Bericht zur LFK Digitalisierung – Vortrag von Dr. Markus Reichel MdB
Im Rahmen der LFK Digitalisierung hielt Markus Reichel MdB (CDU) einen Vortrag zum Thema:
„Digitale Souveränität aktiv gestalten – Halbleiterökosystem als Erfolgsmodell aus Sachsen, für Deutschland und Europa“.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Deutschland und Europa ihre technologische Handlungsfähigkeit in einem zunehmend geopolitisch geprägten Umfeld sichern können. Dr. Reichel betonte, dass digitale Souveränität nicht als Autarkie zu verstehen sei, sondern als Fähigkeit, Schlüsseltechnologien eigenständig entwickeln und produzieren zu können.
Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der strategischen Bedeutung von Halbleitern. Diese bilden die Grundlage nahezu aller digitalen Anwendungen – von der Automobilindustrie über industrielle Produktion und Energieversorgung bis hin zu Künstlicher Intelligenz und Kommunikationsinfrastruktur. Die bestehenden Abhängigkeiten von Produktionsstandorten in Asien und den USA stellen dabei ein erhebliches wirtschafts- und sicherheitspolitisches Risiko dar.
Vor diesem Hintergrund wurde der European Chips Act eingeordnet. Ziel der europäischen Initiative ist es, den Anteil Europas an der globalen Halbleiterproduktion bis 2030 deutlich zu erhöhen, Investitionen zu mobilisieren und eine resilientere Wertschöpfungskette aufzubauen. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass sich viele Projekte noch im Aufbau befinden und die Wirkung erst mittelfristig sichtbar werden wird.
Als praktisches Beispiel für ein funktionierendes Industrie- und Innovationsökosystem wurde der Standort Sachsen vorgestellt. Das Cluster Silicon Saxony hat sich über Jahrzehnte zu einem der führenden Mikroelektronikstandorte Europas entwickelt. Mit Unternehmen wie Infineon Technologies, GlobalFoundries, Bosch, X-FAB sowie der European Semiconductor Manufacturing Company ist dort eine vollständige Wertschöpfungskette aus Industrie, Forschung und Zulieferern entstanden.
Als wesentliche Erfolgsfaktoren wurden benannt:
- langfristige industriepolitische Kontinuität,
- enge Verzahnung von Wissenschaft und industrieller Anwendung,
- gezielte Förderinstrumente von Bund, Land und EU,
- Ausbau von Fachkräftequalifikation sowie
- leistungsfähige Infrastruktur.
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine intensive Diskussion. Dabei wurde der Bogen über die Halbleiterindustrie hinaus zu weiteren Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz und Quantencomputing gespannt. Einigkeit bestand darin, dass technologische Souveränität in diesen Bereichen ohne eigene industrielle und technologische Kernkompetenzen kaum erreichbar ist.
Die Veranstaltung verdeutlichte insgesamt, dass digitale Souveränität als langfristige strategische Aufgabe verstanden werden muss, die wirtschaftliche, technologische und politische Dimensionen gleichermaßen umfasst.