Kreislaufwirtschaft braucht verlässliche Rahmenbedingungen

Wie lassen sich ressourcenschonende Produktionsprozesse wirtschaftlich gestalten und welche politischen Rahmenbedingungen braucht die Industrie für ihre Transformation? Diesen Fragen gingen die Mitglieder der Sektion Herzogtum Lauenburg des Wirtschaftsrates bei einer Betriebsbesichtigung von Coca-Cola Europacific Partners (CCEP) in Mölln nach. Gemeinsam mit Sektionssprecher Björn Münchow erhielten die Teilnehmer Einblicke in die moderne PET-Mehrwegabfüllung. Als Gastgeber standen ihnen Produktionsleiterin Kirsten Göhner, PAC-Managerin Christina Burrack, Wirtschaftsingenieur und Local Environment Manager Heiko Duhnke, Standortlogistikleiterin Natalia Korac sowie Continuous Improvement Manager Jascha Beckmann für den Austausch über Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung und aktuelle Standortherausforderungen zur Verfügung.
Der Produktionsstandort Mölln blickt auf eine fast 70-jährige Geschichte zurück. Seit 1994 setzt das Werk auf PET-Mehrwegflaschen und hat sich inzwischen vollständig auf die Abfüllung von 1,0-Liter-Flaschen spezialisiert. Auf einer Betriebsfläche von 76.000 Quadratmetern beschäftigt das Unternehmen rund 220 Mitarbeiter. Im Dreischichtbetrieb werden Getränke für Norddeutschland sowie Berlin und Bremen abgefüllt. Die Bedeutung des Standorts zeigt sich auch in der Logistik: Bis zu 120 Lkw werden täglich abgefertigt.
Ressourcenschonung durch geschlossene Kreisläufe
Im Mittelpunkt der Besichtigung stand die Frage, wie sich Ressourcenverbrauch und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden lassen. Seit 2024 verwendet CCEP für sein gesamtes Sortiment eine einheitliche PET-Mehrwegflasche. Die Leergutsortierung erfolgt vollautomatisch. Nach Reinigung und Qualitätskontrolle gelangen die Flaschen unmittelbar zurück in den Abfüllprozess.
Auch beim Wasser- und Energieverbrauch setzt das Unternehmen auf kontinuierliche Verbesserungen. Durch die Wiederverwendung aufbereiteten Kühlwassers, optimierte Reinigungsverfahren und technische Anpassungen an den Produktionslinien werden Ressourcen eingespart. Digitale Systeme unterstützen die Verbrauchsüberwachung. Darüber hinaus erprobt das Werk den Einsatz von Wärmepumpen zur Dampferzeugung. Ab 2027 ist zudem die Umstellung des Stapler-Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge geplant.
Infrastruktur und Bürokratie bremsen die Transformation
Neben den technischen Möglichkeiten standen die wirtschaftspolitischen Herausforderungen im Mittelpunkt des Austausches. Die Unternehmensvertreter betonten die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Stadt Mölln und den regionalen Akteuren.
Kritisch bewertetet wurden hingegen die diskutierte Einführung einer Zuckersteuer sowie die geplante Steuer auf Kunststoffverpackungen. Beide Maßnahmen würden Investitionen erschweren, zusätzliche Bürokratie schaffen und die Preise für Verbraucher erhöhen. Zusätzliche Belastungen für Produkte des täglichen Bedarfs stünden dabei im Widerspruch zu dem Ziel, Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen zu entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu stärken. Besonders kritisch sei zudem, dass die geplante Steuer auf Kunststoffverpackungen nach aktuellen Plänen auch funktionierende Pfand- und Mehrwegsysteme belasten würde, die einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten. Für langfristige Investitionen in funktionierende Mehrwegsysteme seien stabile und verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend.
Der Betriebsbesuch verdeutlichte, wie eng industrielle Kreislaufwirtschaft, regionale Wertschöpfung und politische Standortbedingungen miteinander verbunden sind. Während Unternehmen wie CCEP in ressourcenschonende Technologien und effizientere Produktionsprozesse investieren, bleibt die Politik gefordert, durch leistungsfähige Infrastruktur, schnellere Genehmigungen und verlässliche Regulierung die Voraussetzungen für eine wettbewerbsfähige Transformation zu schaffen.