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15.01.2026
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Bürokratieabbau in den Krankenhäusern – Mehr Zeit für Patienten

©Adobe Stock (Viktor)

Die Krankenhausversorgung in Deutschland steht unter enormem Druck. Neben dem Fachkräftemangel und dem demografischen Wandel ist es vor allem die wachsende Bürokratie, die die Gesundheitsversorgung zunehmend belastet. Ärzte, Pflegekräfte und Verwaltungspersonal verbringen täglich mehrere Stunden mit Dokumentationspflichten, Prüfungen und Nachweisen, die wertvolle Zeit kosten und von der eigentlichen Patientenversorgung abziehen. Der Wirtschaftsrat warnt, dass dieser bürokratische Overload nicht nur die Effizienz der Kliniken beeinträchtigt, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des Systems gefährdet. Um die Versorgungsqualität auch in Zukunft aufrechtzuerhalten, ist ein entschlossener Bürokratieabbau unerlässlich.

Vereinfachung und Digitalisierung von Nachweispflichten

Ein zentrales Anliegen des Wirtschaftsrates ist die Vereinfachung und Digitalisierung der Nachweispflichten. In vielen Bereichen müssen Krankenhäuser die gleichen Informationen mehrfach in unterschiedlichen Formaten an verschiedene Institutionen übermitteln. Diese redundanten Anforderungen führen zu erheblichen Zeit- und Ressourcenverlusten. Die Lösung liegt in einer digitalen Plattform, die es ermöglicht, Nachweise standardisiert und zentral zu übermitteln. 

Darüber hinaus sollten routinemäßige Daten aus Krankenhausinformationssystemen genutzt werden, um Doppelarbeit zu vermeiden. Künftig sollten Nachweise nur dann angefordert werden, wenn es berechtigte Zweifel an deren Richtigkeit gibt. Diese Maßnahmen würden die administrativen Belastungen erheblich reduzieren und dem Klinikpersonal mehr Zeit für die eigentliche Patientenversorgung verschaffen.

Bürokratiefolgenabschätzungen und praxisorientierte Gesetzgebung

Der Wirtschaftsrat fordert, dass jede neue gesetzliche Regelung einer sorgfältigen Bürokratiefolgenabschätzung unterzogen wird, die nicht nur die formalen Aspekte, sondern auch die tatsächlichen Auswirkungen auf die Krankenhäuser berücksichtigt. Oft führen neue Vorschriften zu einem unverhältnismäßigen Mehraufwand. Hier bedarf es einer praxisnahen Gesetzgebung, die in enger Zusammenarbeit mit den Kliniken entwickelt wird. Der Normenkontrollrat, der derzeit die Bürokratiefolgen prüft, sollte personell gestärkt und um Experten aus der klinischen Praxis ergänzt werden. Jede neue Vorschrift sollte so gestaltet sein, dass sie in der Realität der Krankenhäuser auch tatsächlich umsetzbar ist, ohne unnötigen bürokratischen Aufwand zu erzeugen.

Praxisnahe Qualitätssicherung

Ein weiteres zentrales Thema ist die Qualitätssicherung, die in der Praxis oft zu einem bürokratischen Instrument geworden ist. Statt immer neue Daten zu erheben, sollten verstärkt Routinedaten oder externe Register genutzt werden, um Qualitätsindikatoren zu überprüfen. Der Wirtschaftsrat fordert, dass die Qualitätssicherung stärker auf die tat-sächliche Verbesserung der Versorgung ausgerichtet wird, anstatt sich nur auf formale Dokumentationen zu konzentrieren. Qualitätssicherung sollte zu einem lernenden System werden, das direkt den Patienten zugutekommt und nicht als reines Kontrollinstrument fungiert. Statt umfangreicher Stellungnahmen sollten Qualitätsindikatoren als Aufgreifkriterien dienen, die eine fachliche Begutachtung nach sich ziehen.

Entlastung bei Personalnachweisen

Auch im Bereich der Personalnachweise sieht der Wirtschaftsrat erheblichen Bürokratieabbau-Potenzial. Die Anforderungen an die Personalnachweise, insbesondere in der Psychiatrie und im Bereich der Pflegepersonaluntergrenzen, sind unverhältnismäßig hoch und verursachen enormen Aufwand. Hier fordert der Wirtschaftsrat die Abschaffung redundanter Nachweise und die Einführung einer praxisgerechten Personalbemessung. Die Einführung der PPR 2.0 bietet die Möglichkeit, eine bedarfsorientierte Personalplanung einzuführen, die sowohl die Klinikabläufe entlastet als auch den Personal-bedarf realistisch abbildet. Dies würde nicht nur die Arbeitsbelastung der Klinikmitarbeiter verringern, sondern auch die Attraktivität der Berufe im Gesundheitswesen steigern.

Vereinfachung der Abrechnung und Krankenhausfinanzierung

Die Abrechnung im Krankenhauswesen ist ein weiterer Bereich, in dem der Wirtschaftsrat Vereinfachungen fordert. Derzeit müssen Krankenhäuser viele verschiedene Standards parallel bedienen, was den Abrechnungsprozess unnötig kompliziert und zeitaufwendig macht. Der Wirtschaftsrat schlägt vor, die Abrechnung vollständig zu digitalisieren und auf einheitliche Standards umzustellen, um den administrativen Aufwand zu reduzieren und gleichzeitig die Zahlungsgeschwindigkeit zu erhöhen. 

Darüber hinaus fordert der Wirtschaftsrat, dass die Krankenhausfinanzierung transparenter und unbürokratischer gestaltet wird. Statt zweckgebundener Zuschüsse sollte eine pauschale Refinanzierung eingeführt werden, die den Kliniken eine bessere Planungssicherheit und mehr Freiraum für die Patientenversorgung ermöglicht.

Optimierung von Prüfungen und Aufsicht

Die Vielzahl an Prüfungen durch verschiedene Institutionen wie den Medizinischen Dienst und Aufsichtsbehörden führt zu einer Überlastung der Krankenhäuser, ohne die Versorgungsqualität zu verbessern. Der Wirtschaftsrat fordert daher, Prüfungen zu bündeln und auf ein einheitliches System umzustellen, um Redundanzen zu vermeiden. Prüfungen sollten klar koordiniert werden, um sicherzustellen, dass keine Doppelarbeit entsteht und alle Prüfungen effizienter durchgeführt werden können. Zudem sollten die Prüfverfahren durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz unterstützt werden, sodass Standardfälle automatisch geprüft werden können und nur auffällige Fälle einer intensiveren Überprüfung unterzogen werden.

Ziel ist: Bürokratie abbauen, ohne Qualität zu verlieren

Der Wirtschaftsrat betont, dass Bürokratieabbau nicht gleichbedeutend mit einem Verlust an Versorgungsqualität ist. Vielmehr wird Bürokratieabbau als Schlüssel gesehen, um mehr Ressourcen für die eigentliche Patientenversorgung freizusetzen und die Wirtschaftlichkeit der Kliniken zu sichern. Digitale Abrechnungssysteme, vereinfachte Vertragsstrukturen und ein effizienteres Prüf- und Nachweissystem würden die Arbeitsbelastung erheblich verringern und gleichzeitig die Qualität der Patientenversorgung aufrechterhalten. 

Der Wirtschaftsrat fordert die Politik daher auf, Bürokratie abzubauen, Prozesse zu vereinheitlichen und die tatsächliche Praxis der Krankenhäuser wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Nur so kann die Attraktivität des Gesundheitsberufs gesteigert und eine zukunftsfähige und nachhaltige Krankenhausversorgung gewährleistet werden.