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20.05.2026
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Das Plastik-Delta: Eine Branche unter Dauerbelastung

©Adobe Stock (nicemyphoto)

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den deutschen Einzelhandel haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft. Neben hohen Energiepreisen, steigenden Lohnnebenkosten und wachsender Bürokratie sieht sich die Branche zunehmend auch mit strukturellen Herausforderungen durch internationale Plattformanbieter wie Temu und Shein konfrontiert. Der Wettbewerbsdruck ist groß, und zu allem Überfluss kommen immer mehr Belastungswellen wie die doch nicht abgeschwächte EUDR und die nun angekündigte Plastikabgabe. 

Der Einzelhandel unter Dauerstress

Statt für dringend notwendige Entlastung zu sorgen, verschärft die Politik die Situation: Mit der EU-Verpackungsverordnung PPWR, kommunalen Verpackungssteuern – wie jüngst in Potsdam eingeführt – sowie der genannten Plastikabgabe entsteht ein gefährliches Delta an Mehrfachbelastungen für den Handel und die Lieferkette. Der Wirtschaftsrat positioniert sich gegen diese Dreifachbelastung und fordert echte Entlastungen für den Einzelhandel und die Verbraucher. 

Neue Abgaben verstärken den Druck

Die aktuellen politischen Vorhaben rund um Verpackungen führen zu einer weiteren Eskalation der Belastungsspirale: 

  • EU-Verpackungsverordnung (PPWR): Zusätzliche Anforderungen an Verpackung, Recycling und Dokumentation erhöhen Aufwand und Kosten erheblich. Im August soll die PPWR umgesetzt sein.
  • Kommunale Verpackungssteuern: Einzelne Städte führen eigene Abgaben ein – ein Flickenteppich, der Planungssicherheit, Effizienz und am Ende den fairen Wettbewerb massiv beeinträchtigt. 
  • Plastikabgabe: Zusätzlich hat die Koalition eine generelle Abgabe auf Plastik angekündigt, was ein zusätzlicher Kostenfaktor entlang der gesamten Lieferkette wäre, insbesondere im sensiblen Bereich der Lebensmittelversorgung. 

Diese Maßnahmen wirken nicht isoliert, sondern emergieren zu einer gefährlichen Mehrbelastung für Unternehmen. Zudem gibt es bereits Regulierungen wie den Einwegkunststofffonds. 

Realität in der Versorgung: Plastik ist oft unverzichtbar

Besonders kritisch ist die Debatte um Kunststofferzeugnisse und Verpackungen deswegen, weil in vielen Bereichen, etwa in der Logistik oder bei Lebensmitteln, Plastik schlicht nicht ersetzbar ist. Es gewährleistet Hygiene, Haltbarkeit und Transportsicherheit. 

Ein pauschales Verteuern oder regulatorisches Einschränken solcher Verpackungen ignoriert die praktischen Anforderungen der Versorgungssicherheit und führt zwangsläufig zu steigenden Kosten, ohne kurzfristig gleichwertige Alternativen bereitstellen zu können.  

Mehrkosten treffen immer den Verbraucher

Ökonomisch ist klar: Zusätzliche Abgaben, Steuern und regulatorische Kosten werden entlang der Wertschöpfungskette weitergegeben. Es ist also egal, ob Recyclat-Anteil (PPWR), Aufschlag wegen Einwegverpackungen (komm. Verpackungssteuer) oder eine generelle Abgabe auf Plastikerzeugnisse: am Ende zahlt der Verbraucher. Von einer ‚Entlastung‘ kann also keine Rede sein. Im Gegenteil: Die Maßnahmen wirken wie ein verstecktes Preiserhöhungsprogramm. Vor dem Hintergrund der steigenden Inflation ist das gerade für Verbraucher doppelt belastend. 

Auswirkungen auf Innenstädte und Mittelstand

Die zunehmenden Belastungen treffen besonders den mittelständischen Einzelhandel. Kleine und mittlere Händler verfügen über geringe Anpassungsspielräume in ihrer Geschäftstätigkeit. Investitionen in nachhaltige Alternativen oder neue Prozesse sind oft kaum finanzierbar und mit weiteren Abgaben und Bürokratie droht eine ungebremste Fortsetzung des Händler-Sterbens. 

Die Folgen gehen weit über die Branche hinaus: Lebendige Innenstädte, regionale Wertschöpfung und Nahversorgung geraten zunehmend unter Druck. 

Was folgt daraus? 

Für den Wirtschaftsrat ist klar: Der aktuelle Kurs sendet ein fatales Signal. Statt den Einzelhandel als tragende Säule der Wirtschaft zu stärken, wird er durch immer neue Auflagen und Abgaben zusätzlich belastet. 

Der Wirtschaftsrat fordert daher: 

  • Stopp der Plastikabgabe: Die PPWR tritt im August in Kraft, einen Einwegkunststofffonds gibt es bereits und auch auf kommunaler Ebene wird zunehmend reguliert. Die angekündigte bundesweite Plastikabgabe muss fallengelassen werden.
  • Vermeidung eines Abgaben-Flickenteppichs: Die Bundesregierung sollte sich öffentlichkeitswirksam und konsequent gegen die kommunale Verpackungssteuer positionieren. Darüber hinaus sollte man darüber nachdenken, diese per Beschluss zu verbieten. 
  • Praxisnahe Regulierung der PPWR: Nachhaltigkeit muss mit wirtschaftlicher Realisierbarkeit einhergehen. Die PPWR muss in einem gesunden Maße angewendet werden, mit einfachen Dokumentationspflichten und dem Vermeiden von ‚Gold-Plating‘. 

Fazit

Für den Wirtschaftsrat ist klar: Das toxische Wirkungsdreieck aus europäischen Direktiven, nationalen Steuerplänen und kommunalen Einzelmaßnahmen führt zu einer gefährlichen Kumulation von Belastungen für den Einzelhandel und die gesamte Lieferkette. In einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage droht diese Entwicklung Konsum, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgung gleichermaßen zu schwächen. 

Was aktuell entsteht, ist kein ausgewogener politischer Ansatz, sondern ein strukturelles Übermaß an Regulierung und Abgaben zulasten von Unternehmen und Verbraucher. Echte Entlastungspolitik sieht anders aus. Die Regierungsparteien sollten sich um die Entlastung von Verbraucherinnen und Verbrauchern und den Mittelstand einsetzen, statt sie immer weiter zu bekämpfen.