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15.01.2026
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Fruchtimporteure im Visier der organisierten Kriminalität

©Adobe Stock (Aziz)

Jeder liebt Bananen, Ananas und Kokosnuss. In diesem Bereich der Lebensmittelwirtschaft herrscht jedoch eine komplexe Herausforderung: die zunehmende Infiltration durch organisierte Kriminalität. Besonders betroffen ist der Obst- und Gemüsehandel, wo Drogenschmuggel über legale Lieferketten abgewickelt wird, so etwa durch Einschleusung von Kokain in Bananencontainern. Für die betroffenen Lebensmittelimporteure wird die ‚Kaperung‘ ihrer Warensendungen durch internationale Drogenbanden zur zunehmenden wirtschaftlichen Herausforderung. Für den Wirtschaftsrat ist klar: Dieses Problem hat bislang viel zu wenig politische Aufmerksamkeit erfahren.  

Warum das Problem akut ist

Millionen Tonnen an Südfrüchten werden jährlich in die EU importiert. Bananen etwa werden grün geerntet und laufen mehrere Stationen ab, bevor sie im Supermarktregal landen. Von der Ernte zum Kühlcontainer (1-2 Tage), dann im Überseetransport (7-14 Tage) bis zur Reifung im Zielhafen (4-7 Tage) und Auslieferung (1-3 Tage) vergehen zweieinhalb bis vier Wochen. An jeder Station in der Lieferkette besteht die Gefahr, dass die Container mit Kokainpaketen befüllt werden. Die Droge wird dabei nicht immer einfach zwischen etwa Bananenkisten gelegt, sondern teilweise in die Metallgestelle des Containers geschweißt. Gründliche Kontrollen sind zwingend, aber aufwändig: Container müssen gescannt, aufgebrochen, entleert und wieder versiegelt werden – das führt zu Zeit- und Qualitätsverlusten.

Zusätzlich geraten Mitarbeiter in ernsthafte Gefahr, etwa durch Einbrüche in Betriebe oder Überfälle auf LKWs. Nachhaltigkeits- und Sorgfaltspflichten können nur schwer eingehalten werden. Und das Problem wird größer: Von 2018 bis 2023 hat sich die weltweit geschätzte Produktionsmenge von Kokain mehr als verdoppelt. 

Der Importeur als Leidtragender

Zoll, Polizei und Hafenbehörden kämpfen massiv mit Personal- und Ressourcenmangel. Zuständigkeiten sind nicht immer klar, der Informationsaustausch ist fragmentiert, Effizienzpotenziale bleiben liegen. Röntgenscanner (CPAs) sind genauso Mangelware wie das Personal, das sie bedient. Movingkosten zu Kontrollstationen, Strafzahlungen für verspätet zurückgegebene Container und nicht zuletzt auch die Kosten der verdorbenen oder verspäteten Ware landen zu 100 % beim Importeur. Andere europäische Hafenstädte wie Antwerpen sind bei Weitem besser ausgestattet, auch mit VMRs, den mobilen Scannern. 

Verzögerungen lösen regelmäßig eine Kettenreaktion aus: Bleibt die Ware im Hafen, können Lieferverträge nicht eingehalten werden, was Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette hat. Hinzu kommt, dass das Risiko nicht versicherbar ist.  

Letztlich leidet die Branche auch unter Stigmatisierung: Seriöser Fruchthandel wird pauschal in Verbindung mit dem Drogenhandel gebracht – samt Reputationsschäden und zusätzlicher Kontrolle, unabhängig von eigener Compliance. 

Was der Wirtschaftsrat fordert:

  • Häfen als Schlüsselakteur stärken: Häfen sind das zentrale Bollwerk gegen Drogeneinfuhren. Sicherheits- und Kontrollinfrastruktur müssen geschlossen und einheitlich ausgebaut werden. Es braucht ausreichendes Equipment – also mehr stationäre und mobile Scanner – sowie qualifiziertes Personal.  
  • Kosten fair und EU-weit transparent regeln: Scans und Kontrollen sind unverzichtbar. Die erheblichen Kosten dürfen nicht allein durch die Importeure getragen werden. 
  • Wirtschaft einbeziehen und Green Lanes für verderbliche Ware: Importeure müssen in Design, Ablauf und Priorisierung der Kontrollen eingebunden sein. Für sensible, schnell verderbliche Produkte sind Green Lanes nötig: risikobasierte, priorisierte Abfertigung mit gleicher Sicherheitsqualität, aber zeitstabilen Prozessen. Lebensmittelverschwendung muss ein Ende finden.

  • Einheitliches Melde- und Informationssystem: Zwischen Zoll, Polizei, Hafen, Reedereien, Spediteuren und Importeuren braucht es ein verbindliches Lage- und Informationssystem. So werden knappe Ressourcen besser verteilt, Risiko-Profile geschärft und Sicherheitswissen entlang der Lieferkette gebündelt – zum Schutz von Menschen, Ware und Unternehmen. 

Für den Wirtschaftsrat ist klar: Sicherheit und Versorgung sind kein Widerspruch. Mit starken Häfen, klaren Spielregeln, mehr Scanner-Kapazität, Green Lanes und eng verzahnter Zusammenarbeit lässt sich die Drohkulisse der organisierten Kriminalität eindämmen. Alles andere bringt Mitarbeiter in Gefahr, verteuert Lebensmittel und schwächt seriöse Unternehmen.