Cyberdome und Cybersicherheitsstrategie: Deutschland stärkt digitale Resilienz
Das Bundesinnenministerium (BMI) treibt die Modernisierung der Cybersicherheit in Deutschland voran. Im Zentrum steht das geplante Cyberdome-Vorhaben, das sich an den Erfahrungen Israels orientiert, ohne dass deutsche Daten ins Ausland fließen oder eine exklusive Kooperation mit israelischen Unternehmen besteht. Ziel ist es, von den etablierten Strukturen Israels zu lernen und ein eigenes, souveränes System aufzubauen. Daniel Meltzian, Leiter des BMI-Grundsatzreferats für Cyber- und IT-Sicherheit, stellte dies kürzlich auf einer Veranstaltung der Bundesfachkommission Cybersicherheit in Berlin klar.
Der Cyberdome wird als mehrjähriges technisches Programm konzipiert, das bestehende Fähigkeiten integriert und neue Initiativen bündelt. Es besteht aus drei Säulen:
- Detektionsnetzwerk: Aufbau eines Systems zur frühzeitigen Erkennung von Schwachstellen in öffentlichen Netzen und NIS-2-regulierten Einrichtungen.
- Analyseverbund: Automatisierte Auswertung der gewonnenen Informationen durch das BSI und andere Partner, um sie für Wirtschaft, Wissenschaft, staatliche Stellen und internationale Partner nutzbar zu machen.
- Offenes Ökosystem: Nutzung standardisierter Schnittstellen und offener Technologien, um die gesammelten Daten effizient zu verarbeiten und weiterzugeben.
Die Bedarfsanalyse läuft derzeit, auch Wirtschaftsvertreter sind eingebunden. Bis Ende des Jahres soll ein Realisierungskonzept vorliegen, das haushalterisch noch vom Bundeskabinett beschlossen werden muss. Meltzian betonte, dass juristische Fragen berücksichtigt werden, der Schwerpunkt aber auf technischer Umsetzung liege.
Parallel arbeitet das BMI an der Fortschreibung der Cybersicherheitsstrategie. Ein Rohentwurf liegt vor; die Veröffentlichung wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet. Kernpunkte sind:
- Cybersicherheit als gemeinsame Aufgabe von Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft
- Digitale Souveränität
- Digitalisierung sicher gestalten
Die Federführung für digitale Souveränität liegt inzwischen beim Bundesdigitalministerium; das BMI bringt insbesondere die Perspektive der Sicherheitsbehörden ein.
Darüber hinaus plant das BMI zwei zentrale Gesetzgebungsvorhaben: das Cyberabwehrstärkungsgesetz sowie die Umsetzung des Cyber Resilience Acts, deren Ressortabstimmungen in Kürze beginnen könnten. Kabinettbeschlüsse sind frühestens Ende des ersten Quartals zu erwarten.
Die Bundesfachkommission Cybersicherheit des Wirtschaftsrates fordert, dass das Cyberdome-Vorhaben mit klaren Investitionsanreizen für Wirtschaft und kritische Infrastrukturen verknüpft wird. Gleichzeitig müssen offene Standards, Interoperabilität und digitale Souveränität konsequent umgesetzt werden. Nur ein koordiniertes Vorgehen von Staat, Wirtschaft und Wissenschaft kann gewährleisten, dass Deutschland in einer zunehmend digitalen und geopolitisch angespannten Welt resilient und handlungsfähig bleibt.