Der Junge Wirtschaftsrat am Tisch der Entscheidungsträger: Arbeitsmarkt und Alterssicherung unter Reformdruck
Der demografische Wandel, ein zunehmender Fachkräftemangel und steigende Sozialausgaben erhöhen den Druck auf die deutsche Wirtschaft. Die Politik muss mit ordnungspolitischen Reformen die zentralen Säulen des deutschen Sozialstaats fundamental reformieren, um die langfristige Tragfähigkeit unseres Systems zu sichern und für Gerechtigkeit zwischen den Generationen zu sorgen.
In der Bundesfachkommission Arbeitsmarkt und Alterssicherung des Wirtschaftsrates konnte Ferdinand Herfeldt als Bundesvorsitzender die Agenda des Jungen Wirtschaftsrates zur Zukunft der Alterssicherung sowie weitere Reformvorschläge im Interesse jüngerer Generationen vor hochkarätigen Entscheidungsträgern aus der deutschen Wirtschaft und Vertretern der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vorstellen. Leistungsanreize zu stärken, die Erwerbsbeteiligung zu erhöhen, die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme langfristig stabil zu gestalten und Abwanderung von mehreren hunderttausend jungen und gut ausgebildeten Fachkräften aus Deutschland zu verhindern, waren der Fokus des Impulses. „Gerade bei langfristigen Reformen gilt: Wer das System künftig trägt, muss auch in der Debatte gehört werden,“ betonte Ferdinand Herfeldt vor der Bundesfachkommission.
Agenda der Jungen Generation
Im Mittelpunkt der Debatte stand die Frage, wie der Sozialstaat angesichts der demografischen Entwicklung und zunehmender Belastungen langfristig tragfähig gestaltet werden kann. Der Reformdruck in den Renten- und Sozialsystemen ist inzwischen erheblich. Bereits heute fließen erhebliche Mittel aus dem Bundeshaushalt in die gesetzliche Rentenversicherung – für das Jahr 2026 werden Zuschüsse von nahezu 130 Milliarden Euro erwartet, mit weiter steigender Tendenz in den kommenden Jahren. Gleichzeitig verschärft der demografische Wandel das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenbeziehern deutlich: Während derzeit etwa zwei Erwerbstätige eine Rentnerin oder einen Rentner finanzieren, könnte dieses Verhältnis bis 2030 auf rund 1,5 zu 1 und langfristig auf etwa 1,3 zu 1 sinken.
Um den Anstieg der Sozialabgaben zu begrenzen und die Finanzierungsbasis der Alterssicherung zu stabilisieren, sind strukturelle Reformen daher notwendig. Dazu gehört insbesondere eine stärkere Orientierung des Rentensystems an der demografischen Realität durch eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung sowie eine Stärkung des Nachhaltigkeitsfaktors in der Rentenformel. Auch Rentenanpassungen müssen zur Sicherung der Kaufkraft stärker an der Preisentwicklung ausgerichtet werden.
Ein weiterer zentraler Reformbaustein ist die Stärkung kapitalgedeckter Elemente der Altersvorsorge. Angesichts der Grenzen des umlagefinanzierten Systems muss eine Kapitaldeckung eine deutlich stärkere Rolle in allen drei Säulen der Altersvorsorge spielen. Auch steuerlich begünstigte Vorsorgedepots, eine Anpassung des Sparerpauschbetrags sowie eine stärkere Förderung langfristiger Kapitalmarktanlagen wurden befürwortet. Gerade auch Vermögensbildung muss für breite Bevölkerungsschichten ermöglicht werden.
Neben der Alterssicherung wurde auch die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland aus Sicht der jungen Generation thematisiert. Immer mehr junge Fachkräfte und Akademiker denken darüber nach, Deutschland zu verlassen. Ein wesentlicher Grund ist für viele junge Leistungsträger ein zunehmend ungünstiges „Preis-Leistungs-Verhältnis“ des Staates – geprägt durch hohe Steuer- und Abgabenlast, steigende Bürokratie und strukturelle Defizite bei Infrastruktur und staatlicher Leistungsfähigkeit.
Leistung muss entsprechend stärker belohnt werden. Dazu gehören unter anderem der Abbau des sogenannten Mittelstandsbauchs im Einkommensteuertarif, die Senkung von Lohnnebenkosten sowie eine deutliche Reduzierung bürokratischer Belastungen für Unternehmen. Gleichzeitig muss die öffentliche Infrastruktur modernisiert und Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, um Investitionen schneller zu ermöglichen.
Auch bei der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland sieht der Junge Wirtschaftsrat Reformbedarf. Eine Senkung der Unternehmensbesteuerung auf international wettbewerbsfähige Niveaus, die Abschaffung des Solidaritätszuschlags sowie eine gezielte Entlastung bei Energiepreisen und Lohnnebenkosten sind dringend notwendig. Gleichzeitig müsse der Staat stärker darauf achten, öffentliche Mittel zielgerichtet einzusetzen und Sondervermögen tatsächlich für Investitionen in Zukunftsbereiche zu verwenden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der Kapitalmarktkultur und finanziellen Bildung. In Deutschland liegt ein erheblicher Teil des privaten Vermögens weiterhin unverzinst auf Spar- oder Sichteinlagen. Auch wenn immer mehr junge Menschen sich für das Investieren an Kapitalmärkten interessiert, bleibt das Thema eine verpasste Chance für Vermögensaufbau und Investitionen. Eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung am Kapitalmarkt, kombiniert mit besserer finanzieller Bildung trägt auch dazu bei, Vermögensbildung sicherzustellen und gleichzeitig mehr privates Kapital für Innovation, Start-ups und Wachstumsunternehmen zu mobilisieren.
Insgesamt verdeutlichte die Diskussion, dass wirtschaftliche Dynamik und generationengerechte Sozialpolitik eng miteinander verbunden sind. Nur wenn der Ordnungsrahmen Wachstum ermöglicht, Leistung honoriert und reale Aufstiegschancen bietet, wird es gelingen, junge Leistungsträger dauerhaft an den Standort Deutschland zu binden und die sozialen Sicherungssysteme langfristig zu stabilisieren.