Zwischen Versorgungssicherheit und Regulierung: Rohstoffbranche unter Druck
Dieses Jahr stellte der Wirtschaftstag erstmals auch das Thema der Rohstoffindustrie und -versorgung in den Fokus. Volker Backs, Geschäftsführer der Speira GmbH, moderierte den Power-Talk zu den Herausforderungen der Branche, welcher auf großes Interesse von Seiten des Publikums stieß.
Günther Oettinger, ehemaliger EU-Kommissar, betonte in seinem Impuls die Rolle Europas für die Versorgungssicherheit: Zukunft müsse europäisch gedacht, Bürokratie abgebaut und Marktmacht konsequenter genutzt werden, um Abhängigkeiten zu verringern.
Dr. Andreas Lützerath, Technischer Vorstand der TRIMET SE, kritisierte EU-Regeln wie den CBAM als derzeit unzureichend. Zusätzlich belasteten nationale Unsicherheiten – etwa bei Strompreiskompensation und Netzentgelten – die energieintensive Industrie.
Dr. Erik Eschen, Geschäftsführer der Vacuumschmelze GmbH & Co. KG, hob hervor, wie wichtig eine diversifizierte Versorgung mit Seltenen Erden ist – auch angesichts der dominanten Rolle Chinas.
Matthias Rüth, Geschäftsführer der TRADIUM GmbH, forderte mehr Eigenverantwortung der Unternehmen und langfristige Strategien. Versorgungssicherheit sei wichtiger als günstige Preise. Zugleich kritisierte er Widersprüche zwischen dem Critical Raw Materials Act der EU und neuen steuerlichen Regelungen in Deutschland, die Lagerhaltung verteuern. Demnach sei mit dem 9. April eine Regelung (GZ: III C 3 – S 7157-a/00005/001/052) aus dem Bundesfinanzministerium in Kraft getreten, welche durch eine zusätzliche Steuererhebung zu starken Wettbewerbsnachteilen für die Lagerhaltung von kritischen Rohstoffen führt.
Auch Andreas Kroll, Geschäftsführer der Noble Elements GmbH, warnte vor Wettbewerbsnachteilen durch die neue Besteuerung und einer Abwanderung von Lagerkapazitäten ins Ausland. Die im April beschlossene Änderung bezeichnete er als „Katastrophe“.
Mit Blick auf die Energieversorgung der energieintensiven Rohstoffindustrie verwies Thomas Forner, Mitgründer der Focused Energy GmbH, auf Fortschritte in der Fusionstechnologie: Strom aus Fusionskraftwerken könnte bereits in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre Realität werden – vorausgesetzt, Investitionen und politischer Mut halten Schritt.