Veranstaltung der Sektion Westbrandenburg: Katastrophenschutz im Zeitalter multipler Bedrohungen
Vergangene Woche hat der Wirtschaftsrat Berlin-Brandenburg im Rahmen einer Veranstaltung der Sektion Westbrandenburg über ein hochaktuelles Thema diskutiert. Gemeinsam mit Uwe Adler MdL, Sprecher für Innenpolitik und Brand- und Katastrophenschutz der SPD-Fraktion des Landtages Brandenburg und Prof. Dr. Martin Voss, Leiter der Krisen- und Katastrophenforschungsstelle der Freien Universität Berlin haben sich unsere Mitglieder über „Katastrophenschutz im Zeitalter multipler Bedrohungen“ ausgetauscht.
Krisen sind längst kein Ausnahmezustand mehr. Das haben uns die vergangenen Jahre gezeigt. Durch Naturkatastrophen, Pandemien, geopolitische Spannungen oder hybride Angriffe ist die Gefahrenlandschaft komplexer und dynamischer geworden. Damit steigen die Anforderungen an die Resilienz von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen.
Im Zuge der Diskussionsrunde wurde die Resilienz der Bevölkerung als zentraler Faktor hervorgehoben. Krisenbewusstsein und individuelle Vorsorge gewinnen zunehmend an Bedeutung. Empfehlungen wie eine eigenständige Versorgung für mindestens drei Tage seien keine symbolischen Maßnahmen, sondern Ausdruck eines notwendigen Mentalitätswandels. Eine aktive Befähigung der Bürger sei dabei entscheidend, um mit Unsicherheiten umzugehen. Dies gelte insbesondere auch für Kinder und Jugendliche, deren Kompetenzen im Umgang mit Krisen früh gestärkt werden sollten.
Gleichzeitig zeigt sich die Relevanz funktionierender Organisationsstrukturen. Krisen legen Schwächen offen, etwa in der Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Kommunen, bei Zuständigkeiten oder im Zusammenspiel von Behörden. Reformanstrengungen seien zwar erkennbar, dennoch bleibe fraglich, ob diese ausreichen, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
Hinzu komme eine zunehmende Komplexität der Krisen selbst. Die Zahl klarer, einfacher Antworten nehme ab. Stattdessen seien interdisziplinäre Ansätze gefragt, die auch einen soziologischen Blick auf Krisen einbeziehen: Wie reagieren Gesellschaften unter Stress? Welche Rolle spielen Vertrauen und Kommunikation? Auch das Vertrauen in staatliche Institutionen sei dabei eine zentrale Ressource, denn ohne sie geraten Maßnahmen schnell an ihre Grenzen.
Eine wachsende Herausforderung stellen zudem hybride Bedrohungen dar, etwa durch Cyberangriffe oder gezielte Desinformation. Sie zielen nicht nur auf Infrastrukturen, sondern auch auf das gesellschaftliche Gefüge. Umso wichtiger sei der korrekte Umgang mit solchen Bedrohungen.
In diesem Kontext komme Unternehmen eine Schlüsselrolle zu. Als wirtschaftliche Akteure sind sie auch Teil der kritischen Infrastruktur und damit unverzichtbar für das Funktionieren der Gesellschaft in Krisenzeiten. Die Diskussion hat gezeigt, dass insbesondere in Unternehmen Vorsorgestrukturen, Notfallpläne sowie die Schulung der Mitarbeitenden von zentraler Bedeutung seien. Gleichzeitig können sie durch flexible Produktions- und Lieferketten, Innovationskraft und schnelle Anpassungsfähigkeit einen wesentlichen Beitrag zur Krisenbewältigung leisten. Auch das Thema Datenschutz wurde in der Diskussion hervorgehoben. Dieser bleibe auch in Krisensituationen ein hohes Gut, dürfe aber notwendige Handlungsfähigkeit nicht unangemessen einschränken.
Letztlich zeigt sich: Resilienz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie entsteht im Zusammenspiel von funktionierenden Institutionen, einer vorbereiteten Bevölkerung und verantwortungsvoll handelnden Unternehmen. Dabei ist es entscheidend, eigene Schwächen offen anzuerkennen und kontinuierlich an Verbesserungen zu arbeiten. Nur so kann es gelingen, den vielfältigen und wachsenden Herausforderungen der Gegenwart wirksam zu begegnen.
Wir bedanken uns bei Herrn Adler MdL und Herrn Prof. Dr. Voss für den informativen und anregenden Austausch!