Bericht
07.11.2025
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Krankenhausreform - und Resilienz

Diskussion über Krankenhausreform zeigt entscheidende Weichen für Berlins zukünftige Gesundheitsversorgung auf
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Am 7. November 2025 fand in den Räumen der Berliner Krankenhausgesellschaft e.V. eine aufschlussreiche Sitzung der Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft des Wirtschaftsrates der CDU e.V., Landesverband Berlin-Brandenburg, statt. Im Mittelpunkt stand das Thema „Krankenhausreform und Resilienz“. Unter der Leitung von Stefan Eschmann, Vorstandsvorsitzender der KMG-Kliniken, richtete sich der Blick auf die zukünftige Gesundheitsversorgung und darauf, konkrete Handlungsoptionen für den Standort Berlin abzuleiten.

Als besonderer Gast war die CDU-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für den Gesundheitsausschuss, Simone Borchardt, eingeladen. In ihrem Beitrag hob sie drei zentrale Punkte für einen wettbewerbsfähigen Gesundheits- und Wirtschaftsstandort hervor: die Ambulantisierung, klare Steuerungsmechanismen und die Digitalisierung. Sie betonte, dass sich „die Krankenhäuser meist selbst im Weg stünden, wenn es um die Verlagerung medizinischer und sozialer Leistungen vom stationären in den ambulanten Bereich“ gehe. Das sogenannte Primärsystem müsse künftig als erste Anlaufstelle fungieren – für die Koordination und Weiterleitung von Behandlungsschritten. Zudem unterstrich Borchardt, dass Berlin im bundesweiten Wettbewerb nur bestehen könne, wenn die Hybrid-DRGs rasch marktfähig werden und durch ein modernes Regelwerk flankiert sind.

In der anschließenden Diskussion sprachen sich mehrere Mitglieder für eine schnelle Umsetzung der Innovationsvorhaben aus, insbesondere da Tageskliniken in Berlin häufig nicht in unmittelbarer Nähe zu Krankenhäusern liegen. Durch eine effizientere Umverteilung des Pflegepersonals könne der Stationspflegemangel abgefedert werden, entgegnete Borchardt jedoch mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit klarer Personaluntergrenzen.
Auch Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft e.V., äußerte sich kritisch: Weder der Entwurf des KHVVG noch der Abbau von Bürokratie führten bislang zu einer spürbaren Entlastung in der Versorgung. Besonders im Fokus standen die vom Bundestag beschlossenen 4 Milliarden Euro Soforthilfe für die Berliner Krankenhäuser – von denen letztlich nur 1,8 Milliarden Euro tatsächlich zur Verfügung stehen.

Zentral war zudem die Frage, wie gut die Berliner Gesundheitsversorgung auf einen möglichen militärischen Krisenfall vorbereitet ist. Zu erwarten wären bis zu hundert zusätzliche Pflegefälle pro Tag – darunter Geflüchtete und Betroffene mit Kriegstraumata, Schnitt- und Brandverletzungen oder Infektionen. Hierfür brauche es eine deutlich höhere Gesundheitskompetenz sowie einen stärkeren Einbezug von Rehabilitationseinrichtungen.

Mit Veranstaltungen wie dieser setzt die Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft des Wirtschaftsrates Berlin-Brandenburg ein deutliches Zeichen: Die Gesundheitswirtschaft steht nicht nur für individuelle Gesundheit, sondern ist ein entscheidender Motor für Innovation, gesellschaftliche Stabilität und ökonomische Stärke. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, braucht es Mut zu Veränderungen und eine Politik, die Innovationen nicht ausbremst, sondern aktiv unterstützt.