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25.02.2026
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Digitalisierungsstrategie des Bundesministeriums für Gesundheit: Die Zukunft der Pflege im digitalen Wandel

©Adobe Stock (sky view)

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens steht ganz oben auf der politischen Agenda in Deutschland. In der jüngsten Digitalisierungsstrategie der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken werden zentrale Weichen für die Zukunft des deutschen Gesundheits- und Pflegesystems gestellt. Doch trotz der wachsenden Bedeutung der digitalen Transformation im medizinischen Sektor, bleibt die Langzeitpflege – trotz ihrer zentralen Rolle in der Versorgung einer alternden Gesellschaft – in der Strategie bislang nur am Rande berücksichtigt.

Digitale Ansätze im Gesundheitswesen: Fokus auf ePA und Telemedizin

Das Herzstück der Digitalisierungsstrategie des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) ist die elektronische Patientenakte (ePA), die zusammen mit dem E-Rezept und der Telemedizin als Schlüsselinstrumente der digitalen Transformation gelten. Das Ziel ist, die ePA bis 2028 auf 20 Millionen Nutzer auszudehnen und die Einführung KI-gestützter Dokumentationslösungen in über 70 Prozent der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen zu erreichen. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Effizienz zu steigern und das Pflegepersonal zu entlasten – ein Schritt, der angesichts des Fachkräftemangels und der hohen Arbeitsbelastung in der Pflege dringend notwendig ist.

Trotz der Vorteile, die die Digitalisierung für das Gesundheitswesen bringen kann, wird in der aktuellen Strategie deutlich, dass die Pflege als eigenständiger Sektor nicht ausreichend berücksichtigt wird. Langfristige Pflege und die spezifischen Bedürfnisse von Pflegebedürftigen sind nur in begrenztem Maße Teil der Digitalisierungsinitiativen. Besonders auffällig ist die fehlende Integration digitaler Pflegeanwendungen (DiPA), die für eine umfassende digitale Unterstützung in der Pflege nötig wären. Die Pflege stellt besondere Anforderungen an digitale Lösungen, die sowohl die administrative Entlastung der Pflegekräfte als auch eine bessere Versorgung der Pflegebedürftigen ermöglichen.

Der Wirtschaftsrat sieht die Langzeitpflege als einen eigenständigen Bereich, der in die digitale Strategie aufgenommen werden muss. Es ist entscheidend, dass digitale Standards und Anwendungen entwickelt werden, die sowohl den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen als auch der Pflegekräfte gerecht werden, um die Digitalisierung im Pflegealltag effektiv umzusetzen.

Dazu zählen unter anderem Lösungen für die digitale Dokumentation, die telemedizinische Betreuung und die Nutzung digitaler Anwendungen zur Unterstützung der Pflegeorganisation. Die aktuelle Digitalisierungsstrategie zeigt jedoch, dass die Pflege bei der Planung und Umsetzung digitaler Maßnahmen bislang nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Während die elektronische Patientenakte als „digitaler Begleiter“ für das gesamte Gesundheitswesen etabliert werden soll, fehlen konkrete Maßnahmen und Ideen, wie digitale Anwendungen die Pflege konkret entlasten und verbessern können. 

Potenziale der Digitalisierung in der Pflege

Die digitale Transformation der Pflege bietet die Möglichkeit, zahlreiche Herausforderungen zu adressieren, insbesondere im Hinblick auf den Fachkräftemangel, die steigende Zahl an Pflegebedürftigen und die strukturellen Belastungen der Pflegeeinrichtungen. Der Einsatz von Telepflege, also der Fernüberwachung und -beratung von Pflegebedürftigen durch digitale Technologien, könnte eine Lösung darstellen, die sowohl die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte verringert als auch eine kontinuierliche Betreuung der Patienten gewährleistet. Modellprojekte, die bereits vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützt werden, gehen in diese Richtung. Diese Projekte sollten jedoch weiter ausgebaut werden, um flächendeckend digitale Pflegeangebote anzubieten und deren Nutzen in der Praxis zu erproben.

Ein weiteres Potenzial liegt in der KI-gestützten Dokumentation. Pflegekräfte sind häufig mit einer hohen administrativen Last konfrontiert, die ihnen wertvolle Zeit für die eigentliche Pflege raubt. Künstliche Intelligenz könnte in diesem Bereich entlastend wirken, indem sie administrative Aufgaben übernimmt und die Dokumentation effizienter gestaltet. Dieser Ansatz ist besonders wichtig, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden und die Pflegekräfte von bürokratischen Hürden zu befreien.

Die Digitalisierungsstrategie des Bundesministeriums für Gesundheit stellt einen bedeutenden Schritt in Richtung einer moderneren und effizienteren Gesundheitsversorgung dar. Doch gerade die Pflege – ein Sektor, der zunehmend auf digitale Lösungen angewiesen ist – muss stärker mitgedacht werden. Eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen darf die spezifischen Bedürfnisse der Pflege nicht ausklammern. Es ist notwendig, dass Langzeitpflege und die Anforderungen der Pflegekräfte und -bedürftigen von Anfang an in die Planung digitaler Maßnahmen einbezogen werden. Nur so kann die digitale Transformation auch in der Pflege ihren vollen Nutzen entfalten und zu einer nachhaltigen Verbesserung der Versorgung führen.