Der Junge Wirtschaftsrat fordert: Vermögensbildung statt Substanzbesteuerung – Debatte um die Reform der Erbschaftssteuer
Der SPD-Vorstoß zur Reform der Erbschaftssteuer kommt zur Unzeit. Ausgangspunkt ist das Problem, dass zu viele Menschen in Deutschland über zu wenig Vermögen verfügen. Aus Sicht des Jungen Wirtschaftsrates braucht es daher statt willkürlicher Substanzbesteuerungen eine Debatte darüber, wie dieses Problem durch mehr Vermögensbildung gelöst werden kann.
Eine zukunftsfähige Steuerpolitik muss zuallererst spürbare Anreize zum Vermögensaufbau ermöglichen, statt mit einer Erhöhung der Erbschaftssteuer wirtschaftliche Substanz zu besteuern. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass eine Erbschaftssteuer nicht zielführend ist. Im Gegenteil, ohne Erbschafts- und Vermögenssteuern werden Anreize für Reinvestitionen sowie Ansiedlungen von Unternehmen geschaffen. Daraus folgen positive Entwicklungen, wie eine höhere Wertschöpfung, mehr Arbeitsplätze und eine stärkere Kapitalbasis. Mehr Wohlstand entsteht nicht durch Umverteilung und Neiddebatten, sondern durch marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Unternehmertum und effizientes Wirtschaften belohnen. Dadurch wird die Grundlage für einen breiten Vermögensaufbau in der Bevölkerung erst ermöglicht.
„Genau deshalb sehe ich die aktuelle Debatte zur Erbschaftsteuerreform kritisch,“ sagt Ferdi-nand Herfeldt, Bundesvorsitzender des Jungen Wirtschaftsrates. „Reformen können sinnvoll sein – aber sie dürfen nicht zum kurzfristigen Kassensturz werden und dabei die Substanz unserer Sozialen Marktwirtschaft beschädigen.“ Bestimmte Grundsätze müssen in dieser Reformdiskussion zwingend beachtet werden.
Schutz von Betriebsvermögen
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sendet eine Erhöhung der Erbschaftssteuer ein fatales Signal an junge Leistungsträger. Nur durch konsequenten Schutz von Betriebsvermögen bleibt eine Unternehmensnachfolge attraktiv. Der Mittelstand steht durch die demografische Entwicklung vor einer Nachfolgewelle. Steuerliche Mehrbelastungen schrecken vor einer Unternehmensnachfolge ab. Verantwortung für einen Familienbetrieb zu übernehmen, ist ein zentraler Stabilitätsfaktor für Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland.
Keine Diskriminierung von Familienbetrieben
Bei jedem Generationenwechsel würde systematisch die Erbschaftssteuer anfallen. Damit würde die Substanz von produktiven Unternehmen besteuert, wodurch Kapital und Einnahmen liquidiert, in vielen Fällen sogar Arbeitsplätze abgebaut werden müssten, um die Steuerlast tragen zu können. Gerade der deutsche Mittelstand ist stark geprägt von traditionsreichen Familienunternehmen, deren nachhaltige und langfristige Unternehmensführung dadurch bestraft werden würde. Diese Schlechterbehandlung von Familienunternehmen gegenüber Unternehmen mit anderen Eigentümerstrukturen ist völlig unverständlich.
Wirkung und Einnahmen stehen in keinem Verhältnis
Der Bewertungs- und Bürokratieaufwand für die geringe Höhe an Steueraufkommen ist unverhältnismäßig. Gutachterliche Prozesse und rechtliche Verfahren binden unzumutbar hohe Kapazitäten in Unternehmen, Behörden und Gerichten. Dabei würde das legitime Ziel, höherer Vermögen in breiteren Bevölkerungsschichten nicht gelöst werden – im Gegenteil würde die Vermögenssteuer von der Unternehmensgründung und damit einhergehenden Kapitalbildung eher abhalten.
Keine Flat-Tax bei der Erbschaftssteuer
Auch scheinbar einfache Lösungen wie eine Flat-Tax bei der Erbschaftssteuer führen zu Mehrbelastungen für Betriebe, die gerade in Krisenzeiten untragbar sind. Gerade jetzt sind viele Familienunternehmen froh, wenn sie angesichts der wirtschaftlichen Lage volle Auftragsbücher zu verzeichnen haben. Stattdessen muss der Fokus auf Bürokratieabbau, ein Zurückfahren von Meldepflichten sowie zu mehr Digitalisierung bei Steuerverfahren liegen.
Leistungsgerechtigkeit statt Neidkultur
Durch die Erbschaftssteuer werden Bürger mit geringem Einkommen nicht vermögender. Stattdessen würden auf Kosten der Kapitalbasis der deutschen Wirtschaft die überbordenden Staatsausgaben querfinanziert werden. Viele Hidden Champions sind Familienbetriebe und Rückgrat der Deutschen Industrie, weswegen für mehr Akzeptanz in der breiten Gesellschaft gesorgt werden muss. Eine Gesellschaft, in der Konkurrenzbeobachtung das Spiel verdrängt, steuert auf fatale Konsequenzen zu, und der Junge Wirtschaftsrat rät von einer solchen Situation ab. Neiddebatten sind kontraproduktiv und machen breite Bevölkerungsschichten nicht vermögender.
Steuerpolitik muss Planungssicherheit bieten
Für eine vermögendere Bevölkerung muss das Ziel sein, niedrigen und durchschnittlichen Einkommen den Vermögensaufbau zu ermöglichen. Dies geschieht durch die Sicherung von Wachstum und damit einhergehenden höheren Einkommen, wofür berechenbare Standortkosten zentral sind. Höhere Substanzbesteuerungen schrecken Investoren und Unternehmen ab, sich in Deutschland anzusiedeln oder hier zu expandieren. Deutschland steht in einem globalen Wettbewerb. Durch Substanzbesteuerungen sinkt der Anreiz für langfristige Ansiedlungen von Unternehmen erheblich.
„Für die Akzeptanz dieses Systems ist meiner Ansicht nach entscheidend, dass mehr Menschen real teilhaben, und zwar durch breiten Vermögensaufbau, nicht durch immer neue Belastungsrunden,“ fordert Ferdinand Herfeldt. „Sonst haben Nicht-Vermögende am Ende nichts davon, während wir Wachstum bremsen und Vermögensbildung noch schwerer machen.“
Politik sollte sich daran messen lassen, ob sie Aufstieg und Eigentumsbildung ermöglicht. Statt reflexhaft über weitere Steuererhöhungen zu diskutieren, braucht Deutschland eine Politik, die Eigentumsbildung, Investitionen und unternehmerische Verantwortung gezielt stärkt. Eine Substanzbesteuerung von Betriebsvermögen würde gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten Investitionen ausbremsen, Arbeitsplätze gefährden und die Planungssicherheit am Standort Deutschland nachhaltig schwächen.
Echte gesellschaftliche Teilhabe entsteht nicht durch immer neue Belastungsrunden, sondern durch verlässliche Rahmenbedingungen, die es mehr Menschen ermöglichen, Vermögen aufzubauen und Verantwortung zu übernehmen.