stuttgarter Gebauer klar. Kleinere Maschinen erlaubten kleinere
Losgrößen, die unabhängig machten von Großaufträgen. Bezogen auf
Recyclingpapier ergebe dies einen Marktanteil von 80 % in Behörden.
Vorschriften wie CSRD und EuDR seien für Steinbeis von Vorteil: Der
Umstellungsdruck, beim Büropapier von Frischfaser zu Recyclingfaser zu
wechseln, mache den allgemeinen Papierrückgang durch die Digitalisierung wieder
wett. Und auch die Entwicklung auf dem Magazinmarkt begünstige Steinbeis: Zwar
nehme die Auflage einzelner Titel ab, jedoch gebe es mittlerweile eine
wachsende Zahl an Magazinen durch eine wachsende Anzahl von
Special-Interest-Titeln.

Gefragt nach den Forderungen an die Politik, verwies Marc
Gebauer auf die Taxonomie von Atomstrom: Während dieser in Frankreich als
grüner Strom in die Umweltbewertung eines Unternehmens einfließe, sei für den
minimalen Anteil von externem Strom, den Steinbeis für seine Redundanz beziehe,
der nationale (deutsche) Strommix ausschlaggebend. Und der bestehe, anders als
der Strommix in Schleswig-Holstein, zu einem Großteil aus Kohlestrom. Unter dem
Strich bedeute dies in der Bewertung einen Wettbewerbsnachteil gegenüber einem
französischen Mitbewerber.