CATCH – Wenn Bürokratie die Ernährungssicherheit gefährdet
Mit der Einführung des EU-Systems CATCH sollte alles besser werden: mehr Transparenz, mehr Rückverfolgbarkeit, mehr Sicherheit im internationalen Fischhandel. Die EU wollte die papierbasierten Prozesse bei Fangbescheinigungen, Verarbeitungserklärungen und Umladedokumenten endlich digitalisieren, was grundsätzlich sinnvoll und notwendig ist.
Doch seit dem 10. Januar 2026, dem Tag, an dem das IT-System für Ein- und Ausfuhren von Fischereierzeugnissen verpflichtend wurde, zeigt sich ein gänzlich anderes Bild: Statt effizienterer Abläufe erleben Unternehmen und Behörden eine Mischung aus Überforderung, Systemschwächen und enormem Mehraufwand. Die Realität: Digitalisierung in der Theorie, Bürokratie pur in der Praxis.
CATCH – ein digitales Nadelöhr
CATCH ist das zentrale EU-Instrument zur Umsetzung der IUU-Verordnung (EG) Nr. 1005/2008. Unternehmen, die Fisch aus Wildfang importieren oder verarbeitete Ware exportieren, müssen zwingend in diesem System arbeiten. Ohne eine ordnungsgemäße Abwicklung über CATCH gelangen Waren heute kaum noch in den freien Verkehr.
Doch das System wurde zum unfertigen Bottleneck:
• Unzureichende Schulungen und fehlende Testphasen,
• Nicht vorhandene oder mangelhaft funktionierende Schnittstellen,
• Umfangreiche manuelle Dateneingaben,
• Keine vollständige Einbindung relevanter Drittstaaten.
Was früher wenige Minuten dauerte, verschlingt heute Stunde um Stunde – pro Vorgang. Die Folgen sind gravierend: stockende Lieferketten, steigende Kosten, Verzögerungen und im schlimmsten Fall die Vernichtung verderblicher Ware. Ohne eine ordnungsgemäße Abwicklung über CATCH können entsprechende Waren grundsätzlich nicht mehr in den freien Verkehr überführt oder exportiert werden. Das IT-System berührt damit unmittelbar die Versorgungssicherheit der Bundesrepublik. Weder Unternehmen noch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) können diesen Zustand gutheißen, denn er belastet beide Seiten in einem Maße, das einer funktionierenden Verwaltung und einem stabilen Handel nicht angemessen ist, und gefährdet die Ernährungssicherheit.
Deutschland greif zur Notfallbremse
Die Belastung für die Branche war so hoch, dass das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMLEH) als übergeordnete Behörde des BLE Ende Januar gezwungen war, eine nationale Notfallregelung zu aktivieren. Damit darf das seit Jahren bewährte System FIKON II vorübergehend weiter genutzt werden.
Diese Entscheidung ist maßgeblich der schnellen Reaktion der Fischwirtschaft zu verdanken, die mit dem neuen System schlicht nicht richtig weiterarbeiten konnte. In enger Abstimmung mit dem BMLEH konnte erreicht werden, dass die praktischen Probleme von CATCH offiziell anerkannt wurden. Nur so konnten akute wirtschaftliche Schäden abgewendet und der Warenverkehr aufrechterhalten werden. Doch eines ist klar: Diese Notfalllösung ist nur ein Provisorium.
Der Wirtschaftsrat fordert deshalb, dass CATCH grundlegend überarbeitet wird:
• Praxistaugliche, interoperable Systeme,
• Digitale Lösungen, die Handelshemmnisse vermeiden,
• International anschlussfähige Schnittstellen,
• Echte Entlastung statt zusätzlicher Bürokratie.
Digitalisierung ist nie ein Selbstzweck, sondern sollte immer der Entlastung und Effizienzsteigerung dienen. Schon gar nicht darf sie zum Bremsklotz werden. Sie muss wirtschaftliche Prozesse vereinfachen und darf sie nicht verkomplizieren.
Fazit
Der Fall CATCH zeigt beispielhaft, wo europäische Bürokratie an ihre Grenzen stößt. Gleichzeitig macht er deutlich, wie wichtig es ist, digitale Instrumente realitätsnah zu entwickeln und die Wirtschaft frühzeitig mit einzubinden. Ein System wie CATCH, was die Ernährungssicherheit berührt, muss vor Einführung bestmöglich durchdacht und umgesetzt werden. Die nationale Notfalllösung verschafft etwas Luft, doch Europa muss handeln, damit aus einem Digitalprojekt nicht dauerhaft ein Bürokratiemonster wird.