Zwischen Washington und Peking kommt es auf Europas Wettbewerbsfähigkeit an
Die unberechenbare Zollpolitik von US-Präsident Trump zeigt Wirkung: China ist 2026 im internationalen Handel außerhalb der EU erneut wichtigster Handelspartner Deutschlands. Mit einem Außenhandelsvolumen von über 251 Milliarden Euro hat die Volksrepublik im vergangenen Jahr die USA überholt. Die Zahlen machen deutlich, wie sensibel die deutsche Volkswirtschaft auf handelspolitische Unsicherheiten reagiert.
Vor diesem Hintergrund kam dem Besuch des Bundeskanzlers in China besondere Bedeutung zu. Aus Sicht des Wirtschaftsrates war dabei entscheidend, zwei Ziele zu verbinden: wirtschaftliche Kooperation sichern und zugleich auf faire Wettbewerbsbedingungen drängen.
Das ist umso wichtiger, als China einen maßgeblichen Beitrag für die Wertschöpfung in Deutschland leistet. Allein 12,5 Prozent der Importe nach Deutschland kamen 2025 aus der chinesischen Volksrepublik. Chinesische Vorprodukte sind vor allem für das verarbeitende Gewerbe wichtig. Die Unternehmen hierzulande erwirtschaften also in der starken Verflechtung mit China Wertschöpfung und Wohlstand.
Auch auf der Exportseite bleibt China ein relevanter Markt: Mit einem Anteil von rund fünf Prozent der deutschen Ausfuhren liegt das Land auf Platz sechs der wichtigsten Absatzmärkte, hinter den USA und mehreren EU-Mitgliedstaaten.
Deutschland ist wie kaum ein anderes Land in den Welthandel integriert. Die Summe aus Exporten und Importen entspricht rund 80 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts. Außenhandel ist damit kein Zusatzgeschäft, sondern Fundament unseres Wohlstands. Schätzungen zufolge hängt rund ein Viertel aller Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Export ab. In der Industrie ist es sogar mehr als jedes zweite Beschäftigungsverhältnis.
Gleichzeitig befinden wir uns in einer Phase zunehmender Handelskonflikte und eines verschärften Systemwettbewerbs zwischen den USA und China. Deutschland und Europa geraten dabei zunehmend zwischen die Fronten. So werden chinesische Exporte infolge der US-Importzölle verstärkt in Richtung EU umgelenkt. Steigende Exportüberschüsse und zusätzlicher Preisdruck können hierzulande zu erheblichen Marktverwerfungen führen.
Gerade deshalb braucht es eine Rückkehr zu klarer Regelbindung im internationalen Handel. Stabilität im Welthandel ist keine außenpolitische Nebensache, sondern Kern wirtschaftlicher Stärke. Washington und Peking sind gleichermaßen gefordert, faire Wettbewerbsbedingungen unter dem Dach der WTO sicherzustellen. Mit einem ruinösen Systemwettbewerb, der auf wechselseitige Abschottung und Subventionierung setzt, darf sich die Weltwirtschaft nicht dauerhaft abfinden.
Hier kommt Europa eine besondere Rolle zu. Die EU kann und sollte eine Mittlerposition einnehmen. Das setzt jedoch voraus, dass sie ökonomisch auf Augenhöhe agiert. Und genau dafür braucht es eine deutliche Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Vom Besuch des Bundeskanzlers in China wird daher auch ein Signal für den kommenden EU-Gipfel zur Wettbewerbsfähigkeit im März ausgehen müssen.
Langfristig entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit unseres Standorts daran, ob Europa seine strukturellen Hausaufgaben erledigt. Nur wenn wir unsere Wettbewerbsfähigkeit konsequent stärken, können sich unsere Unternehmen im globalen Wettbewerb behaupten.