Neue Energiepartnerschaften am Golf: Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit rücken wieder in den Fokus
Die jüngsten Reisen von Friedrich Merz und weiteren Vertretern der Bundesregierung nach Saudi-Arabien, Katar und in die Vereinigte Arabische Emirate markieren eine spürbare Neuausrichtung der deutschen Energiepolitik. Im Zentrum stehen nicht außenpolitische Symbolik oder kurzfristige Krisendiplomatie, sondern die nüchterne Erkenntnis, dass ein industriell geprägter Standort wie Deutschland dauerhaft auf verlässliche, bezahlbare und diversifizierte Energielieferungen angewiesen ist.
Mit Katar und den Emiraten rücken dabei gezielt Länder in den Fokus, die für Flüssigerdgas, perspektivisch für Wasserstoff und für energieintensive Vorprodukte eine zentrale Rolle spielen. Gerade LNG-Lieferungen aus Katar haben seit dem Wegfall russischer Gasimporte erheblich zur Stabilisierung der europäischen Energiemärkte beigetragen. Die Emirate wiederum investieren massiv in Energieinfrastruktur, Raffineriekapazitäten und neue Energieträger. Für Deutschland bedeutet das: Zugang zu globalen Energiemärkten, Entlastung bei Preisen und mehr Resilienz gegenüber geopolitischen Schocks.
Diese neue Ausrichtung der Bundesregierung ist aus wirtschaftlicher Sicht ausdrücklich zu begrüßen. Sie trägt der Realität Rechnung, dass Transformation ohne Versorgungssicherheit nicht funktioniert. Klimaziele, Elektrifizierung und industrielle Modernisierung setzen voraus, dass Energie in ausreichender Menge verfügbar bleibt. Internationale Energiepartnerschaften – auch mit klassischen Förderländern – sind deshalb kein Widerspruch zu einer modernen Energiepolitik, sondern deren Voraussetzung.
Aus Sicht des Wirtschaftsrates sendet dieser Kurs ein wichtiges Signal an Unternehmen und Investoren: Deutschland denkt Energiepolitik wieder strategisch und global. Wer Deindustrialisierung verhindern, Wertschöpfung im Land halten und Investitionen ermöglichen will, muss Energiepolitik als Standortpolitik begreifen. Die intensiveren Kontakte zu Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten gehen in diese Richtung – und sollten konsequent weiter vertieft werden.