„Wir verleihen den Maschinen Augen“

Wie behauptet sich ein deutsches Technologieunternehmen in einem zunehmend internationalen Wettbewerb – und welche Rolle spielen Innovation, künstliche Intelligenz und die Standortbedingungen in Deutschland? Bei einer Betriebsbesichtigung der Sektion Stormarn erhielten die Teilnehmer hierzu Einblicke in die Basler AG in Ahrensburg. Uwe Möllnitz, Sprecher der Sektion Stormarn, begrüßte gemeinsam mit Norbert Basler, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Basler AG, die Gäste zu einem Austausch über Unternehmensentwicklung, technologische Transformation und die Herausforderungen des Industriestandortes Deutschland.
Seit mehr als drei Jahrzehnten entwickelt Basler Lösungen für die industrielle Bildverarbeitung. Kameras, Objektive, Beleuchtung, Software und weitere Komponenten ermöglichen es Maschinen und automatisierten Systemen, ihre Umgebung visuell zu erfassen und die gewonnenen Informationen zu verarbeiten. Die Mission des Unternehmens sei dabei seit rund 30 Jahren unverändert, erläuterte Basler: „Wir verleihen dem Menschen, Roboter oder der Maschine den Sehsinn.“
Transformation als Teil der Unternehmensgeschichte
Basler beschrieb die Entwicklung des Unternehmens als kontinuierlichen Transformationsprozess. Dabei habe man versucht, die Philosophie eines Familienunternehmens mit den Strukturen eines börsennotierten Unternehmens zu verbinden. Krisen und Veränderungen des Marktes seien immer wieder zum Anlass genommen worden, Geschäftsmodelle und Strukturen weiterzuentwickeln.
Ein Beispiel sei die Dotcom-Krise gewesen. Damals stellte das Unternehmen ungenutzte Flächen am Standort Gründern und Start-ups zur Verfügung. Damit seien vorhandene Kapazitäten genutzt und zugleich junge Unternehmen für den Standort gewonnen worden. Heute beschäftigt Basler in Ahrensburg rund 820 Mitarbeiter. Gute Arbeitsbedingungen und ein attraktives Arbeitsumfeld seien wesentliche Voraussetzungen, um qualifizierte Fachkräfte gewinnen und langfristig halten zu können.
Die internationale Entwicklung des Unternehmens führte Basler auch auf die Fähigkeit zurück, sich frühzeitig auf veränderte Märkte einzustellen. Insbesondere Asien habe für das Geschäft erheblich an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig veränderten geopolitische Anforderungen die Nachfrage: Kunden verlangten zunehmend Lösungen, bei denen bestimmte Komponenten aus China oder den USA ausgeschlossen werden können. Dies zeige, dass technologische Leistungsfähigkeit und die Herkunft einzelner Komponenten für industrielle Lieferketten inzwischen gleichermaßen relevant seien.
Vom Maschinenbau zur künstlichen Intelligenz
Die Einsatzmöglichkeiten industrieller Bildverarbeitung sind vielfältig. Zu den Märkten von Basler gehören unter anderem Fabrikautomation, Medizintechnik und Life Science, Logistik, Halbleiterprüfung, Landwirtschaft und der öffentliche Personennahverkehr. Technologisch beschäftigt sich das Unternehmen unter anderem mit 3D-Sensorik, leistungsfähigen Schnittstellen und KI-basiertem Deep Learning. Automatische optische Inspektionssysteme kommen beispielsweise bei der Bestückung von Platinen sowie in der Automobilindustrie zur Kontrolle von Karosserien und Lackierungen zum Einsatz.
Auch künstliche Intelligenz gewinnt für das Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Für eigene KI-Anwendungen und Entwicklungen unterhält Basler ein KI-Rechenzentrum. Dieses wurde allerdings nicht am deutschen Unternehmenssitz, sondern im polnischen Krakau aufgebaut. Basler begründete diese Entscheidung mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen am Standort Ahrensburg und daraus resultierenden Wettbewerbsnachteilen gegenüber anderen Standorten. Forschung, eigene Patente und die Nutzung von Forschungszulagen seien zugleich wichtige Instrumente, um neue Anwendungen zu entwickeln und technologische Risiken zu begrenzen. Simulationen ermöglichten es, Systeme und Anwendungsszenarien frühzeitig zu erproben und Entwicklungskosten zu reduzieren.
Standort Deutschland unter Wettbewerbsdruck
Im Austausch mit den Teilnehmern richtete Basler den Blick schließlich auf die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Kritisch bewertete er insbesondere die Entwicklung der Ausbildungsqualität an Schulen und Hochschulen. Auch Arbeitsmarkt und Arbeitskultur müssten sich nach seiner Einschätzung stärker an die veränderten wirtschaftlichen und technologischen Bedingungen anpassen.
Die über Jahrzehnte gewachsene industrielle Stärke Deutschlands allein werde nicht ausreichen, um Wertschöpfung dauerhaft im Land zu halten. Der zunehmenden Verlagerung von Industrieanteilen ins Ausland müsse mit besseren Rahmenbedingungen für Unternehmen, Innovation und qualifizierte Beschäftigung begegnet werden.
Wie Komponenten industrieller Bildverarbeitung hergestellt werden, konnten die Teilnehmer anschließend bei einer Führung durch das Unternehmen erleben. Der Rundgang durch die Produktion vermittelte einen unmittelbaren Eindruck davon, wie Kameratechnik, Sensorik und Software zusammenspielen – und machte anschaulich, was hinter dem Leitgedanken des Unternehmens steht: Maschinen das Sehen zu ermöglichen.