Bericht
24.02.2026
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Veranstaltung „Chemie und Raffinerie am Scheideweg“

Das zentrale Thema: Wie lassen sich Wettbewerbsfähigkeit und Transformation der europäischen Chemie- und Raffinerieindustrie sichern?
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Zum Thema „Chemie und Raffinerie am Scheideweg“ diskutierten Kristin Schreiber, Direktorin in der Generaldirektion Binnenmarkt der Europäischen Kommission, und Prof. Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Fuels und Energie (en2x), am 24. Februar 2026 beim Wirtschaftsrat Brüssel.

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Corinna Grajetzky, Vorsitzende des Wirtschaftsrates Brüssel, begrüßte die Gäste  und ordnete das Thema in die aktuellen industriepolitischen Debatten ein. Die europäische Chemie- und Raffinerieindustrie stehe an einem entscheidenden Wendepunkt. Angesichts geopolitischer Spannungen, steigender Kosten und zunehmenden internationalen Wettbewerbs entscheide sich jetzt, ob zentrale Grundstoffproduktionen in Europa verbleiben oder ins Ausland abwandern.

Prof. Küchen zeichnete ein angespanntes Lagebild der Branche. Raffinerien und chemische Grundstoffproduktion bildeten das Rückgrat zahlreicher Wertschöpfungsketten, stünden jedoch unter erheblichem Kostendruck – insbesondere durch hohe Energiepreise und regulatorische Anforderungen. Investitionen würden zunehmend zurückgestellt oder verlagert. Zwar sei der Emissionshandel grundsätzlich sinnvoll, seine Wirkung stoße im globalen Wettbewerb jedoch an Grenzen. Zudem fehle es bei neuen Vorgaben vielfach an ausreichender Planungssicherheit für Investoren.

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Kristin Schreiber wies auf die entsprechenden Initiativen der Europäischen Kommission hin. Mit dem Chemical Action Plan und der Critical Chemicals Alliance wolle die Kommission das industrielle Ökosystem stärken und strategische Abhängigkeiten reduzieren. Langfristige Klimaziele sollten beibehalten, kurzfristige Instrumente jedoch gezielt angepasst werden, um Unternehmen spürbar zu entlasten.

Als wichtige Hebel nannte sie unter anderem Strompreisentlastungen, den schnelleren Ausbau von Infrastruktur, die Förderung von kohlenstoffarmem Wasserstoff sowie die geplante Vereinfachungsagenda („Omnibus“) zur Reduzierung bürokratischer Belastungen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass die Branche vor einem schwierigen Zielkonflikt steht: Emissionsminderung und Transformation erfordern hohe Investitionen, während wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen vielerorts noch fehlen. Besonders betont wurde die Bedeutung verlässlicher Regulierung und planbarer Marktbedingungen für Investitionsentscheidungen.

Abschließend warb Corinna Grajetzky für einen stärker integrierten und pragmatischen Ansatz in der europäischen Industriepolitik. Finanzierung, Regulierung und Marktbedingungen müssten konsequent zusammengedacht werden. Der Wirtschaftsrat Brüssel werde hierfür weiterhin eine Plattform für den Dialog zwischen Politik und Industrie bieten.

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