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08.05.2026
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Power-Talk-Session: Energiepolitik für mehr Wettbewerbsfähigkeit: Systemeffizienz steigern, Flexibilität nutzen, Netze synchronisieren

©Jens Schicke

Die Power Session 1 diskutierte am 5. Mai von 14:00 bis 15:00 Uhr mit Dr. Klaus Wiener, Mitglied des Bundestags und Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss für Wirtschaft und Energie, Eddy Henning, Mitglied des Vorstands der ING-DiBa AG, Danielle Jarski, Global COO der Iberdrola Energia Internacional, Nikolaus Valerius, Vorsitzender des Vorstands der RWE Generation SE und Patrick Lammers, CEO bei Skyborn Renewables über die Steigerung von Systemeffizienz, Synchronisation der Netze und Flexibilitäten. Moderiert wurde das Panel von Stephan Frense, CEO der ARGE Netz GmbH & Co. KG. Der Tenor der Debatte war, Gaskraftwerke umzurüsten, die Netze effizient auszubauen, Genehmigungen zu reduzieren und die Energiewende auf EU-Ebene voranzutreiben.

Klaus Wiener eröffnete das Panel mit einem ernüchternden Hinweis auf die unzureichende Wettbewerbsfähigkeit und das fehlende Wirtschaftswachstum in Deutschland: „Wir wachsen im Trend um 0,3 Prozent.” In einem Vergleich zu den USA wies Wiener daraufhin, dass Deutschland 232 Jahre benötige, um das Vermögen zu verdoppeln, während die USA nur 29 Jahre bräuchten. Im Stromsystem gebe es allein 36 Milliarden Euro an jährlichen Systemkosten, unter anderem durch Redispatch und Netzentgelte. Ohne Änderungen befürchtet Wiener einen Anstieg auf 90 Milliarden Euro. Die Politik setze sich „sichere, saubere und bezahlbare Energie” zum Ziel. Allerdings merkte Wiener an, dass Planungssicherheit noch keine Kapital-Rendite garantiere.

Wiener reflektierte, dass Deutschland in den Kosten besser werden müsse, da Deutschland 499 Euro pro Megawatt in 2025 an das Ausland gezahlt hat, um Storm abzunehmen. Zukünftig müsse man das System profitabel machen und die Vorteile negativen Strompreise für Prosumer nutzen.

Als Bundestagsabgeordneter und Vertreter der Regierungspartei sprach Wiener wegweisende Maßnahmen an. Als kurzfristigen Hebel hat die Bundesregierung die Gasspeicherumlage beschlossen, die Netzentgelte reduziert, die Strompreiskompensation ausgeweitet und den Industriestrompreis auf den Weg gebracht. Ein Wasserstoffbeschleunigungsgesetz wurde beschlossen und das Gebäudemodernisierungsgesetz kommt. Außerdem wies Wiener auf die Kraftwerkstrategie der Bundesregierung hin: „Wir werden die Erneuerbaren weiter ausbauen, aber wir brauchen Gaskraftwerke zur Ergänzung.” Gleichzeitig merkte Wiener an, dass es keine Kraftwerkstrategie brauche, um Batteriespeicher auszubauen. Deutschland müsse nun in die Umsetzung gehen. Langfristig sieht Wiener die Zukunft in den erneuerbaren Energien und sprach sich explizit gegen Kernkraftwerke aus. Die Kernfusion könne eine Option sein, um langfristig wettbewerbsfähige Energiepreise zu garantieren. 

Danielle Jarski wies daraufhin, dass Iberdrola Energia Internacional als größter Aufsee-Windenergieanlagenbetreiber circa vier Milliarden Euro Investitionen in Deutschland in beispielsweise Offshore-Anlagen bei Rügen aber auch Solarparks getätigt hat. Aus ihrer Sicht brauche es nicht zwingend Planungssicherheit über 20 Jahre, wohl aber Risikominimierung bei den aktuellen Rahmenbedingungen für ein Projekt und insbesondere schnellere Planung- und Genehmigungszeiten.

Als ein Erfolgsmodell sieht Jarski, staatlich voruntersuchte Meeresflächen zu nutzen. Die Voruntersuchungen im Rahmen der Ausarbeitung eines Flächenentwicklungsplans brächten mehr Planungssicherheit; Kostenminimierung und Wettbewerbsfähigkeit und damit größeres Vertrauen und Anreize für Investoren. Bislang würden ohne Voruntersuchungen 1/3 aller Projekte bei Aufseeanlagen abgebrochen.

Jarski sprach sich abschließend für einen Europäischen Kapitalmarkt aus, da Deutschland allein zu klein und komplex für große Kapitalanleger sei. Die Energiewende müsse dementsprechend größer und europäisch innerhalb einer “Sales and Investments Union” gedacht werden. 

Eddy Henning sprach die Rolle der Banken an, deren Aufgabe es sei, langfristige Investitionen zu finanzieren und Risiken zu minimieren. Er kritisierte zu enge Rahmenbedingungen und zu wenig Marktreife der Projekte: „Die Regeln, die wir uns aufsetzen, müssen marktfähig sein.”

Patrick Lammers wies auf die Bedeutung der Kosten hin und betonte, wie entscheidend es sei, die Systemkosten zu begrenzen. Genehmigungen müssten reduziert und über Einwände von NGOs, welche kostbare Zeit stehlen, schneller entschieden werden. Prozesse müssten standardisiert und die Industrialisierung in Europa vorangetrieben werden. Lammers merkte an, dass das meiste Kapital zur Finanzierung des Windenergieausbaus zwischenzeitlich aus dem Ausland kommt. Im Vergleich zu den USA brächte Deutschland weniger Rendite ein, aber stelle ein höheres Risiko dar. Lammers betonte, Deutschland müsse hier nachziehen, denn „Energie ist Kapital” 

Nikolaus Valerius stimmte Lammers zu, die Gesamtkosten des Systems zu reduzieren. Es brauche eine drastische Kostenreduktion, Systemeffizienz und Digitalisierung beim Netzausbau. Beim Netzausbau gelte es, den Ausbau mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien zu synchronisieren. Überlandleitungen seien im Vergleich zu Unterlandleitungen schneller und günstiger zu bauen sowie besser instand zu halten. Um langfristig die Versorgung zu sichern, brauche es eine Wasserstoffoffensive und eine effiziente Umrüstung der Gaskraftwerke: „Kraftwerke müssen wasserstofffähig sein.”