KI in Akut , Vorsorge und Reha Kliniken

Chancen, Herausforderungen und politische Handlungsbedarfe

 

KI in Akut‑, Vorsorge‑ und Reha‑Kliniken – Chancen,
Herausforderungen und politische Handlungsbedarfe

Wie kann Künstliche Intelligenz dazu beitragen, die
medizinische Versorgung in Thüringen auch künftig leistungsfähig,
wirtschaftlich tragfähig und patientennah zu gestalten? Mit dieser Frage
beschäftigte sich die LAG Krankenhäuser/Reha des Wirtschaftsrates Thüringen
in ihrer jüngsten Sitzung. Im Mittelpunkt standen die praktischen
Einsatzmöglichkeiten von KI, die wirtschaftlichen Effekte für
Kliniken sowie die politischen Rahmenbedingungen, die für eine
erfolgreiche Implementierung notwendig sind.

Fachkräftemangel, steigende Kosten, wachsende
Anforderungen – Kliniken stehen unter Druck

Die Ausgangslage ist herausfordernd: 

Bis 2035 scheiden bundesweit rund 300.000 Beschäftigte aus dem
Gesundheitswesen altersbedingt aus. Gleichzeitig steigen Personal‑, Energie‑
und Dokumentationskosten kontinuierlich. Viele Kliniken arbeiten zudem mit Medienbrüchen
zwischen KIS, PVS und Reha‑Systemen – ein strukturelles Effizienzproblem, das
Zeit, Qualität und Ressourcen kostet.

Trotz dieser Lage nutzen bislang nur 18 % der Kliniken
KI‑gestützte Anwendungen. Dabei befürworten 71 % der Patientinnen und
Patienten den Einsatz von KI im Gesundheitswesen – ein klares Signal für
Akzeptanz und Erwartungshaltung.

KI als Entlastungsfaktor: messbare Effizienzgewinne
und Qualitätsvorteile

Die vorgestellten Praxisbeispiele zeigten deutlich, dass KI
in Kliniken keine Zukunftsvision, sondern bereits heute produktiv
einsetzbar ist:

 

  • 20 %
    weniger Dokumentationsaufwand – wie das Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf
    seit 2024 belegt.
  • 130
    Stunden Zeitgewinn pro Jahr und Mitarbeitendem in ärztlichen und
    pflegerischen Bereichen.
  • 285.000 €
    Kapazitätswert pro Jahr in einer mittelgroßen Klinik (10 Ärzte, 30
    Pflege/Therapie).
  • 1,4
    Mio. € Kapazitätswert in größeren Häusern (50 Ärzte, 150
    Pflege/Therapie).

 

Neben Effizienzgewinnen bietet KI deutliche Qualitätsvorteile

automatisierte Arztbrief‑Entwürfe, Plausibilitätsprüfungen in der Abrechnung,
KI‑gestützte Patientenkommunikation, Prognosen im Belegungsmanagement sowie
digitale Wissensdatenbanken, die Unternehmenswissen sichern und Mitarbeitende
entlasten.

 

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Herausforderungen: Datenschutz, fehlende Strategien
und Schatten‑KI

In der Diskussion wurde klar, dass der Nutzen von KI nur
dann voll ausgeschöpft werden kann, wenn Kliniken strukturelle Voraussetzungen
schaffen. Kritisch bewertet wurden:

 

  • fehlende
    KI‑Strategien in vielen Häusern
  • Datenschutz‑
    und Compliance‑Unsicherheiten (DSGVO, EU AI Act)
  • Schatten‑KI
    durch Mitarbeitende mangels offizieller Lösungen
  • mangelnde
    Integration in bestehende Systeme
  • Akzeptanzprobleme
    im Personal

 

Die Teilnehmenden betonten, dass KI nicht als isoliertes
Tool, sondern als neues Betriebssystem klinischer Arbeit verstanden
werden müsse.

Handlungsempfehlungen für Kliniken

Die LAG formulierte zentrale Schritte für eine erfolgreiche
Einführung:

 

  1. Entwicklung
    einer KI‑Strategie mit klaren Zielen und Governance.
  1. Einrichtung
    einer KI‑Richtlinie zur sicheren und rechtskonformen Nutzung.
  1. Priorisierung
    von Use Cases nach Nutzen und Umsetzbarkeit.
  1. Qualifizierung
    der Mitarbeitenden für den Umgang mit KI‑Werkzeugen.
  1. Aufbau
    einer Wissensdatenbank (RAG‑basiert) zur Sicherung von Know‑how.
  1. Integration
    von KI‑Assistenten in den klinischen Alltag.

 

 

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Politische Schlussfolgerungen des Wirtschaftsrates

Für den Wirtschaftsrat ist klar: 

Eine moderne, leistungsfähige Gesundheitsversorgung braucht digitale und
wirtschaftlich tragfähige Strukturen. KI kann einen entscheidenden Beitrag
leisten – aber nur, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen.

Die LAG fordert daher:

 

  • Rechtssicherheit beim Einsatz von KI in
    Kliniken

  • Refinanzierbare Investitionen in digitale
    Infrastruktur

  • Abbau bürokratischer Hürden

  • Förderung von Innovationen, die Versorgung
    und Wirtschaftlichkeit stärken

 

KI‑Projekte amortisieren sich häufig bereits nach 12–18 Monaten. Politik und Verwaltung sollten diese
Potenziale aktiv unterstützen, statt durch Unsicherheiten oder Überregulierung auszubremsen.

Der Wirtschaftsrat dankt allen Teilnehmenden für die engagierte Diskussion und den wertvollen fachlichen
Austausch. Ein besonderer Dank gilt Herrn Christof Schmid, Redner und Berater
für KI-Technologie; Leiter der CommTech Academy für seine Einführung in die
Thematik und die Moderation der Diskussion