Das EU-Mercosur-Abkommen ist ein längst überfälliger Meilenstein für den Freihandel
Handel als geopolitisches Signal, endlich einmal mit Wirkung: Nach mehr als 25 Jahren hat sich die Europäische Union auf das Mercosur-Abkommen verständigt. Damit setzt Europa ein längst überfälliges Zeichen, sowohl wirtschaftlich, strategisch sowie außenpolitisch. Auch der Wirtschaftsrat hatte sich intensiv für einen raschen und pragmatischen Abschluss des Abkommens eingesetzt.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Abkommens steht außer Frage. Mit der Einigung entsteht nicht weniger als die größte Freihandelszone der Welt. Für europäische Unternehmen eröffnen sich neue Märkte in Lateinamerika. Dadurch ergeben sich für zentrale Industrien wie Maschinenbau, Chemie und Dienstleistungen spürbare Wachstumschancen. Gleichzeitig verbessert sich der Zugang zu strategisch wichtigen Rohstoffen. Das Abkommen ist damit für die EU ein wichtiger Schritt, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit wieder zu stärken.
Die Bedeutung des Abkommens reicht allerdings weit über Handelsfragen hinaus. In einer Welt, die zunehmend von Blockbildung und Protektionismus geprägt ist, zeigt die EU, dass sie bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und strategische Partnerschaften aktiv zu gestalten. Europa hat Handlungsfähigkeit bewiesen.
Dennoch ist klar, dass die Verhandlung des Abkommens viel zu lange gedauert hat. Die EU muss hier wesentlich pragmatischer agieren. Es gilt, neue Freihandelsabkommen pragmatisch und zielgeleitet abzuschließen. Dabei dürfen diese nicht mit Sozial- und Umweltstandards überfrachtet werden! Es muss Priorität sein, Verhandlungsprozesse effizienter zu führen. In diesem Zusammenhang braucht es auch eine Diskussion, Freihandelsabkommen als „EU only“ abzuschließen, damit Verhandlungen effizienter ohne notwendige Beteiligung der Mitgliedstaaten abgeschlossen werden können.
Für den Wirtschaftsrat ist klar, dass Mercosur kein Schlusspunkt sein darf. Wenn Europa seine wirtschaftliche Stärke sichern will, müssen nun weitere Abkommen folgen. Insbesondere mit Ländern wie Indien, Malaysia, den Vereinigten Arabischen Emiraten braucht es neue, ambitionierte Handelsinitiativen. Auch braucht es einen neuen Versuch für ein transatlantisches Freihandelsabkommen.
Offene Märkte, verlässliche Partner und klare Regeln sind kein Luxus, sondern die Grundlage für Wachstum, Wohlstand und politische Gestaltungsmacht. Das Mercosur-Abkommen ist daher ein starkes Signal. Jetzt muss Europa jedoch zeigen, dass es mehr kann als einen einzelnen großen Wurf. Der Wirtschaftsrat wird auch weiterhin politische Entscheidungsträger in Deutschland und Europa in die Pflicht nehmen, die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes durch mehr regelgeleiteten Freihandel zu stärken.