Segebergs Chancen durch A20 und Fehmarnbeltquerung

Die wirtschaftliche Entwicklung im Kreis Segeberg ist
bislang stark an die Achse der Bundesautobahn A7 gebunden, während der östliche
Teil des Kreises lange Zeit Defizite in der infrastrukturellen Anbindung
aufwies. Mit der Weiterführung der A20 sowie der im Bau befindlichen festen
Fehmarnbeltquerung eröffnen sich nun jedoch neue Perspektiven für die
wirtschaftliche Entwicklung im gesamten Kreisgebiet. Vor diesem Hintergrund
trafen sich die Mitglieder der Sektion Segeberg auf Einladung ihres Sektionssprechers
Tomas Kleitsch zu einer Diskussionsveranstaltung mit Vertretern der
Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Kreises Segeberg GmbH (WKS), um Chancen
und Herausforderungen näher zu beleuchten.
Zu Beginn der Veranstaltung gab Hans-Joachim Grote, Aufsichtsratsvorsitzender
der WKS, eine Einschätzung zum Stand der Verwaltung sowie zur wirtschaftlichen
Entwicklung in Schleswig-Holstein. Als besonders bemerkenswert hob er hervor,
dass ein Bundesland wie Nordrhein-Westfalen, das etwa sechsmal so groß ist wie
Schleswig-Holstein, mit deutlich weniger Entscheidungsebenen und Behörden
auskomme. Die Vielzahl an Zuständigkeiten sowie die komplexe Verteilung von
Entscheidungsbefugnissen stellten aus seiner Sicht ein Hemmnis für die wirtschaftliche
Dynamik dar. Zudem kritisierte er eine verbreitete Mentalität, Probleme stärker
zu fokussieren als Lösungen, sowie das Festhalten an linearen Denk- und
Verwaltungsstrukturen. Innovation werde häufig skeptisch betrachtet:
„Innovation ist momentan nur Teufelswerk.“ Gleichwohl betonte Grote auch die
positiven Standortfaktoren des Kreises Segeberg, insbesondere die Nähe zur
Metropolregion Hamburg sowie die Chancen durch die Infrastrukturprojekte A20
und Fehmarnbeltquerung.
Im Anschluss setzte Clemens Hermann, Geschäftsführer
der WKS, in seinem Impuls einen Schwerpunkt auf die Bedeutung dieser
Infrastrukturprojekte sowie auf die Rolle von Energietrassen für die Region. Er
erläuterte die voraussichtlichen Auswirkungen der A20 und der
Fehmarnbeltquerung auf Schleswig-Holstein und den skandinavischen Raum und
betonte, dass der Kreis Segeberg bei entsprechender strategischer Ausrichtung
zu den großen Gewinnern zählen könne. Die WKS verstehe sich dabei als
Brückenbauer zwischen Verwaltung und Wirtschaft mit dem Ziel, optimale
Rahmenbedingungen für unternehmerische Entwicklung zu schaffen.
Hermann wies zugleich auf bestehende Herausforderungen hin,
insbesondere durch komplexe Verwaltungsprozesse sowie umfangreiche
regulatorische Vorgaben. Um die Chancen nutzen zu können, sei es erforderlich,
verfügbare Gewerbeflächen gezielt zu entwickeln und die Standortvorteile des
Kreises, insbesondere die Nähe zu Hamburg sowie die Verfügbarkeit erneuerbarer
Energien, konsequent zu nutzen. Im Bereich der Energieversorgung identifizierte
er insbesondere den Netzausbau sowie die Frage eines wettbewerbsfähigen
Strompreises als zentrale Handlungsfelder.
In der anschließenden Diskussion wurden die verschiedenen
Perspektiven und Problemstellungen der wirtschaftlichen Entwicklung im Kreis
Segeberg und in Schleswig-Holstein intensiv erörtert. Im Mittelpunkt standen
dabei insbesondere das Ausmaß bürokratischer Strukturen, der Bedarf an weiterem
Bürokratieabbau und Digitalisierung sowie die mangelnde Planungssicherheit für
Unternehmen. Auch die Bedeutung der neuen Verkehrsinfrastruktur durch die A20
und die Fehmarnbeltquerung wurde hervorgehoben, da diese als wesentliche
Voraussetzung für Unternehmensansiedlungen angesehen wird.
Abschließend bestand unter den Teilnehmern Einigkeit
darüber, dass es seitens Politik und Verwaltung eines stärkeren Mutes zu
Innovation und Veränderung bedarf. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass
Unternehmen alternative Standorte bevorzugen, die durch effizientere Strukturen
und verlässlichere Rahmenbedingungen gekennzeichnet sind.