„Wir wollen mit dem Clean Energy Valley die Early-Birds sein“

Diskussionsveranstaltung der Sektion Neumünster mit Iris Meyer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsagentur Neumünster GmbH

Der Wirtschaftsrat Schleswig-Holstein lud Mitglieder und Gäste
zur Diskussion über die wirtschaftliche Zukunft Neumünsters ein. Holger
Bajorat
, Sprecher der Sektion Neumünster und langjähriger Bürgermeister der
Gemeinde Stolpe, kennt die Themen, die sowohl die Bürger als auch die
Unternehmer in Neumünster umtreiben. Nachdem er diese kurz umrissen hatte,
übergab er das Wort an Iris Meyer.

Die Geschäftsführerin der Wirtschaftsagentur Neumünster GmbH
ist seit über 13 Jahren im Amt. Sie weiß, was Neumünster kann – und was es
können wird. Aktuell sehe man die Stadt im Mittelpunkt Schleswig-Holsteins als
Logistik-Drehkreuz des Landes und als Anlaufstelle für Veranstaltungen und
Messen. Ein Zukunftsfeld aber sei die Energiewirtschaft: „Das Future Fuels
Cluster Neumünster stärkt durch emissionsfreie Logistik nicht nur den Standort
Neumünster, sondern das gesamte Bundesland“, so Meyer. Wasserstoff gilt hier
als Zukunftstechnologie, darin waren sich die Teilnehmer aus Wirtschaft und
Wissenschaft einig. Bei der Umsetzungskraft hat ganz Europa gegenüber
Neumünster das Nachsehen, denn hier sind nicht nur mehrere Wasserstoff-LKWs im
Einsatz; der Heimatort der größten Wasserstoff-Tankstelle des Kontinents heißt
Neumünster. „Eine Region im Wandel“, so beschreibt es Meyer.

In diesem Kontext scheint das Clean Energy Valley die
perfekte Ergänzung zu sein. Entlang von Brunsbüttel, Neumünster, Kiel und Heide
entsteht die Vorzeigeregion für erneuerbare Energie, nachhaltige Transformation
und grüne Industrie. Diese Standortfaktoren hat auch die Infener AG erkannt und
ein Konzept für die Region mit Star-Architekt Hadi Tahrani entwickelt. Bei
allen Beteiligten zeigt sich Zuversicht und Innovationsgeist: „Wir wollen die
Early Birds sein“, bekräftigt Meyer.

Dass andere Bereiche größere Probleme bereiten, zeigt die
Hochschulsituation in Neumünster. Der zuletzt gekündigte Pflege-Studiengang der
Fachhochschule Kiel beweist einmal mehr, dass die Stadt trotz des großen
Potenzials für junge Menschen unattraktiv bleibt. „Es gibt viele unterschiedliche
Meinungen zu diesem Thema“, ergänzte Peter Kessler, Politikberater des Landes
Schleswig-Holstein. Vieles sei in Arbeit, Ideen, Engagement und
Social-Media-Kampagnen seien vorhanden – dennoch: Die Hochschulanbindung in
Neumünster bleibt ein Problem, das bis auf Weiteres besteht.

Was kommt zuerst, die Hochschulen oder die Industrie? Wie
gestaltet man Gewerbeverdichtung, Revitalisierungs- und Reaktivierungsprozesse
in der Umgebung? Diese und weitere Themen wurden im Anschluss in einer
lebhaften Debatte diskutiert.