„Wer über Kreuzfahrt spricht, spricht auch über Verantwortung!“

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die Kreuzfahrt für den Standort Schleswig-Holstein – und wie lässt sich die Branche zugleich technologisch und ökologisch zukunftsfähig aufstellen? Diesen Fragen widmete sich der Wirtschaftsrat bei einem Hafengespräch an einem außergewöhnlichen Ort: An Bord der AIDAnova erhielten die Teilnehmer Einblicke in das Unternehmen AIDA Cruises, die technischen Dimensionen eines modernen Kreuzfahrtschiffes und die langfristigen Herausforderungen einer Branche, deren Investitionsentscheidungen über Jahrzehnte wirken.
Nach dem Boarding am Kieler Ostseekai und der Begrüßung durch die stellvertretende Landesvorsitzende Diana Pabst führte Benjamin Müller, Head of Public Affairs bei AIDA Cruises, die Gäste zunächst an Bord und gab einen Einblick in die Entwicklung des Unternehmens und dessen Kreuzfahrtkonzept. Jörg Miklitza, Kapitän der AIDAnova, stellte anschließend das Schiff und seine Besatzung vor. Bis zu 6.650 Gäste können auf der AIDAnova beherbergt werden; gemeinsam mit der Crew können sich damit bis zu rund 8.000 Menschen an Bord befinden. Das 2018 gebaute Schiff war das erste der AIDA-Flotte mit LNG-Antrieb. Mittlerweile kommt nach Angaben des Unternehmens auch Bio-LNG zum Einsatz.
Kreuzfahrt als langfristiges Geschäftsmodell
Müller zeichnete zunächst die Entwicklung von AIDA Cruises nach. Ein wesentliches Element des Unternehmenskonzepts sei von Beginn an gewesen, Kreuzfahrten für breitere Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen und zugleich einen legereren Stil an Bord zu etablieren. Schiffe seien dabei nicht allein touristische Angebote, sondern auch „Orte für Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften“.
Die Besonderheit der Branche zeigt sich nach Müllers Darstellung vor allem in ihren außergewöhnlich langen Planungs- und Investitionszyklen. Kreuzfahrtschiffe werden für Nutzungszeiträume von rund 30 Jahren konzipiert. Technische und unternehmerische Entscheidungen, die heute getroffen werden, bestimmen deshalb über Jahrzehnte die Möglichkeiten eines Schiffes. „Entscheidungen in Konzepten und Planung prägen zwangsläufig die nächsten 30 Jahre“, machte Müller deutlich. Gerade Veränderungen bei Energieversorgung, Regulierung und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stellten die Branche damit vor besondere Herausforderungen.
Neue Technologien für mehr Nachhaltigkeit
Einen Schwerpunkt des Austausches bildete deshalb die Frage, wie sich Kreuzfahrt und Umweltschutz stärker miteinander verbinden lassen. AIDA setzt nach Angaben Müllers dabei auf unterschiedliche technologische Ansätze. Neben dem Einsatz von Bio-LNG beschäftigt sich das Unternehmen mit E-Fuels und entsprechenden Kooperationen mit Raffinerien. Beim Manövrieren und Ablegen können zudem elektrische Komponenten des Antriebskonzepts eingesetzt werden.
Nachhaltigkeit beschränkt sich dabei nicht auf den Schiffsantrieb. Auch Abfall- und Wasserkreisläufe spielen im Betrieb eine wesentliche Rolle. Auf der AIDAnova fallen täglich fünf bis sechs Tonnen Abfall an. Teile davon werden an Bord verarbeitet; nach Angaben des Unternehmens können auf diese Weise mehr als 50 Prozent des Abfalls einer weiteren Verwertung zugeführt werden. Abwasser wird mithilfe eines Bioreaktors und UV-Licht aufbereitet. Auch bei der Ausstattung des Schiffes versucht das Unternehmen, Nutzungszyklen zu verlängern: Ausgemusterte Möbel und Teppiche werden nach Angaben von AIDA für eine weitere Verwendung gespendet.
Damit wurde zugleich deutlich, was Müller mit seinem Leitgedanken des Hafengesprächs verband: Wer über Kreuzfahrt spreche, müsse auch über Verantwortung sprechen. Wirtschaftlicher Erfolg, technologische Entwicklung und der Umgang mit Ressourcen seien bei Investitionen, die über mehrere Jahrzehnte Bestand haben, nicht voneinander zu trennen.
Einblicke von der Brücke
Wie komplex der Betrieb eines solchen Schiffes ist, konnten die Teilnehmer anschließend unmittelbar erleben. Auf der Brücke der AIDAnova erläuterte Kapitän Miklitza technische Einrichtungen und Abläufe und gab den Gästen einen Einblick in die Steuerung des Schiffes. Die Dimensionen werden auch bei der Antriebsleistung sichtbar: Sie liegt bei insgesamt rund 84.000 PS.
Der Besuch an Bord verband damit wirtschaftspolitischen Austausch mit einem unmittelbaren Blick hinter die Kulissen einer Branche, die für Hafenstandorte wie Kiel von besonderem Interesse ist. Zugleich zeigte das Hafengespräch, vor welcher Aufgabe die Kreuzfahrtwirtschaft steht: Investitionen müssen langfristig geplant werden, während sich technologische Möglichkeiten, Anforderungen an den Klimaschutz und wirtschaftliche Rahmenbedingungen wesentlich schneller verändern.
Zum Abschluss kamen die Teilnehmer bei einem gemeinsamen Essen an Bord noch einmal zum persönlichen Austausch zusammen.