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18.12.2025
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Bürokratieabbau in der Pflege ist Voraussetzung für Versorgungssicherheit

©Adobe Stock (Megaflopp)

Die pflegerische Versorgung in Deutschland steht unter massivem Druck. Fachkräftemangel, demografischer Wandel und steigende Kosten treffen auf eine über Jahre gewachsene Bürokratie, die Pflegekräfte und Einrichtungen zunehmend lähmt. Der Wirtschaftsrat warnt: Wenn Pflegekräfte weiterhin einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation, Prüfungen und Verwaltungsverfahren verbringen, statt Menschen zu versorgen, wird die Versorgungssicherheit nachhaltig gefährdet. Ein umfassender Bürokratieabbau ist daher kein Selbstzweck, sondern eine zentrale Voraussetzung für eine zukunftsfähige Pflege.

Die Realität in den Einrichtungen zeigt deutlich, dass kleinteilige Regelungen, uneinheitliche Verfahren und überbordende Nachweispflichten wertvolle Ressourcen binden. Besonders kleinere Träger geraten dadurch wirtschaftlich unter Druck. Effizienzgewinne lassen sich nur erzielen, wenn bestehende Pflichten tatsächlich abgeschafft und nicht durch neue Berichtspflichten ersetzt werden. Der Wirtschaftsrat fordert daher einen konsequenten, strukturellen Bürokratieabbau mit klarem Fokus auf Versorgung, Qualität und Wirtschaftlichkeit.

Einheitliche und digitale Strukturen statt Verhandlungschaos

Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Vereinheitlichung der Vergütungs- und Vertragsstrukturen in der Pflege. Heute führen parallele Systeme der Lohnfindung, unterschiedliche Anforderungen der Pflegekassen und langwierige Pflegesatzverhandlungen zu erheblichem administrativem Aufwand und Verzögerungen. Der Wirtschaftsrat spricht sich für bundesweit einheitliche Regelungen aus, die Rechtssicherheit schaffen und Verfahren deutlich beschleunigen.

Digitale, standardisierte Verhandlungsprozesse mit klaren Fristen müssen zum Regelfall werden. Nachweise sollten nur dann eingefordert werden, wenn begründete Zweifel an der Plausibilität bestehen. Dadurch bleiben Kontrollrechte erhalten, ohne die Einrichtungen unnötig zu belasten. Ziel ist es, Liquidität zu sichern und Planungssicherheit herzustellen – insbesondere in einer Phase, in der viele Pflegeanbieter wirtschaftlich stark angespannt sind.

Schnellere Hilfe zur Pflege und verlässliche Finanzierung

Auch die Verfahren zur Hilfe zur Pflege sind bislang zu langsam, zu komplex und zu uneinheitlich. Verzögerte Bescheide gefährden die Liquidität der Pflegeeinrichtungen und verschärfen die Versorgungslage. Der Wirtschaftsrat fordert daher digitale Antragsverfahren, verbindliche Bearbeitungsfristen und eine Zustimmungsfiktion bei Fristüberschreitung. Ergänzend müssen Vorschusszahlungen gesetzlich verankert werden, um Versorgungslücken zu vermeiden.

Der gezielte Einsatz von Digitalisierung und KI kann dabei helfen, unauffällige Anträge zügig zu bearbeiten und Behörden zu entlasten. So lassen sich Effizienz, Transparenz und Versorgungssicherheit gleichermaßen erhöhen.

Prüfungen bündeln und Qualität neu ausrichten

Pflegeeinrichtungen sehen sich einer Vielzahl von Prüfungen durch unterschiedliche Stellen ausgesetzt – oft mit redundanten Anforderungen und kurzfristigen Ankündigungen. Der Wirtschaftsrat fordert eine Bündelung der Prüfverfahren auf einen jährlichen, koordi-nierten Besuch sowie bundesweit einheitliche Prüfkataloge. Verlässliche Prüfzyklen schaffen Planungssicherheit und entlasten die Einrichtungen spürbar.

Zugleich muss sich die Qualitätsprüfung stärker an der Ergebnisqualität orientieren. Statt formaler Dokumentation sollten der Zustand, die Zufriedenheit und die tatsächliche Verbesserung für die Pflegebedürftigen im Mittelpunkt stehen. Weniger Bürokratie und mehr Fokus auf Wirkung erhöhen Akzeptanz und Qualität gleichermaßen.

Fachkräfte gewinnen statt Verfahren blockieren

Die Zuwanderung internationaler Pflegekräfte ist ein unverzichtbarer Bestandteil zur Sicherung der Versorgung. Der Wirtschaftsrat kritisiert jedoch langwierige Anerkennungs- und Visaverfahren sowie einen föderalen Flickenteppich an Zuständigkeiten. Einheitliche Standards, digitale Verfahren und eine Kompetenzvermutung für qualifizierte Fachkräfte sind notwendig, um Verfahren zu beschleunigen und Deutschland als Arbeitsstandort attraktiver zu machen.

Pflegekräfte müssen schneller in Beschäftigung kommen können – weitere Prüfungen können nachgelagert erfolgen, ohne den Versorgungsbetrieb zu gefährden.

Der Wirtschaftsrat macht deutlich: Bürokratieabbau ist kein Qualitätsverlust, sondern ein entscheidender Hebel für bessere Pflege. Digitale Abrechnung, vereinfachtes Vertragsrecht und entlastete Antragsverfahren schaffen Freiräume für das, worauf es an-kommt – gute Pflege für die Menschen und wirtschaftliche Stabilität für die Einrichtungen.

Die Politik ist aufgefordert, Bürokratie konsequent zurückzuschneiden, Verfahren zu vereinheitlichen und die Pflegepraxis wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Nur so lassen sich Attraktivität des Berufs, Versorgungssicherheit und Finanzierbarkeit langfristig gewährleisten.