„Uns geht es gut“

Betriebsbesuch bei der Hartung GmbH & Co. KG mit Neumünsters Oberbürgermeister Tobias Bergmann

Neumünster hat einen
besonderen Hidden Champion zu bieten: Die Hartung GmbH & Co. KG, einen
Hersteller für Karten, Geschenk- und Schreibartikel mit einem deutschlandweiten
Marktanteil von einem Prozent. Doch Firmeninhaber Olaf Reiner begrüßte die
Mitglieder der Sektion Neumünster unter Führung von Holger Bajorat nicht in der
Druckerei, sondern im „Freiraum“, einem Coworking Space für Menschen mit Ideen
und Leidenschaft auf dem Firmengelände. Auf 1.500 qm bietet die Location 28
Schreibtische, 16 Konferenzräume und sechs Küchen. Alles auf qualitativ
höchstem technischem Niveau.

Ursprünglich war das Unternehmen unter Reiners
Schwiegervater 1986 mit dem Druck von Papierwaren gestartet. Nach mehreren
Expansionsschritten beschäftigt es heute 65 Mitarbeiter und ist in acht Ländern
aktiv. Von der Pandemie hat sich der Betrieb noch nicht ganz erholt; dennoch
bekräftigte Reiner: „Uns geht es gut!“.

Inspiriert von der
modernen Arbeitsatmosphäre im Coworking Space begann Oberbürgermeister Tobias
Bergmann
seine Ausführungen mit der Feststellung, dass New Work auch ein Thema
für seine Verwaltung sei. Dies betreffe auch die Vorstandsetage, denn: „Die
Bedeutung des OB bemisst sich nicht an der Größe seines Büros.“

Angesprochen auf die
drängendsten Themen der Stadt, kam Bergmann sogleich auf die Belebung der
Innenstadt zu sprechen. Diese stelle unbestritten die größte Herausforderung
dar. Eine Maßnahme von vielen sei die Einrichtung von Popup-Stores, die aber
nicht das Allheilmittel sein könnten. Wichtig seien vielmehr eine gute
Erreichbarkeit und eine höhere Aufenthaltsqualität. Dazu zählten Fahrradwege ebenso
wie mehr Bäume für Schatten im Sommer.

Der Schlüssel zum Erfolg
aber sei das Wohnen in der Innenstadt. Hierfür sei das Parkcenter ein
entscheidender Faktor. Diese Bauruine müsse verschwinden, damit dort idealerweise
ein Hotel, Büroräume und Wohnflächen (auch für den Sozialen Wohnungsbau) entstehen
könnten. Zusätzliche Einzelhandelsflächen seien aber unbedingt zu vermeiden.

Erfreut zeigte sich
Bergmann über die Tatsache, dass Neumünster mit dem Studiengang Pflege nunmehr Hochschulstandort
sei. Anzustreben sei ein weiterer Studiengang, möglicherweise im Bereich
Logistik. Hierzu seien aber Zusagen von Unternehmen erforderlich, die
Absolventen im Anschluss auch zu übernehmen. Ein Anreiz für Studierende könnte
ein Paketangebot aus Studienplatz und Wohnraum sein.

Die Mitglieder des
Wirtschaftsrates mahnten in der anschließenden Diskussion die Ausweisung von
ausreichend Gewerbeflächen an. Mit der Gemeinde Bostedt gebe es das erste
interkommunale Abkommen, so der Oberbürgermeister. Und man habe sich auf eine
50:50-Aufteilung der Gewerbesteuer einigen können.

Bergmanns Vorschlag,
Gewerbeflächen auf Erbpachtbasis anzubieten, stieß bei den Unternehmern auf
Kritik, denn solche Grundstücke seien bei der Beleihung problematisch. Auch das
Argument, die Bevorratung von Flächen durch Unternehmen verhindere die
Bebauung, ziehe hier nicht, denn für eine etwaige Erweiterung in der Zukunft
bräuchten die Betriebe diese Vorratsflächen; dies sei auch eine Frage der
Standortsicherung.

Von der NorthVolt-Ansiedlung
in Dithmarschen verspricht sich Tobias Bergmann eine Ausstrahlung auch auf
Neumünster, Rendsburg und Kiel, denn die zusätzlichen Arbeitskräfte des
Unternehmens selbst, aber auch der nachfolgenden Zulieferer könnten nicht alle
in Heide oder Hamburg leben. Daher sei es sehr zu begrüßen, dass die
Bahnanbindung nach Neumünster ertüchtigt werde.

Als die größten
Herausforderungen der kommenden Monate benannte der Oberbürgermeister die
anstehenden Tarifabschlüsse im Öffentlichen Dienst sowie die steigenden Kosten
im Sozialbereich. Diese würden dazu führen, dass Neumünster trotz hoher
Einnahmen im kommenden Jahr ein negatives Haushaltsergebnis ausweisen werde.