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08.05.2026
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Power-Session: Mit Technologieoffenheit zur Wärmewende

©Jens Schicke

Im Rahmen des Wärmepanels diskutierten Frank Wetzel, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Dr. Hagen Lessing, CEO der ista SE, Frank Grewe, CTO der 2G Energy AG, Oliver Geer, Geschäftsführer der Brunata Metrona GmbH und Pierre-Alain Graf, CEO der G+E GETEC Holding GmbH über Wege zu einer klimafreundlichen Wärmeversorgung. Moderiert wurde das Panel von Monica Schulte Strathaus, Geschäftsführerin der EY Real Estate GmbH. Konsens in der Debatte war, eine technologische Dynamik bezüglich der Endgeräte zu entfachen, Effizienz zu steigern, vorhandene Daten zu nutzen und verlässliche Leitplanken von Seiten der Politik für die Wärmewende zu setzen. 

Staatssekretär Frank Wetzel hielt das Eingangsstatement und plädierte für Technologieneutralität und Entscheidungsfreiheit. Er kündigte an, die Förderung von Fernwärme und Geothermie zu optimieren und die Investitionsbedingungen für Kommunen zu verbessern. Gas sieht Wetzel als Übergangslösung. Wetzel setzte sich zum Ziel, einen „Flickenteppich“ bei den Rahmenbedingungen zu vermeiden. Seine Vision für Deutschland sei, ein “Ermöglicher und Gestalter zu sein”. Nichtsdestotrotz sieht Wetzel die Verantwortung für das richtige Energiesystem beim Hauseigentümer, während die Kommunen für das Angebot und den Anschluss, z.B. Fernwärme oder Gas, Verantwortung tragen müssen. 

Oliver Geer sprach den Betrieb von Heizungsanlagen an, welche oft nicht an das Nutzungsverhalten der Bewohner angepasst seien. Geer appellierte, das Nutzerverhalten intensiv zu analysieren und die Datenerhebungen zum Betrieb der Anlagen und zum Verbrauch intelligent zu nutzen: „Daten, die wir ohnehin schon haben, müssen wir intelligent nutzen.“ Er kritisierte, dass die vorhandenen Daten nicht miteinander kommunizieren, was Auswirkungen auf Vermieter und Mieter hat: “wir verbrennen Geld”. Geer forderte schnelle Verbesserungen im Bestand und eine Optimierung der Heizungssysteme durch die effiziente Nutzung von Verbrauchsdaten. Dazu sagte Geer: „Wir unterschätzen den Wert der Verbrauchsdaten.” Thermostate, so Geer, zeigen für einzelne Räume Einsparpotenziale. Die Potenziale der intelligenten Datennutzung beliefen sich nicht nur auf die Analyse des Verbrauchs, sondern auch auf Wege zur Effizienzsteigerung und sogar auf die Fragen, welches Wärmesystem sich in welcher Wohnung oder Haus am besten eignet, indem die Daten Auskünfte über Temperaturen und Energie-Auslastung geben. Geer mahnte abschließend, dass Wirtschaftlichkeit für die Wärmewende ein entscheidendes Thema sei. 

Pierre-Alain Graf fokussierte sich auf die politischen Regularien, welche die Wärmewende ausbremsen: „Die Wärmewende ist ein Uranus - es bewegt sich nur ganz langsam voran.” Für Graf bedeutet Technologieoffenheit, verschiedene Energiesysteme dort anzuwenden, wo sie passen, und so ein Zusammenspiel aus Wärmepumpe, Gas, Biogas und Fernwärme zuzulassen. Er forderte von der Politik Planungssicherheit und regulatorische Stabilität. 

Dr. Hagen Lessing eröffnete sein Statement mit der Interoperabilität der Energiesektoren: „Man kann den Wärmemarkt nicht vom Stromsektor trennen.“ Lessing teilte die Chancen durch die Herstellung von KWK-Anlagen im Zusammenspiel mit der Wärmepumpe: „Die Kraftwärmekopplung ist gelebte Sektoren-Kopplung und ergänzt die Wärmepumpe. Es ist ein sowohl als auch.” Lessing beschrieb, dass KWK-Anlagen im Zusammenspiel mit der Wärmepumpe nicht nur aktiv zur Dekarbonisierung und weniger CO2-Ausstößen beitragen, sondern auch zur Infrastruktursicherheit führen und die Netze entlasten. Durch ihre dezentralen Strukturen hätten die KWK-Anlagen eine geringere Angreifbarkeit. Außerdem werde ein geringerer Netzausbau benötigt. Aufgrund der Anstiege im Big-Tech-Bereich und bei Datenzentren wird der Strombedarf weiter steigen. In KWK-Anlagen sieht Lessing ein „hohes Potenzial“, den Bedarf nicht nur zu decken, sondern auch effizient zu gestalten: „Wenn schon Moleküle verbrannt werden, dann bitte effizient.”

Frank Grewe wies eingangs auf die Umrüstungskosten beim Wechsel zur Wärmepumpe hin. Es fehle bei den Nutzern an Wissen, welches Energiesystem das Beste ist für ihr Haus sei. Diese könne zu Verunsicherung in der Bevölkerung und Angst vor einem finanziell teuren Umbau führen. Ähnlich wie Geer argumentierte Grewe: „Daten sind da, wir müssen sie nur nutzen”. Grewe plädierte für Förderprogramme für den Wechsel der Energiesysteme. Ebenfalls forderte Grewe eine Reform des ETS-Systems und der CO2-Steuer, damit erneuerbare Energien attraktiver werden.