Sicherheit in der digitalen Zeitenwende
Die digitale Transformation hat eine neue sicherheitspolitische Realität geschaffen: Cybersicherheit ist längst mehr als ein IT-Thema – sie ist zentral für die Stabilität von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Auf dem Panel „Sicherheit in der digitalen Zeitenwende“ wurde deutlich, dass Deutschland vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen steht, aber zugleich erhebliche Chancen ungenutzt lässt.
Marc Henrichmann MdB, Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums und Mitglied der CDU/CSU Bundestagsfraktion, betonte, dass Cyberangriffe heute Teil hybrider Bedrohungen sind, die darauf abzielten, Vertrauen in staatliche Handlungsfähigkeit zu untergraben. Es gehe nicht mehr nur um den Schutz einzelner Systeme, sondern um die Resilienz der gesamten Gesellschaft. Voraussetzung dafür sei ein engeres Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft – ein Bereich, in dem Deutschland im internationalen Vergleich noch Nachholbedarf habe.
Besonders deutlich zeigen sich die Defizite auf kommunaler Ebene. Tim Brauckmüller, Geschäftsführer der Aconium GmbH, machte klar, dass viele Kommunen auf Cyberangriffe unzureichend vorbereitet sind. Im Ernstfall stehen nicht nur IT-Systeme, sondern grundlegende Versorgungsstrukturen wie Energie, Wasser oder Kommunikation auf dem Spiel. Gleichzeitig gerät auch der Mittelstand zunehmend unter Druck. Steigende Schadenssummen und fehlende Ressourcen erschweren es insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen, angemessen auf die Bedrohungslage zu reagieren. Hier seien automatisierte Sicherheitslösungen, stärkere Unterstützung durch Dienstleister und neue Förderansätze notwendig, wie Jan Patrick Schlögell, General Manger DACH, N-able International B.V., hervorhob.
Ein weiteres Spannungsfeld liegt in der Frage der digitalen Souveränität. Der Wunsch nach europäischen Lösungen steht im Kontrast zu globalen Realitäten. Christian Vogt, General Manager EMEA North von Fortinet, verwies darauf, dass insbesondere die USA deutlich höhere Investitionen in Cybersicherheit tätigen, was Europa strukturell zurückwirft. Gleichzeitig bremsen langwierige Genehmigungs- und Verwaltungsprozesse notwendige Fortschritte zusätzlich aus.
Einigkeit bestand darüber, dass Geschwindigkeit, klare Zuständigkeiten und pragmatische Entscheidungen künftig entscheidend sind. Ebenso wichtig bleibt der Faktor Mensch: Viele Angriffe beginnen weiterhin mit einfachen Täuschungsversuchen, weshalb Sensibilisierung und Ausbildung eine zentrale Rolle spielen. Langfristig wird auch die Förderung digitaler Kompetenzen – etwa durch stärkere Verankerung von Informatik und KI in der Bildung – zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
Das Fazit des Panels ist eindeutig: Deutschland verfügt über die notwendigen Ressourcen und Kompetenzen, um Cybersicherheit nicht nur als Risiko, sondern auch als wirtschaftliche Chance zu begreifen. Entscheidend wird jedoch sein, ob es gelingt, bestehende Strukturen zu überwinden und schneller ins Handeln zu kommen.