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07.05.2026
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Gesundheitswirtschaft im Spannungsfeld von Kosten, Innovation und Digitalisierung

©Jens Schicke

Im Rahmen des Wirtschaftstags 2025 fand der Power-Talk „Gesundheitswirtschaft im Spannungsfeld von Kosten, Innovation und Digitalisierung“ statt. Hochrangige Vertreter des Gesundheitswesens diskutierten unter der Moderation von Dr. Florian Reuther, Verband der Privaten Krankenversicherung e.V., über zentrale Zukunftsfragen. Zu den Teilnehmern zählten Dr. Florian Hartge (gematik GmbH), Dr. Remo Gujer (Bristol Myers Squibb GmbH & Co. KGaA), Médard Schoenmaeckers (Boehringer Ingelheim Deutschland GmbH) sowie Dr. Manuel Nothelfer (Wellster Healthtech Group GmbH).

Im Fokus der Diskussion standen die Herausforderungen und Chancen von Innovation und Digitalisierung im Gesundheitswesen – insbesondere vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Ressourcen. Einigkeit bestand darüber, dass die Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) dringend erforderlich ist. Gleichzeitig wurden auch kritische Stimmen laut.

Die Teilnehmer betonten, dass das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vor allem eine kurzfristige Entlastung darstelle. Insbesondere in der Pharmabranche könne es jedoch innovationshemmend wirken. Weitere Einsparungen in diesem Bereich könnten dazu führen, dass Deutschland künftig langsamer von medizinischen Fortschritten profitiert. Zudem wurde angeregt, das Thema (digitale) Patientensteuerung stärker im Gesetz zu verankern, da hier erhebliche Effizienzpotenziale liegen. Schätzungen zufolge könnten bis zu 3.800 von 10.000 Arztterminen durch digitale Triage- und Ersteinschätzungssysteme vermieden werden.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die wirtschaftliche Bewertung von Innovationen. Es wurde hervorgehoben, dass nicht jede neue Technologie automatisch zu Kostensenkungen führt.

Vielmehr müsse gezielt in solche Innovationen investiert werden, die sowohl medizinischen Nutzen als auch wirtschaftliche Effizienz bieten. Als positives Beispiel wurde das E-Rezept genannt, das durch die Ablösung papierbasierter Prozesse bereits Einsparungen ermöglicht hat.

Einigkeit bestand auch darüber, dass die Einführung einer digitalen Identität zügig und unbürokratisch erfolgen sollte. Sie gilt als wichtiger Baustein, um administrative Prozesse zu vereinfachen und dadurch spürbare Entlastungen im Gesundheitswesen zu erreichen.

Der Wirtschaftsrat wird sich auch weiterhin aktiv in den Reformprozess einbringen und sich konsequent für mehr Effizienz im Gesundheitssystem sowie gegen zusätzliche Belastungen auf der Einnahmeseite – etwa durch eine Anhebung der Beitragsbemessungs- oder Versicherungspflichtgrenze – einsetzen.